Viele Münchner haben geholfen

Stammzellen-Spende: Hoffnung für Lucia

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So süß und voller Lebenswillen: die kleine Lucia (sieben Monate) im Bettchen

München - Es ist ein Sieg des Lebens über den Tod. Ein kleines Mädchen hat ihn errungen - zusammen mit seiner Mama, seiner Familie und vielen, vielen hilfsbereiten Münchnern.

Die ganze Stadt hatte im Herbst um die knapp sieben Monate alte Lucia gebangt.

Ihr kleiner, schwacher Körper wehrte sich verzweifelt gegen eine lebensbedrohliche Immunschwäche-Krankheit. Ein aussichtsloser Kampf, so schien es. Schließlich gab es nur noch die Hoffnung, dass eine Stammzellen-Spende ihr Leben retten könnte.

Doch in der weltweiten Kartei fand sich kein genetischer Zwilling. Mit einem bewegenden Appell wandte sich deshalb ihr Großvater Klaus Kögel (54) an die Bevölkerung. Lucias Mama Melanie fehlte einfach die Kraft. Und die Hilfsbereitschaft war riesig: 1400 Frauen und Männer ließen sich in München und Wörthsee typisieren. Aber der passende Spender war leider auch nicht unter den vielen Freiwilligen.

So entschlossen sich die Ärzte, es mit einer Stammzellen-Transplantation ihrer 16 Jahre jungen Mutter zu probieren. Das Problem dabei: Weil Melanie noch minderjährig ist, durfte sie nicht allein entscheiden – der Ethikrat musste eingeschaltet werden.

Bei der Mutter liegt im Durchschnitt eine 50- prozentige Übereinstimmung des genetischen Materials vor. Wie sich bei Lucias Mama schließlich herausstellte, lag ihr Wert sogar noch darüber.

Am 10 und 11. Dezember war es dann so weit: Melanie wurden im Klinikum Großhadern die Stammzellen entnommen – und einen Tag später wurden die Zellen Lucia im Haunerschen Kinderspital transplantiert. Danach begann das bange Warten. Würde Lucias Körper die mütterlichen Spenderzellen abwehren?

Jeden Morgen um sechs Uhr stand Mama Melanie auf, fuhr mit der S-Bahn ins Krankenhaus, um ihrer Tochter beizustehen. Wie schwer muss das sein, wenn man sich seinem Kind wochenlang nur mit Schutzkleidung nähern darf, es kaum herzen und liebkosen kann? Und wie schwer muss das sein, jeden Tag zu hoffen, dass sich die Zahl der lebensnotwendigen Leukozyten wieder erhöht hat – wenigstens ein bisserl?

„Zum Glück“, so Opa Klaus Kögel, „konnten wir Melanie während der Feiertage wenigstens ein bisschen entlasten.“ Und zum Glück stieg die Zahl der Leukozyten tatsächlich! Die wunderbare Nachricht zum Jahreswechsel: Inzwischen ist der kritische Wert von 1300 (normal sind etwa 3500) mit 1500 übertroffen. Das heißt nicht nur, dass Melanie und ihre Eltern vorsichtig optimistisch sein dürfen. Es heißt auch, dass die strengen Hygienevorschriften etwas gelockert werden. Endlich sieht die kleine Lucia mal wieder das ganze Gesicht ihrer Mama – ohne den Mundschutz!

Klaus Kögel sagt: „Wir werden noch viel Geduld haben müssen. Abwehrreaktionen können auch noch in den nächsten Jahren auftreten.“ Aber viel besser, als es im Moment läuft, könnte es eigentlich nicht sein. Kögel: „Ich möchte mich auf jeden Fall bei allen sehr herzlich bedanken, die Melanie und uns in dieser schweren Zeit so wundervoll unterstützt haben, allen voran das Team in der Haunerschen Kinderklinik.“

Die vielen großherzigen Münchner konnten zwar mangels Gen-Treffer nicht mit Stammzellen helfen. Aber sie haben der Familie Kraft gegeben. Im Kampf des Lebens gegen den Tod.

Wolfgang de Ponte

tz-Stichwort: Stammzellen-Spende

Die Spende von Blutstammzellen: Oft ist sie die letzte Hoffnung für den Kranken. Die Methode kann unter anderem bei verschiedenen Formen der Leukämie helfen. Auch bei einigen Immunschwäche-Krankheiten (wie bei Lucias HLH) verspricht die Stammzellen-Spende Erfolg. Dem Spender müssen die Zellen übrigens nicht mehr unbedingt aus dem Knochenmark entnommen werden – mittlerweile funktioniert das auch aus dem Blut. Dann spritzen die Ärzte dem Empfänger die Stammzellen intravenös. Wichtig ist, dass Spender und Empfänger möglichst gut zusammenpassen. Dabei kommt es nicht zwingend auf die gleiche Blutgruppe an, dafür aber auf die so genannten ­Gewebemerkmale.

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