Hier machen vier Leser den Anfang

Start der neuen tz-Aktion: Wir schreiben Ihr Leben auf!

München - Die tz startet eine neue Aktion: Ab sofort gibt es regelmäßig eine Biografie über Menschen, deren Leben man einfach festhalten muss. Hier machen vier Leser den Anfang und schildern ihr spannendstes, wichtigstes, prägendstes Ereignis.

Ab diesem Wochenende steht der Leser in der tz noch mehr im Mittelpunkt: Wir wollen nicht mehr nur für ihn schreiben und ihm die wichtigsten Themen seiner Stadt servieren, sondern über ihn: Auf der letzten tz-Lokalseite gibt es ab sofort eine Biografie über Menschen, deren Leben man einfach festhalten muss. Und zum Auftakt haben wir weitere Personen gesucht, die uns ihre spannendstes, wichtigstes, prägendstes Ereignis schildern.

Mit dem Bus nach Brasilien

„2005 hat mich die Abenteuerlust gepackt“, sagt Parkettverkäufer Jens Krumpholz (50) aus Pasing. Er kündigt seine Arbeit, verlässt seine Freunde, gibt alles auf. All das, um ein neues Leben in Brasilien anzufangen. Wenigstens eines wird ihn an Bayern erinnern. Eine Freundin der Mutter wohnt im Süden Brasiliens, genauer: in einem schönen Städtchen namens Blumenau im Bundeststaat Santa Catarina. Dort haben sich schon vor langer Zeit deutsche Siedler niedergelassen. Das ist auch sein Ziel. Als Krumpholz wehmütig ein letztes Mal zu seinen Freunden geht, um sich für immer in Richtung Blumenau zu verabschieden, ruft einer völlig verwundert: „Mit dem Flieger nach Blumenau? Du Depp, da fährt doch der 56er!“

Die Wiesn und die Polizei

„Vor Jahren hatten mein bester Freund und ich eine Mordsgaudi auf der Wiesn“, erzählt Dieter H. (63) aus München. „Irgendwann hat mein Spezl dann eine Absperrung umgerissen, alles nicht so wild, keine Verletzungen.“ Die Polizei kam trotzdem und führt die beiden ab. Dieter H. wartet vor der Wache, will dem Spezl zur Not helfen. Dann kommt der Polizist raus und sagt: „So, das Blatt hat sich gewendet. Ihr Freund hat gesagt, Sie warn’s!“ Dieter H. ist perplex, muss selbst mit aufs Revier. „Die Sache kam zum Glück nie zur Anzeige.“ Und der feine Herr Spezl? „Dem habe ich das nie übel genommen.“

Es gibt doch noch ehrliche Menschen

Vor ein paar Jahren hat der Maler Wolfgang Prinz (66) die Kinder einer vornehmen Kundin auf dem Land porträtiert. „Ich hatte alles im Block und fuhr mit dem Zug wieder Richtung Heimat.“ Am Harras will Prinz in die U-Bahn umsteigen. Er setzt sich auf eine freie Wartebank, den Block legt er neben sich und liest Zeitung. Beim Einsteigen muss sich Prinz beeilen, lässt den Block liegen. „Nach acht Stationen hab ich’s erst gespannt, bin sofort zurück. Obwohl ich keinerlei Hoffnung mehr hatte, die Zeichnungen könnten noch da sein. Ich war ja schon ewig unterwegs …“ Zurück am Bahnsteig: Eine alte Dame und ein Schaffner beugen sich über die Zeichnungen. Als Prinz zu ihnen rennt, rufen Sie ihm zu: „Herr Prinz, keine Panik! Wir haben Sie sofort erkannt und aufgepasst, dass niemand Ihre Zeichnungen klaut!“

Mit dem Esel über den Brenner

„Wir haben mal einen Esel über

Der geschmuggelte Esel „Bellino“ und Maiers Neffe.

den Brenner geschmuggelt.“ Wie bitte? „Das muss 1965 gewesen sein“, erzählt Maximilian Maier (67) aus Kirchbichl in Tirol. Er war damals mit seiner Freundin im Badeurlaub in Rimini. Auf dem Rückweg halten sie auf einem Viehmarkt in Modena. Und da steht er: der kleine Esel, der geschlachtet werden soll. „Ohne nachzudenken, habe ich gefragt, was der Esel kostet.“ Maier und seine Freundin kratzen ihr Geld zusammen, bezahlen rund 400 Schilling. Maier packt den Esel auf die Rückbank des Opel Olympia, den er von seiner Schwester geliehen hat. Kurz vor der Grenze dämmert ihm, das die ganze Sache nicht so einfach wird, wie er sich das vorgestellt hat. Ein Esel auf der Rückbank, das Auto nicht auf Mayer zugelassen – wird eng. Also, dem Esel die Beine zusammengebunden, Decke drüber und hoffen. Der Grenzer verschwindet mit Pässen und Fahrzeugpapieren in seinem Häuschen – Maier wendet sich hilfesuchend an den italienischen Lkw-Fahrer, der nebenan parkt: „Ich Esel“. Der versteht sofort, packt den Esel auf seine Schlafpritsche und rauscht davon. Maier und seine Freundin gehen zu Fuß weiter, das Auto muss stehen bleiben. Kurz nach der Grenze wartet der Lkw und nimmt sie ein Stück mit. Die letzten fünf Kilometer führt Maier „Bellino“ am Strick in den heimischen Stall. „Vier Jahre lebte er bei uns im Garten, dann kam ein Bauer und nahm ihn mit auf seine Alm.“

Rubriklistenbild: © Jantz

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