Unsere garantiert Spoiler-freie Star-Wars-Kritik

Star Wars: Der letzte Kampf der Sternenkrieger - der letzte Teil der beliebten Saga

Ab Mittwoch ist „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ in den deutschen Kinos zu sehen. Bei uns lest Ihr, was Euch erwartet. Garantiert Spoiler-frei. 

  • „Der Aufstieg Skywalkers“ ist ab Mittwoch in den Kinos zu sehen. 
  • Der mutmaßlich letzte Teil der beliebten „Krieg der Sterne“-Saga von Regisseur J. J. Abrams.
  • Diese Filmkritik ist garantiert Spoiler-frei.

München - Es sind nur Spuren im Sand. Doch erzählen sie eine Menge – über Rey, die junge Heldin, die hier ihren Weg geht. Aber auch über die „Star Wars“-Saga, die mit dem Kinostart am Mittwoch von „Der Aufstieg Skywalkers“ ihr – zumindest vorläufiges – Ende findet. In dieser Szene also läuft Rey hinaus in die Weite einer Wüste, beobachtet von ihren Mitstreitern im Raumschiff. Durch dessen Fenster fängt Kameramann Daniel Mindel die Strecke ein, die sie zurückgelegt hat. Diese ist alles andere als gerade, sondern schlägt einen Bogen. Scheinbar grundlos.

Dramaturgisch gibt es für diese kurze Sequenz kaum eine Rechtfertigung. Regisseur J. J. Abrams zeigt mit ihr jedoch anderes, Wichtigeres. Den Umweg nämlich, den seine Heldin nehmen musste, um sich selbst zu finden. Ihre Suche ist das Grundmotiv der Trilogie. Konsequenterweise antwortet Rey zu Beginn dieser letzten 142 vollgepackten und packenden Kinominuten auf die Frage nach ihrem Familiennamen: „Ich bin einfach Rey.“

Unsere garantiert Spoiler-freie Star-Wars-Kritik

Selbstbewusst, charmant mag der Satz klingen, doch ist die junge Frau unglücklich, eine Antwort schuldig bleiben zu müssen. Über ihre Herkunft weiß sie nichts. Dass ihre Vergangenheit allerdings so wenig geradlinig war wie jene Strecke im Sand, ahnen wir Zuschauer ebenso wie sie.

Nun endet Reys Reise, die in den Vorgängerfilmen „Das Erwachen der Macht“ (2015) und „Die letzten Jedi“ (2017) ihren Anfang nahm, und die Heldin findet Klarheit, gar Erlösung. Abrams richtete gleich mehrere Szenen ein, in denen seine Kämpferin die Geburt rückwärts erleben muss: So wird sie etwa durch einen Sog in ein strudelndes Sandloch gezogen oder muss sich durch dunkle, enge Felsspalten zwängen – bis sie endlich, endlich den Ursprung ihres Daseins (und damit ihres Leidens) kennenlernen darf.

Der Regisseur, der bereits den ersten Teil der Trilogie in Szene setzte, erzählt jedoch nicht nur diese individuelle Entwicklungsgeschichte. Mit „Der Aufstieg Skywalkers“ (Wer mit diesem Titel gemeint ist, sei hier ebenso wenig verraten wie andere Details: Sie können also getrost weiterlesen) endet auch die Geschichte, die rund 30 Jahre nach der Ur-Trilogie (1977-1983) spielt: Der Kampf Gut gegen Böse ist längst in einer Dauerschleife, wenige Widerständler wehren sich gegen die Vernichtung durch die Erste Ordnung. Natürlich trifft es sich gut, dass das finale Gefecht mit Reys Suche zusammenfällt. Oder ist es umgekehrt? Jedenfalls gehört beides zusammen.

Star Wars: Der letzte Kampf der Sternenkrieger

Abrams hat die von George Lucas ersonnene Weltraum-Oper 2015 erfolgreich wiederbelebt. Nun führt er diese große Erzählung des 20. Jahrhunderts, die Versatzstücke aus Mythen, Religionen und Psychologie, aus (Pop-)Kultur und Philosophie, aus abendländischen und asiatischen Traditionen munter mixt und die sich bei Shakespeare ebenso bedient wie bei Homer, zu einem furiosen Finale. Sein Film hat ein gutes Tempo und ist virtuos geschnitten. Trotz der langen Spielzeit hängt die Geschichte nicht durch.

„Der Aufstieg Skywalkers“ liefert Abenteuer und Action, Anspielungen und Antworten. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, erlebt einen kurzweiligen Science-Fiction-Spaß mit viel Spannung und etwas weniger Humor. So wird etwa der von Oscar Isaac gespielte Weltraum-Macho Poe wunderbar beiläufig von einer Frau in seine Schranken verwiesen; ebenfalls en passant wird eine homosexuelle Partnerschaft gezeigt. Wer mit „Star Wars“ älter geworden ist, freut sich zudem über Verweise auf und Gäste aus der Ur-Trilogie.

Kein Geheimnis ist, dass Carrie Fisher (1956-2016) nochmals als Prinzessin/General Leia zu sehen ist. Aus den beiden Vorgängerfilmen war genug unveröffentlichtes Material vorhanden, auf das Abrams nun zurückgreifen konnte. Es ist verblüffend, wie harmonisch sich diese Szenen hier einfügen. Und es ist berührend, wie würdevoll und unaufgeregt sich der Film und seine Macher von Fisher und ihrer Paraderolle verabschieden.

Prinzessin/General Leia

Star Wars: Spoiler-frei - Filmkritik zum Kinostart

Getragen wird „Der Aufstieg Skywalkers“ freilich von Daisy Ridley als Rey und Adam Driver in der Rolle ihres Gegenspielers Kylo Ren. Auch er, der eigentlich Han Solos (Harrison Ford) Sohn ist und seinen Vater vernichtete, ist auf einer Reise. Es sind die stärksten Momente, wenn diese beiden außergewöhnlichen Schauspieler aufeinandertreffen. Denn beiden gelingt es, dass wir Kostümierung und Action vergessen und einen Blick in die Seele ihrer Figuren werfen können.

Auch Abrams zeigte bei der Inszenierung dieser Begegnungen besonderes Geschick: Da bilden Rey und Ren bei einem ersten Aufeinandertreffen etwa ein gleichschenkliges Dreieck der Macht. Dann gibt es einen rasant choreografierten Kampf, bei dem sich die beiden allerdings an verschiedenen Orten befinden – letztlich kämpft hier ein jeder mit sich selbst. Bis sie sich schließlich in einem tosenden Meereschaos erneut gegenüber stehen. Wasser symbolisiert nicht nur den Ursprung des Lebens, sondern steht in Literatur und Kunst auch für den Seelenzustand des Menschen. Ja, J. J. Abrams versteht das Spiel mit Verweisen. Und ja, wir begreifen spätestens jetzt, warum Rey Angst hat – vor sich selbst.

Am Ende findet dieser Film nicht nur elegant einen unaufdringlichen Anknüpfungspunkt für eine mögliche Fortschreibung der Saga. Am Schluss steht auch erneut die Frage nach dem Familiennamen. Und die Antwort ist der letzte Satz, der hier gesprochen wird. Wer dies wissen möchte, gerät hier zu unserem ultimativen Spoiler.

Filmkritik: „Der Aufstieg des Skywalkers“

„Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“

mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Carrie Fisher, Mark Hamill

Regie: J. J. Abrams

Laufzeit: 142 Minuten

Hervorragend 5 Sterne

Rubriklistenbild: © Lucasfilm Ltd. / Lucasfilm Ltd.

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