Organisator stirbt nach 40. Filmball

Steffen Kuchenreuther ist tot

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Steffen Kuchenreuther war 17 Jahre lang Veranstalter des Filmballs.

München - 17 Mal war Steffen Kuchenreuther Gastgeber des Deutschen Filmballs. Während die Prominenz am Samstagabend feierte, musste der Organisator ins Krankenhaus. Am Sonntag ist er gestorben.

Dass Steffen Kuchenreuther ausgerechnet wenige Stunden nach dem Ende des Deutschen Filmballs stirbt, ist eine makabere Volte des Schicksals. 17 Jahre lang richtete Kuchenreuther den Ball aus und war deswegen für einige Tage der mit Abstand begehrteste Gesprächspartner der Stadt – diese Veranstaltung ist ein Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens in München. Jeder, der in der Medienbranche etwas gilt oder gelten möchte, will um jeden Preis dabei sein.

Steffen Kuchenreuther war da mit seiner sympathischen, bodenständigen Art der ideale Gastgeber. Mit Adabeis, gewesenen Sternchen, echten Stars und politischer Prominenz konnte kaum einer so gut umgehen wie der gebürtige Erlanger, der sich selbst nie inszenierte, sondern immer wusste, dass der Glamour ein wichtiger Bestandteil der Filmbranche ist, aber nicht der einzige.

Im Filmgeschäft geht es wie in anderen Wirtschaftszweigen auch um Instinkt, saubere Kalkulation und ein gutes Gespür für die Anforderungen der Zeit. Kuchenreuther war in seinem echten Leben vor und nach dem Filmball schließlich Kaufmann, ein Kinobetreiber, dem es über Jahrzehnte gelang, diversen Krisen und Moden zu trotzen, ohne für den geschäftlichen Erfolg seine Seele zu verkaufen.

Mit seinen Kinos Münchner Freiheit und Leopold-Kinos gelang ihm der immens schwierige Balance-Akt sowohl kommerzielles Potenzial auszunutzen als auch cineastischen Anspruch zu bedienen. Er zeigte natürlich auch große Hollywood-Reißer – aber nicht alle. Es gab erfolgreiche Titel, die er nicht spielte, weil er fand, dass sie nicht in seine Kinos passten. Und mit dem Schwabinger ABC-Kino leistete sich Kuchenreuther sogar den Luxus eines reinen Filmkunst-Kinos.

Als einer der Ersten erkannte er, dass man Kinobesuchern technische Qualität und Komfort bieten musste. Schließlich, so sagte er einmal, muss man ja niemanden dafür bestrafen, wenn er sich einen französischen Autorenfilm ansehen möchte. Zur Systemgastronomie mit angeschlossenen Filmvorführungen wollte er seine Kinos nie verkommen lassen, und das darf man ihm hoch anrechnen – im Mittelpunkt stand immer das Kino.

Dass Kino relevant blieb, trotz Fernsehen, Video, DVD, Internet, dafür setzte er sich von 1997 bis 2012 als Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft ein. Dabei war er nie so, wie man sich Funktionäre gemeinhin vorstellt. Wer einmal ein wenig Zeit mit Kuchenreuther verbringen konnte, lernte ihn als sehr pragmatischen, freundlichen, angenehm unaufgeregten Menschen kennen, der bei aller Kino-Leidenschaft keine Scheuklappen hatte und durchaus einen Sinn für andere schöne Dinge des Lebens. Es war möglich, sich länger mit Kuchenreuther zu unterhalten, ohne die Filmwirtschaft auch nur zu erwähnen.

Und genau dadurch hat er die Interessen dieser Branche so gut und glaubwürdig vertreten. Kuchenreuther war eben kein Vereinsmeier vom Schlage Staubsaugervertreter, bei denen man die vorgestanzten Sätze nach dem zweiten Treffen mitsprechen kann. Man konnte ihn ernst nehmen – bei aller bajuwarischen Entspanntheit im persönlichen Umgang. So wurde Kuchenreuther ein Gesicht des Filmstandortes Bayern und eben des Deutschen Filmballs in München, den er 2012 zum letzten Mal ausrichtete. Genau ein Jahr später, am Sonntag um 15.40 Uhr, ist Steffen Kuchenreuther seiner schweren Erkrankung im Alter von 65 Jahren erlegen. Am Samstagnachmittag noch war er im Hotel Bayerischer Hof gewesen, er hatte sogar ein Zimmer gemietet, weil er unbedingt beim Ball dabei sein wollte. Doch sein Zustand zwang ihn ins Krankenhaus.

Die Münchner Kinolandschaft ohne Steffen Kuchenreuther kann man sich kaum vorstellen. Er wird fehlen.

Roter Teppich in München - Die Stars auf dem 40. Deutschen Filmball

Zoran Gojic

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