Das große Chaos blieb aus

So lief die Stammstrecken-Sperrung: Ein Erlebnisbericht

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tz-Reporterin Bettina Ulrichs testete am Samstag den Bus-Ersatzverkehr durch die City.

Die Bahn hatte es lange im Voraus angekündigt, wir ausführlich darüber berichtet: Das ganze Wochenende war die Stammstrecke wegen Arbeiten komplett lahmgelegt. Jetzt fahren die S-Bahnen wieder. Wie funktionierte der Schienenersatzverkehr? Wir haben uns am Samstagmittag auf den Weg gemacht.

Der Start um 12.44 Uhr am Ostbahnhof ist prima. Der sehr freundliche Busdisponent Dietmar Bauer (s. Umfrage unten) ist an seiner Warnweste gut erkennbar. Die Busse fahren zügig, aber es gibt weder eine Haltestellen-Anzeige noch Durchsagen. In drei Minuten sind wir am Rosenheimer Platz, keine Probleme, und um 12.52 Uhr ist schon der nächste Stopp am Isartor. Auffällig: Offenbar bleiben viele zuhause, der Bus (und viele andere) sind mäßig voll.

Unser Fahrer kann auf dem Altstadtring bei wenig Verkehr Gas geben. In acht Minuten sind wir am Odeonsplatz – das ist die Ersatzstation für den nicht anfahrbaren Marienplatz (zu eng für die alle fünf Minuten ankommenden Busse). Nur ein paar Minuten später ist – mit Zwischenstopp Lenbachplatz, der aus logistischen Gründen den Stachus ersetzt – der Hauptbahnhof Nord erreicht.

Am Pasinger Bahnhof wurden die Helfer von vielen Reisenden bestürmt – und gaben meist richtig Auskunft.

Auch hier kein Andrang – was aber auch daran liegen könnte, dass die Ersatzhaltestelle in der Arnulfstraße schlecht ausgeschildert ist. Eine Engländerin, die zum Bushahnhof Hackerbrücke und weiter nach Salzburg will, ist ratlos – und der Busfahrer wenig hilfreich. Wir helfen der Frau weiter. Zügig fahren wir zur Donnersbergerbrücke und zum Hirschgarten weiter. Genau zehn Minuten Fahrzeit ab Hauptbahnhof, die S-Bahn braucht die Hälfte. Ärgerlich aber: Es gibt keine Busdurchsagen! Bis Pasing (via Laim) hat’s 47 Minuten gedauert. Das ist in Ordnung. Aber die Infos…

So macht die Leitung Spaß

Es läuft super. Die Leute sind sehr nett, und manche freuen sich sogar – denn der Anschluss ist besser als mit der S-Bahn. Alle fünf Minuten fährt ein Bus ab. Fragen haben allerdings alle. Ich habe um 12 Uhr angefangen und informiere bis 22 Uhr die Fahrgäste. 

Dietmar Bauer, Busdisponent, Ostbahnhof

Zeitverlust: 20 Minuten

Ganz entspannt: Ingrid Weismann aus Gilching.

Ich wusste von der Sperrung und habe in Gilching gleich eine Bahn früher genommen. In Pasing wurde ich falsch informiert: Schneller wäre es mit der Regionalbahn zum Hauptbahnhof gegangen statt mit dem Bus. Ich musste zum Prinzregentenplatz und brauchte 20 Minuten länger. 

Ingrid Weismann aus Gilching

Zu schlecht beschildert

Leicht genervt: Larissa Posipanco (l.) und Judy Matiebel.

Ich habe lange nach der blöden Haltestelle am Hauptbahnhof gesucht, das könnte man besser beschildern. Jetzt brauchen wir halt nach Pasing länger, von dort fährt unsere Bahn nach Germering wieder.

Larissa Posipanco aus Germering

Ziemlich stressfrei

Es läuft recht gut. Viel ist nicht los, aber gerade kam mir ein voller Bus entgegen. Die Leute kommen stoßweise. Fragen haben viele, aber bisher waren alle freundlich. Naja, ich habe auch sehr gute Laune, und der Verkehr flutscht richtig.

Lars Heitmann, Busfahrer

Wir feiern, der Rest stört nicht

Uns stört die Sperrung nicht. Vom Hotel am Isartor aus sind wir in den Ersatzbus eingesteigen und jetzt zum Feiern in den Hirschgarten unterwegs. Wir fahren genauso wieder zurück und dann noch in den Augustinerkeller.

Felix Schwendmann aus Rottweil (Baden-Württemberg)

Fall Ihre S-Bahn mal wieder ausfällt: Wir helfen Ihnen sofort

Die S-Bahn fällt aus. Wie kommen Sie jetzt zur Arbeit, zur Uni, zum Arzt? Schnelle Hilfe gibt es auf Facebook. In diesen Gruppen verabreden Sie Fahrgemeinschaften oder teilen sich die Taxikosten.

Bettina Ulrichs

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