Star-Anwalt Witti von Anwaltskammer verklagt

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Michael Witti

München -  Der frühere Star-Anwalt Michael Witti wirbt trotz Verlust seiner Zulassung mit seinen Erfolgen. Die Anwaltskammer wirft ihm Täuschung vor und hat den Juristen nun verklagt:

Einst kämpfte er für seine Mandanten vor US-Gerichten um Milliarden. Er engagierte sich in spektakulären Verfahren als Opfer-Anwalt und trat gegen Menschenrechtsverletzungen ein. Dann ruinierte sich der einstige Star-Anwalt Michael Witti, 52, selbst: Der Münchner Jurist veruntreute Mandanten-Gelder und verlor deshalb 2008 sogar seine Zulassung.

Jetzt ist Witti vornehmlich damit beschäftigt, „meine eigenen Dinge zu ordnen“ – auch vor Gericht. Denn die Rechtsanwaltskammer München hat ihn verklagt. Seine ehemaligen Kollegen monieren, dass Witti mit seinem Auftritt im Internet den täuschenden Eindruck erwecke, er arbeite weiterhin als Rechtsanwalt. Die Standeskammer fordert deshalb, ihr ehemaliges Mitglied möge bei seiner Werbung künftig darauf hinweisen, dass er keine Zulassung mehr habe.

Die verlor Witti am 8. September 2008, nachdem das Amtsgericht München gegen ihn einen Strafbefehl wegen Untreue über elf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung erlassen hatte. Neu beantragen, erklärte Michael Witti am Dienstag vor dem Landgericht, könne er die Zulassung wohl erst in zwei bis drei Jahren.

Dies aber müsse er nicht im Internet kundtun, meint sein Anwalt Michael Kleine-Cusack. Sein Mandant sei nicht als Anwalt tätig, sondern fungiere lediglich als Rechtsberater. Und als solcher dürfe er seinen Lebenslauf im Internet veröffentlichen, auf seine Spezialisierung im Schadenersatzrecht hinweisen und auch seine früheren Erfolge erwähnen: darunter seine federführende Rolle bei den Milliarden-Entschädigungen für NS-Opfer in den USA sowie seine Rolle als Opfer-Anwalt in spektakulären Fällen wie das Seilbahnunglück in Kaprun oder der Flugzeugkollision über Überlingen.

Das sieht die 1. Handelskammer ebenso: „Das ist nicht gelogen, er hat die Prozesse geführt, also darf er auch damit werben“, sagt die Vorsitzende Richterin. „Seine Kenntnisse verschwinden ja nicht mit der Zulassung.“

Das aber will die Rechtsanwaltskammer nicht hinnehmen: Witti vertrete derzeit den „Verein ehemaliger Heimkinder“ und habe sogar am „Runden Tisch zur Aufarbeitung der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland“ gesessen. Witti habe 25 Millionen Euro Schadenersatz gefordert und verhandle über diese Ansprüche. In Briefen an Bundestagsabgeordnete bezeichne er sich als „Advocat“, was wohl gleichbedeutend sei mit Anwalt.

Über den Begriff „Advocat“ ließe sich tatsächlich streiten, meinen die Richter. „Am Runden Tisch aber sitzen viele, die keine Anwälte sind, die dürften ja dann alle nicht über Ansprüche verhandeln.“

Bettina Link

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