Startbahn und Olympia gestoppt

Bürgerentscheid auch zur S-Bahn-Röhre?

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Die NOlympia-Chefs Katharina Schulze und Christian Hierneis

München - Zwei Projekte haben sie schon per Bürgerentscheid abgeräumt – die dritte Startbahn am Flughafen und jetzt Olympia 2022. Wird jetzt auch die zweite S-Bahn-Stammstrecke beerdigt?

Die Nein-Sager strotzen vor Muskeln und peilen schon das nächste Kräftemessen an: Jetzt wollen sie den Tunnel für die zweite S-Bahn-Stammstrecke begraben!

„Bevor der gebaut wird, überlegen wir uns etwas“, deutet Christian Hierneis (49) an, Sprecher von NOlympia und München-Chef vom Bund Naturschutz. „Das Projekt ist groß und wird kontrovers diskutiert. Das spricht für einen Entscheid“, sagt die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger (49), die noch am Sonntag eine Tunnel-Befragung ins Spiel brachte (tz berichtete). „Wir haben immer wieder Gespräche über einen Bürgerentscheid geführt. Die werden wir jetzt wieder angehen“, kündigt Ingeborg Michelfeit (62) an, Vorsitzende der Tunnelaktion. Die Bürgerinitiative war noch Ende Oktober bei NOlympia beigetreten, um mit den Winterspielen auch die Röhre zu blockieren.

Die Themen wechseln, die Gegner sind immer die gleichen. „Wir kannten uns gut von der dritten Startbahn, so tolle Bündnisarbeit macht natürlich Spaß“, sagt NOlympia-Sprecherin Katharina Schulze (28, Grüne), die schon an vorderster Front gegen die Startbahn kämpfte und mit der Wahl in den Landtag belohnt wurde. An beiden Bündnissen waren Grüne, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Linke, ödp, Attac und Green City beteiligt – und sie wären gegen die zweite Stammstrecke wohl auch wieder mit von der Partie.

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Doch die Tunnel-Gegner fürchten noch, gerade bei der Stammstrecke ihre Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Alle Nein-Sager betonen sofort, dass sie nur gegen die Röhre, aber sehr für die S-Bahn sind – allerdings auf dem ausgebauten Südring. Sie fürchten die Niederlage, nur da­rum hat etwa die Tunnelaktion nicht schon längst einen Bürgerentscheid angeschoben. „Derzeit ist klar, wie der ausfällt“, gibt Ingeborg Michelfeit zu. Die Grünen hatten sich schon nach dem Startbahn-Aus angeboten. „Aber die Bürger wissen einfach zu wenig.“

Oder sind manche Themen zu kompliziert und zu wichtig, um sie zwischen Sonntagsspaziergang und Kaffee zu entscheiden? Schon heute bügeln Bürger landauf, landab auch grüne Herzensthemen ab – wie Windräder. Sabine Nallinger fürchtet genau wie OB Christian Ude (66, SPD) den zunehmenden Gegenwind bei der Nachverdichtung: Alle wollen Wohnungen – aber bitteschön nicht bei mir vor der Haustür!

Bei der Stammstrecke wäre es den Tunnel-Gegnern darum am liebsten, wenn sich das Problem von allein löst, etwa durch eine Kostenexplosion. Verkehrsminister Joachim Herrmann (57, CSU) will seine Experten nachrechnen lassen. Nallinger aber warnt: „Wir werden nicht monatelang zuschauen, wenn da nichts passiert.“

David Costanzo

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