Vater des Opfers wirft Beamten Untätigkeit vor/Staatsanwaltschaft dreht Spieß um

Stalker tötet seine Ex (19): Sind die Behörden schuld?

Nürnberg - Es war ein Mord mit Ansage: Als Ralf H. am 22. November 2005 seine Ex-Freundin Lena B. (19) erstach, hatte er die Tat längst im Internet und per SMS angekündigt.

Ein richterliches Kontaktverbot ignorierte er, polizeiliche Vorladungen verschob er. Ein Jahr nach dem Mord wurde H. zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt und in die Psychi-atrie eingewiesen. Die Akte könnte also geschlossen werden, doch Lenas Vater kämpft für seine tote Tochter weiter.

Peter B. (51) will auch die Richter und Kommissare zur Rechenschaft ziehen, die seiner Meinung nach die Gefährlichkeit des Täters unterschätzt hatten. Noch vor dem Prozess zeigte B. einen Polizeioberkommissar aus Lauf an der Pegnitz wegen fahrlässiger Tötung an. Er hätte Ralf H. am Tag vor dem Mord zu einem Vorfall vernehmen sollen, bei dem H. Lena im Beisein ihres Vaters gewürgt hatte. Obwohl seine Mord-Drohung zu diesem Zeitpunkt im Internet bereits bekannt war, soll der Kommissar eine Verschiebung der Vernehmung um drei Tage akzeptiert haben. Zu diesem Zeitpunkt saß Ralf H. schon in U-Haft. Er hatte Lena vor dem Kindergarten in Neunkirchen abgepasst und mit 26 Messerstichen getötet.

Einen Monat zuvor hatte er in einer E-Mail an einen Freund gedroht: „Ich will Lena sterben sehen, und sie wird dabei furchtbar leiden.“ Beinahe flehentlich hatte sich der Vater von Lena daraufhin an die Behörden gewandt und an sie appelliert, den potenziellen Gewalttäter endlich in Haft zu nehmen. Man könne nichts tun, habe man ihm geantwortet, sagt Peter B.: „Sie haben die Gefahr verharmlost.“

Anderthalb Jahre nach dem Urteil, das der Vater als viel zu milde empfand, bekam er nun einen neuen Schlag ins Gesicht. Der Generalstaatsanwalt teilte ihm mit, dass die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren gegen Amtsträger einleiten wird. Begründung: „Hätte sich die Gefährlichkeit des späteren Mörders (…) tatsächlich offenbart, wäre zudem unverständlich, warum der Beschwerdeführer seine Tochter auf dem Weg zur Arbeit nicht selbst begleitet hat. Diese war bei ihm beschäftigt.“ Ist der Vater also am Tod seiner Tochter selbst schuld? Peter B. ist wütend: „Ich bin stinksauer, dass hier so gemauert wird und dass so etwas überhaupt passieren konnte.“

Der Richter im Prozess vor dem Schwurgericht hatte mehr Verständnis für ihn gehabt: Hans Neidiger schätzte den Mord an Lena auch als Rache von Ralf H. am Vater ein, der stets gegen diese Beziehung gewesen war und seine Tochter sowie die Polizei vor ihm gewarnt hatte.

Mit einem Klage-Erzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Nürnberg will Peter B. nun doch noch erreichen, dass die Verantwortung für Lenas Tod juristisch aufgeklärt wird: „Ich will diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die es versaut haben.“ Sein Dürener Anwalt Christoph Rühlmann unterstützt ihn dabei: „So einen Umgang hat Herr B. nicht verdient.“

Quelle: tz

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