Angriff aufs Rathaus! Startbahn-Gegner rollen Plakat aus

+
Um elf Uhr haben Aktivisten am Mittwoch während des Glockenspiels am Rathaus ein Banner gegen die Dritte Startbahn ausgerollt.

München - Um elf Uhr haben Aktivisten am Mittwoch während des Glockenspiels am Rathaus ein Banner gegen die Dritte Startbahn ausgerollt. "Eine rechtswidrige Aktion“, schimpft OB Christian Ude.

Als die goldene Uhr der Stadt elf Mal schlägt, da ist das Rathaus längst besetzt…

Fünf Aktivisten stehen hoch oben auf der Aussichtsplattform über dem Marienplatz. Als Touristen verkleidet haben sie sich herauf geschlichen. Sie wissen: Gleich beginnt das beliebte Glockenspiel, das täglich Hunderte Schaulustige anzieht.

Ein Blick nach unten, ein Nicken – dann beginnt der Angriff der Startbahn-Gegner. Rasch rollen sie ihre Transparente aus. „Koa Dritte“ und die Frage „Weltstadt mit Herz?“ steht darauf zu lesen. Und der Name der Gruppe: Plane Stupid („Dummes Flugzeug“).

Die zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt

Washington-Touristen kennen den nervigen Fluglärm über der US-Hauptstadt: Der Reagan National Airport befindet sich mitten in der Stadt zwischen zwei Flugverbotszonen. Piloten müssen beim Landen Gebäude wie das Pentagon und das CIA-Hauptquartier meiden und während des Starts schnell an Höhe gewinnen, um nicht ins Weiße Haus zu fliegen. © AP
Flughafen gefährlich
Der Anflug auf den Flughafen Santa Catarina ist eine Belastungsprobe für Flugpersonal und Passagiere. Piloten müssen für den Anflug speziell ausgebildet werden: Die Landebahn ist nicht nur extrem kurz, sondern verläuft auch noch direkt an einem Steilküstenabhang. Die Piloten müssen lange auf die Berge zufliegen und erst im letzten Augenblick das Steuer rechts herumreißen, um auf dem Rollfeld zu landen. © dpa
Die Rollbahn des Toncontin-Flughafens in Tegucigalpa (Honduras) ist mit 1863 Metern die weltweit kürzeste eines internationalen Airports. Größere Flugzeuge können hier nicht landen. Vor der Landung muss der Pilot bergiges Gelände überfliegen, primitive Navigationsausrüstung machen den Flughafen zusätzlich gefährlich. Bei schlechter Witterung müssen die Flugzeuge oft nach San Salvador ausweichen. © dpa
Insel Barra
Auf der westschottischen Insel Barra muss ein Sandstrand als Flugfeld herhalten. Die Größe des "Rollfelds" hängt ganz von den Gezeiten ab. Simple Autoscheinwerfer auf dem Parkplatz weisen Piloten nachts den Weg über die flache Bucht. © dpa
La Guardia und Newark
Viel beflogen, aber ziemlich gefährlich: der John F. Kennedy Airport in New York. Die Herausforderung für die Piloten besteht im Vermeiden von Flugzeugen anderer Flughäfen in der Nähe - La Guardia und Newark. Die Crew ist gezwungen, etwa 460 Meter Abstand und eine Sicht von knapp 8000 Metern zu haben, bevor sie die Landebahn anfliegen dürfen. © dpa
Am 9. November 2007 kam ein Flugzeug der Airline Iberia von der Landebahn in Quito, Ecuador, ab (Foto). Piloten fürchten die abschüssige Landebahn der ecuadorianischen Hauptstadt seit langem. Der Flughafen liegt nur wenige Minuten vom Finanzzentrum entfernt und ist umringt von einer Wohnsiedlung. Das Problem wurde jedoch erkannt. Ein neuer Flughafen einige Kilometer entfernt gebaut. © dpa
Am 19. Februar 2013 schließt der berüchtigte Flughafen in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito für immer. © AP
Der Flugplatz von Lukla in Nepal ist nur 527 Meter lang und 20 Meter breit. Die Landebahn neigt sich um 12 Grad, der Höhenunterschied zwischen beiden Endpunkten beträgt 60 Meter. Die Piloten haben nur einen Versuch, Durchstarten ist wegen der Hochgebirgslage unmöglich. Eine lebensgefährliche Angelegenheit: Auch eine Reisegruppe aus München stürzte hier 2008 in den Tod. © dpa
Die Startbahn der 13-Quadratkilometer-Insel Saba auf den Niederländischen Antillen ist gerade mal 400 Meter lang und säumt eine Steilküste. Der Flughafen der Karibikinsel ist außerdem sehr anfällig für Sturmböen. © dpa
Unglaublich: Eigentlich ist der Flughafen von St. Maarten, Karibik, nur für kleine und mittlere Jets geeignet. Piloten größerer Flieger müssen die Landebahn (2180 Meter lang) daher sehr tief über dem traumhaften Sandstrand von Maho Beach und seinen Urlaubern anfliegen und berühren dabei fast den zehn Meter hohen Sicherheitszaun. © dpa
Höchste Präzision erfordert der Landeanflug auf den Flughafen von Gibraltar, Südspanien. Der kleine Airport liegt zwischen der Bucht von Algeciras und dem Mittelmeer. Das Rollfeld ist knapp 1830 Meter lang. Wie auf den anderen kleineren Flughäfen brauchen Piloten hier eine Spezialausbildung. © dpa

In England hat die Protest-Organisation, die sich gegen Flughäfen und Flugverkehr engagiert, schon öfter für Ärger gesorgt. Am 20. März 2011 besetzen Aktivisten eine Startbahn des Flughafens London Southend, im Mai 2010 ketten sich einige Protestler sogar an das Bugrad eines abgestellten Flugzeugs in Manchester. Beide Male beendet die Polizei den Protest – so auch gestern in München. Etwa 15 Minuten hängen die Banner, bis die Polizei einschreitet.

„Die Aktion war ein friedlicher ziviler Ungehorsam“, sagt Organisator Florian Sperk (27). Viele Bürger in Attaching hätten Angst, was der Bau der dritten Startbahn für ihr Eigentum und ihre Gesundheit bedeute. „Niemand kann verlangen, dass wir tatenlos zusehen. Aber: Unsere Aktionen sind keine Randale“, versichert Sperk.

Im Rathaus sieht man das freilich anders. Hier kam der Angriff gar nicht gut an. „Das war eine rechtswidrige Aktion“, schimpft OB Christian Ude (64, SPD). Eine Anzeige der Stadt werde es aber nicht geben. Denn: „Uns ist nicht an einer Eskalation gelegen“, so Ude. Der Stadt sei zudem kein Schaden entstanden. Der Flughafen München wollte keinen Kommentar zur Protest-Aktion abgeben. Am 17. Juni ist der Bürgerentscheid.

A. Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

Baustellen-Pendler-Chaos an Münchner Freiheit: Wann hört das Drama endlich auf? Das ist der Zeitplan
Baustellen-Pendler-Chaos an Münchner Freiheit: Wann hört das Drama endlich auf? Das ist der Zeitplan
Mehr Stammstreckensperrungen an Wochenenden: S-Bahn-Chaos vorprogrammiert - Stachus wird blau
Mehr Stammstreckensperrungen an Wochenenden: S-Bahn-Chaos vorprogrammiert - Stachus wird blau
Unbekannter zieht Münchnerin in ein Maisfeld und vergewaltigt sie - Polizei schnappt ihn mitten in der Nacht
Unbekannter zieht Münchnerin in ein Maisfeld und vergewaltigt sie - Polizei schnappt ihn mitten in der Nacht
Freischankflächen an der Straße: Münchner, wollt ihr eure Parkplatz-Kneipen und Terrassen-Cafés behalten?
Freischankflächen an der Straße: Münchner, wollt ihr eure Parkplatz-Kneipen und Terrassen-Cafés behalten?

Kommentare