"Jeder sieht, dass das mit der S-Bahn so nicht mehr geht"

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OB Christian Ude (r.) und Peter Gauweiler im Jahr 2010

München - Nun kommt München21: Im Streit um die 2. Stammstrecke ruft OB Christian Ude (SPD) nach einem Schlichter – und zieht freiwillig den Schwarzen Peter. Wie soll Gauweiler helfen?

Der Münchner Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (CSU) soll vermitteln zwischen Rathaus und Maximilianeum, München und Berlin, Bahn und Staat. „Das Kasperltheater muss enden“, sagte der OB und stellte erstmals doch Geld der Stadt in Aussicht. „Ich würde mich nicht verweigern, ein Jahrhundertprojekt zu retten.“ Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) schaltete auf Rot – Gauweiler kann ihm gar nicht passen.

Ausgerechnet der! Wenn es einen Politiker gibt, der seiner Parteiführung regelmäßig auf die Nerven geht und gleichzeitig an der Basis Begeisterung entfacht, dann er. Euro-Skeptiker, CSU-Revoluzzer, Einzelgänger: Beim letzten Parteitag wollte Gauweiler CSU-Vize werden – und scheiterte knapp. Gegner war ein anderer Schwarzer Peter im Tunnel-Spiel, der Ramsauer nämlich, der als CSU-Bundesverkehrsminister partout nur 200 Millionen Euro für das Zwei-Milliarden-Projekt herausrücken will – keinen Cent mehr.

Seehofer versprach Gauweiler, in die Führung einbezogen zu werden. Seitdem war aus der Staatskanzlei wenig zu vernehmen. Und jetzt bekommt der Ministerpräsident den Renegaten vom künftigen Herausforderer vorgesetzt. Ude gab sich alle Mühe, den Schachzug als naturgegeben darzustellen. „Der Bundestagsabgeordnete ist als früherer KVR-Chef und bayerischer Staatsminister allen drei Ebenen verbunden.“ Bis Sommer sollen alle Beteiligten die offenen Fragen klären: Gibt es eine Alternative? Ist die Finanzierung zu retten?

Dazu machte Ude selbst einen Vorschlag: Wenn sich vor allem Bund und Bahn bewegen und auch die MVV-Landkreise mitziehen, könnte auch die Stadt einen Beitrag leisten – in geringem Umfang über 20 Millionen Euro sogar als Zuschuss, in höherem Maße als Kredit. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) freute sich und forderte Berlin auf, mehr beizusteuern, denn die Bahn überweist 500 Millionen Euro im Jahr an den Bund. Selbst die Münchner CSU will Gauweiler als Schlichter.

Damit hat Seehofer die letzten Verbündeten vor Ort verloren: Zuvor hatten seine oberbayerischen Parteifreunde protestiert – nach einer CSU-Runde nahm Seehofer gestern das bereits verkündete Aus zurück. Mit Gauweiler will er sich aber nicht herumschlagen: „Wir brauchen keinen Mediator, wir brauchen Geld.“

Vielleicht kommt das auch von einem Investor. Ude deutete mysteriös an, es gebe ein „höchst seriöses Angebot“.

David Costanzo

So sieht's im Stellwerk Ost aus

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„Es ist genug Zeit verplant und vertan worden“

Da ist er wieder, zurück im Rampenlicht: CSU-Urgestein Peter Gauweiler (62) soll jetzt im Ringen um die zweite Stammstrecke als Schlichter auftreten. Im Gespräch mit der tz erklärt der Bundestagsabgeordnete, wieso er trotz der verfahrenen Situation Licht am Ende des S-Bahntunnels sieht.

„Nach dem endlosen Gezerre ist es jetzt an der Zeit, dass wir endlich was tun“, betont Gauweiler. „Es gibt ja überall Differenzen und sogar innerhalb der CSU drei Meinungen.“ Die zweite Stammstrecke sei wegen der ungeklärten Finanzierung zu einem Wahlkampf-Thema verkommen. „Da werden die Zuständigkeiten hin- und hergeschoben wie der Schwarze Peter, doch den mach ich jetzt selber.“

Man sei dem Wahlvolk und den täglich 800 000 Pendlern endlich Lösungen schuldig. „Man muss doch nur mal mit der S-Bahn fahren, dann sieht jeder, dass das so nicht mehr geht.“ Zu überlastet, zu störanfällig: Für Gauweiler ist ein Ausbau alternativlos – und das, obwohl er sich selbst gegen die Mega-Baustelle am Marienhof aussprach. Einen Interessenskonflikt sieht er dennoch nicht: Gauweiler ging es um die Art und Weise der Baustelle und die dadurch bedingten Beeinträchtigungen der Anwohner. „Dass das S-Bahn-Nadelöhr München jetzt aber fit gemacht werden muss, steht außer Frage.“ Es sei genug Zeit verplant und vertan worden. Er will alle Beteiligten schleunigst an einen Tisch bringen, um vor allem die Finanzierung zu klären. Gauweiler selbst hat seine Schlichter-Rolle nur an eine Bedingung geknüpft: „Dass der Stadtrat, insbesondere meine politischen Freunde von der CSU-Fraktion, dieser Personalie zustimmen.“ Ansonsten nehme er den Vorschlag des Oberbürgermeister gerne an. Gauweiler ist zurück im Rampenlicht.

Stefan Dorner

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