Steht jetzt sein Mörder vor Gericht?

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Der Siemens-Angestellte Joachim Manitura (50) wurde in seiner Wohnung ermordet.

München - Vor der Jugendkammer des Landgerichts hat gestern ein absurder Mordprozess begonnen: Der Angeklagte ist 38 Jahre alt, von der Justiz wird er jedoch behandelt wie ein Bürscherl mit 17.

Vor der Jugendkammer des Landgerichts hat am Dienstag ein absurder Mordprozess begonnen: Der Angeklagte ist 38 Jahre alt, von der Justiz wird er jedoch behandelt wie ein Bürscherl mit 17. Die Öffentlichkeit bleibt ausgeschlossen – denn das Verbrechen, das dem gebürtigen Ungarn zur Last gelegt wird, liegt fast 22 Jahre zurück.

In der Nacht zum 16. November 1990 fiel der Siemens-Angestellte Joachim Manitura (50) einer grausigen Bluttat zum Opfer. Als die Beamten die Wohnung des Technikers in der Mühlhauser Straße (Obersendling) öffneten, bot sich ihnen ein grausames Bild. Die Leiche Manituras lag gefesselt am Boden, der Kehlkopf war zertrümmert.

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Manituras Geldbeutel mit vermutlich 450 Mark und einen silbernen Schlüsselanhänger hatte der Mörder geraubt. Im Badezimmer konnten die Spurensicherer unter anderem einen Fingerabdruck und einen Handabdruck des mutmaßlichen Mörders sicherstellen. Das Fesselwerkzeug, ein Bettlaken, wurde asserviert. Auf diesem wurden später wichtige DNA-Spuren sichergestellt.

Joachim Manitura war homosexuell und holte sich immer wieder junge Männer mit südländischem Aussehen in seine Wohnung. Die Fahndung im Stricher-Milieu verlief zunächst im Sand. Erst im vergangenen Jahr stieß die Polizei auf eine heiße Spur. Im Zuge eines anderen Ermittlungsverfahrens in Baden-Württemberg lieferte das Fingerabdruck-System AFIS einen Volltreffer. Der mutmaßliche Mörder wurde daraufhin von Zielfahndern auf der Autobahn bei Hengersberg geschnappt.

Wie die tz erfuhr, hatte der Tatverdächtige zunächst abgestritten, überhaupt in der Wohnung des Mordopfers gewesen zu sein. Nachdem dies nicht mehr haltbar war, behauptete er, in Manituras Wohnung Malerarbeiten durchgeführt zu haben. Dabei müssten die Fingerabdrücke entstanden sein. Der Prozess ist bis zum 5. Oktober terminiert.

Eberhard Unfried

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