"Occupy Staatskanzlei"

Startbahn-Gegner campen bei Seehofer

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Mit Feldbetten rüsteten sich die Startbahn-Gegner in Sichtweite der Staatskanzlei (im Hintergrund) für die Nacht. Bis zu 50 Personen wurden am Abend erwartet.

München – Kurz vor dem Bürgerbegehren am Sonntag wollen die Gegner der dritten Start-und Landebahn am Flughafen noch einmal die Münchner mobilisieren. Unter dem Motto „Occupy Staatskanzlei“ campieren sie bis Samstag im Hofgarten.

Hartmut Binner hat ein gutes Gefühl. „Am Sonntag wird gefeiert“, ist der Sprecher des Aktionsbündnisses „Aufgemuckt“ überzeugt. Die Münchner werden’s richten und gegen die dritte Startbahn am Flughafen stimmen – dessen ist sich auch Karlheinz Reingruber vom Aktionsbündnis sicher. Monatelang haben die beiden Männer dafür geschuftet. Jetzt krempeln sie zum vorerst letzten Mal die Ärmel hoch.

Unter dem Motto „Occupy Staatskanzlei“ haben „Aufgemuckt“ und der Bund Naturschutz einen Teil des Münchner Hofgartens besetzt, mit Genehmigung des Kreisverwaltungsreferats. In der hintersten Ecke, in der Galeriestraße, bauen sie am Donnerstagnachmittag ihre Aktionsbühne auf. „Auf die Wiese vor die Staatskanzlei durften wir nicht“, sagt Binner. Doch der Blick zur Staatskanzlei reicht ihm. Dass Ministerpräsident Horst Seehofer selbst vorbeischaut, ist unwahrscheinlich. Für Freitagnachmittag hatte man Hartmut Binner zu einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Martin Zeil und Staatskanzleichef Thomas Kreuzer in die Staatskanzlei eingeladen. Doch der lehnte ab. „Das bringt uns nichts“, sagt Binner. Schon im letzten Jahr habe man den Dialog abgebrochen. „Seehofer hat gesagt, man könne gern reden, aber die Startbahn werde auf alle Fälle gebaut“, sagt Binner. Er setzt jetzt lieber auf den Dialog mit den Münchnern.

Gleich neben der Bühne auf dem Bürgersteig werden die Startbahngegner auch übernachten. 50 Meter für 50 Plätze – Binner hat das genau ausgerechnet. Der Freisinger hat sich ein gemütliches Bett mitgebracht, mit Metallgestell und Matratze. Ganz vorne will er schlafen, „damit ich gleich in der Früh zur Staatskanzlei hinüberschauen kann“. Karl-Heinz Reingruber nächtigt in seinem Feldbett. „Endlich wieder mal eine Nacht in Ruhe schlafen“, sagt er und zwinkert spöttisch mit dem Auge. Er kommt aus Fraunberg bei Erding und möchte Binner und den anderen betroffenen Anwohnern gerne „das ersparen, worunter wir schon lange leiden“ – den Fluglärm. „Koa Dritte“ steht auf seinem T-Shirt und in den kommenden zwei Tagen will er den Münchnern nahe bringen, warum es keine dritte Startbahn braucht und warum sie am Sonntag ihr Kreuzchen bei Nein machen sollen.

In einem Pavillon stapelt sich das Informations-Material. Am Freitag und Samstag wollen die Startbahngegner Flyer in der Münchner Innenstadt verteilen. Im Hofgarten wollen sie Passanten ansprechen, informieren, diskutieren. Auf der Bühne gibt es dazu Musik und Kabarett: Heute um 18 Uhr „Herzbluat“ aus Wartenberg, um 19 Uhr Otto Göttler, um 20 Uhr „Zwoastoa“ und um 21 Uhr „Turbolenz“. Am Samstag rocken The Frank Brothers und Michi Dietmayr die Bühne. Für die Kinder gibt es verschiedene Aktionen wie Schminken (Freitag und Samstag 14 bis 16 Uhr) und Ballonmodellieren (Freitag 14 bis 16 Uhr).

Doris Richter

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