Konzertkritik: Stargeiger Garrett begeistert

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David Garrett

München - Super-Fiedler David Garrett zu verreißen, ist leicht und oft zelebriert worden. Doch warum eigentlich dieser Hass? Was er macht, ist doch gar nicht neu, und was er macht, kommt an.

Nicht nur bei den Mädchen, sondern auch bei den klassikaffinen Ü-45-Jährigen. Letztere waren am Samstag in der seit Monaten ausverkauften Olympiahalle in der Überzahl und feierten den Stargeiger im Rahmen seiner „Rock Anthem“-Tournee und seinen Bombastauftritt inklusive Lasershow, Feuerwerken und Schwebeeinlagen.

Seit seinem sechsten Lebensjahr zählen Beethoven & Co. zu den engsten Vertrauten des jetzt 31-jährigen Geigers. Er genoss eine hervorragende Ausbildung auf der ganzen Welt – um jetzt Rocktitel mit großem Orchester nachzuspielen. In München also erleben seine Fans ein (musikalisches) Aufbegehren gegen all das, gegen den jahrelangen Drill, gegen die Zwänge der Klassikindustrie. Ohne Pauken und Trompeten zwar, doch wuchtiger, effektgeladener, als es sich ein 31-Jähriger ohne dieses Talent erträumen kann.

Kein Stil ist vor ihm, seiner Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt sicher. Vor keinem zeigt er Respekt, weder vor Guns N’Roses, Bon Jovi und auch nicht vor den Beatles. Er reproduziert alles, interpretiert allerdings zu selten neu. Seine Paddle-Board-Version von Coldplays „Viva la Vida“ ist eine der wenigen wunderbaren Ausnahmen. Sie klingt gar spannender als das Original. Aber beim Rock schluckt die Gitarre zu oft die einfühlsame Geige. Schade. Und wenn dann das Scherzo aus Beethovens Neunter wie ein Brei aus Led-Zeppelin-Metallica daherkommt, dann war zu viel einfallsloses Wollen im Spiel. Das ist des Genies Beethovens nicht würdig und eines Garretts auch nicht. Aber vor allem nicht seiner Ausbildung. Kreativität darf ruhig auch Teil einer Rebellion sein.

Angelika Mayr

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