"Statthalter" von Russen-Mafia vor Gericht

München - Seit Dienstag steht der mutmaßliche “Statthalter“ der russischen Mafia im Gefängnis München-Stadelheim vor Gericht. Von der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung will er nichts wissen.

In diesem Punkt der Anklage sei er “komplett unschuldig“, sagte der 31 Jahre alte Kasache am Dienstag zum Auftakt seines voraussichtlich mehrwöchigen Prozesses vor dem Münchner Landgericht. Für das Verfahren waren Ausweiskontrollen und Leibesvisitationen angeordnet worden.

Der Angeklagte räumte lediglich eine vorsätzliche Körperverletzung an einem Mithäftling ein. Er habe dem polnischen Gefangenen nach Beschimpfungen “zur Wahrung der Ehre“ einen Schlag ins Gesicht versetzt. Weitere konkrete Vorwürfe enthält die Anklage nicht. Sie wurde von der Staatsanwaltschaft Kempten erhoben, die federführend bei der Verfolgung der russischen Mafia in Bayern ist. Die Prozesse werden von der Staatsschutzkammer des Münchner Landgerichts geführt.

Im Mittelpunkt der Verhandlung wird die umfangreiche Überwachung des unerlaubten Telefonverkehrs zwischen Mitgliedern der Vereinigung sein, die in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert sind. Bei der Auswertung der Gespräche war das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) nach einem Jahr auch auf die Körperverletzung gestoßen, die nach Meldung an den zuständigen Vollzugsbeamten gefängnisintern mit einem Arrest geahndet worden war. Der Pole hatte nicht Strafanzeige erstattet. Täter und Opfer waren inzwischen auf freiem Fuß.

Die Fäden der Mafia-Organisation, deren führendes Mitglied der Angeklagte gewesen sein soll, laufen bei einem russischen “Paten“ in Moskau zusammen. Dieser war 2004 vom Münchner Schwurgericht wegen Totschlags an einem Konkurrenten zu 13 Jahren Haft verurteilt und bereits 2006 nach Russland ausgewiesen worden. An ihn soll ein Teil der Beute geflossen sein, die der bayerische Ableger seiner Bande durch Verbrechen wie Rauschgifthandel und Schutzgelderpressung erzielte.

Mehrere Mitglieder der Organisation wurden bereits früher zu hohen Strafen verurteilt. Die höchste Strafe von elf Jahren bekam 2009 der jetzt 42-jährige Rädelsführer der Russenmafia in Bayern. Gegen den nun Angeklagten dauert der Prozess an.

dpa

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