Bald geht auf dem Ring gar nichts mehr

Stau-Report: München wird 2025 kollabieren

+
Stockende Aussichten: Der Mittlere Ring zieht immer mehr Fahrzeuge an.

München - München steht heute schon auf dem Mittleren Ring ständig im Stau. Doch die Stadt wächst weiter und der Ring zieht mit seinen Tunnels immer mehr Autos an. Jetzt warnt das Planungsreferat.

Die Röhre unter dem Luise-Kiesselbach-Platz könnte für fast 40 Prozent mehr Verkehr sorgen. Bald geht auf der Verkehrsschlagader gar nichts mehr!

Die Stadtplaner mahnen mit dem Richard-Strauss-Tunnel: Seit der Eröffnung 2009 fahren 45 Prozent mehr Autos durch – viel mehr, als erwartet. Ähnliches befürchten sie in ihrer neuen Prognose für 2025 auf dem ganzen Mittleren Ring. Nicht nur ein Verkehrsproblem: „Die prognostizierten Verkehrsmehrungen sind im Hinblick auf Lärmschutz und Luftreinhaltung grundsätzlich bedenklich“, erklärt Stadtbaurätin Elisabeth Merk und will gegensteuern: Sie fordert vom Stadtrat eine Viertelmillion Euro, um mit KVR und einem Ingenieurbüro Vorschläge für mehr Verkehrsfluss zu erarbeiten. Die Tunnels an Landshuter Allee, Tegernseer Landstraße, Englischer Garten und erstmals in der angrenzenden A 96 werden untersucht.

Die CSU tritt aufs Gas: „Wir sind seit Jahren die treibende Kraft“, sagt Fraktionschef und OB-Kandidat Josef Schmid. „Tunnels sind Win-win-win-win-Projekte: keine Luftverschmutzung, kein Feinstaub, kein Lärm und sie reparieren die Stadt.“ Aber sie sind auch teuer: Auf eine Reihenfolge der Röhren legt er sich nicht fest. „Alle müssen endlich zügig verfolgt werden.“

Die SPD ist zurückhaltender und fordert ein Gesamtkonzept. „Wir müssen auch über die Kosten reden“, sagt SPD-Verkehrssprecher Ingo Mittermaier. „Aber dass der Mittlere Ring nicht so bleiben wird, darüber sind wir uns alle einig.“

David Costanzo

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

Landshuter Allee

Hier gibt es einige Ein- und Ausfahrten, die den Verkehr bremsen – künftig noch stärker: Die Zahl der Autos steigt nach der Prognose des Planungsreferats von derzeit 122 000 auf 131 000 Autos im Jahr 2025 am Tag. Ein Tunnel könnte vor allem den Nachbarn helfen.

Donnersbergerbrücke

Die schlimmste Stelle am Ring: Schon heute ist die Brücke mit im Schnitt 151 000 Autos am Tag völlig überlastet – so viele Fahrzeuge gibt’s sonst nur auf den dichtesten Autobahnen. 2025 sollen es sogar 166 000 Autos sein! Künftig drohen heftige Rückstaus in den neuen Tunnel.

Von derzeit 98 000 Autos soll die Belastung am Ring auf 110 000 steigen – dann wären die Grenzen des Möglichen erreicht. Die Stadtplaner bewerten die Einfahrt auf den Mittleren Ring als „kritisch“. Der Rückstau auf die Lindauer Autobahn im Berufsverkehr dürfte sich kaum verbessern, zusätzlich drohen weitere Staus am Mittleren Ring.

Einhausung A96/Mittlerer Ring

Apropos Lindauer Autobahn: Hier will das Planungsreferat erstmals in eine Machbarkeitsstudie einer Einhausung der A96 einsteigen, die eine Bürgerinitiative schon lange fordert. Allerdings bleiben die Stadtplaner skeptisch: Die Lage sei nicht so dramatisch wie an Landshuter Allee und Tegernseer Landstraße, wo mehr Nachbarn geschützt werden könnten. CSU-Mann Schmid fürchtet, dass die Machbarkeitsstudie nur über den Wahltermin retten soll. Die SPD lobt dagegen, dass jetzt Fakten gesammelt werden.

Tunnel Luise-Kiesselbach-Platz

Hier erwarten die Experten eine Explosion: Wenn der Tunnel 2015 fertig ist, könnte in der Garmischer Straße der Verkehr um fast 40 Prozent zunehmen – von 105 000 auf 145 000 Autos am Tag! Dafür würde die Oberfläche und die Fürstenrieder Straße entlastet. Richtung Brudermühlbrücke ist noch Luft.

Tegernseer Landstraße und Tunnels

Auch dieser Abschnitt ist heute mit rund 125 000 Fahrzeugen am Tag schon problematisch. Im Jahr 2025 könnten es schon 135 000 Autos sein! Darum will Stadtbaurätin Merk vor allem den Einfädelverkehr untersuchen lassen. Das geschieht im Tunnelkonzept, der demnächst dem Stadtrat vorgelegt wird. 2011 hatte das Rathaus die Machbarkeitsstudie gefordert, um die Nachbarn hier und an der Landshuter Allee besser vor Lärm und Luftverschmutzung zu schützen. In Neuhausen leben fast 20 000 Menschen an der Verkehrsader, in Giesing rund 12 000 – an einer teilweise achtspurigen Straße! Dazu kommt nun der Wunsch nach einem Tunnel durch den Englischen Garten. Zusammen kommen die Röhren auf gut eine Milliarde Euro! Darum will Stadtbaurätin Merk die Tunnels nun vergleichen und anhand ihrer Dringlichkeit sortieren. Die Ergebnisse sollen Ende 2014 vorliegen. CSU und FDP wollen alle Tunnels angehen. „Die Stadtwerke könnten ihre Ausschüttung an die Stadt erhöhen“, schlägt FDP-Fraktionschef Michael Mattar vor. Die SPD fordert ein Gesamtkonzept.

Abschnitt zwischen A8 und A94

Auch hier sollen Verbesserungen für den Verkehrsfluss erarbeitet werden: Die Zahl der Autos steigt von 60 000 bis 95 000 auf etwa 63 000 bis 101 000. Weil die Kreuzungen mit dem Mittleren Ring den Berufsverkehr bremsen, sollen sie überprüft werden.

Anschluss A94

Am Ende der A94 steigt die Belastung von heute im Schnitt 79 000 auf 93 000 Autos im Jahr 2025 am Tag. Weil in der Rushhour der Verkehr auf dem Mittleren Ring stockt, kommt der Anschluss auf den Prüfstand.

Isarring/Ifflandstraße: Zusatzspur oder Tunnel?

Seit Eröffnung des Richard-Strauss-Tunnels im Jahr 2009 stockt an der Einfahrt der Ifflandstraße auf den Isarring der Verkehr – teilweise gäbe es Rückstaus nicht nur in den Tunnel, sondern bis zur Bad-Schachener-Straße, die fünf Kilometer davor in Ramersdorf liegt! Darum hat sich die Stadt jetzt noch einmal festgelegt: Sie will die Einfädelspur als dritte Spur auf dem Mittleren Ring – und zwar nicht als Provisorium in der Schmalspur-Variante, sondern als 3,50 Meter breite dritte Spur, wie es die Regierung von Oberbayern nahelegt. Dann aber könnte es keine Zuschüsse mehr für den geforderten Tunnel unter dem Englischen Gartengeben. Ideengeber Hermann Grub ist empört: „Wenn diese dritte Spur kommt, ist der Tunnel für 100 Jahre erledigt!“ CSU und FDP fordern daher weiter ein Provisorium.

Auch interessant

Kommentare