Steifer Mittelfinger: Warrior Soul im Backstage

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Rotz 'n' Roll: Warrior-Soul-Boss Kory Clarke

München - Warrior Soul haben im Backstage mit einem gepfefferten Querschnitt aus 22 Jahren Psychedelic-Metalpunk begeistert. Die tz war dabei.

In hohem Bogen segelt der Lungenhering vorbei am Gitarristengesicht zum Landeplatz neben der Lautsprecherbox. Quasi die letzte Zugabe von Frontsau Kory Clarke nach anderthalb Stunden Rotz 'n' Roll. "Down-Tooown!" Und Feierabend.

"Stiff Middlefinger" heißt das Album, mit dem der 46-jährige New Yorker derzeit durch Europa tingelt. Eine höchst unterhaltsame Scheibe Politpostpunkrockmetal, die keinen aktuellen Vergleich zu scheuen braucht. Sofern sie mangels vernünftiger Promotion überhaupt groß wahrgenommen wird.

Anfang der Neunziger galten Warrior Soul als das kommende Ding im verschärften Ami-Rock. Noch vor dem Grunge-Tsunami verzückten sie die Kritiker mit drei hymnengespickten Alben; der Majordeal mit Geffen ermöglichte ausgiebige Tourneen im Vorprogramm von Danzig, Queensryche und Metallica. Durchbruch? Trotzdem Fehlanzeige.

Frustriert vom Business überwarf sich Clarke mit Geffen, provozierte mit dem sperrigen "Chill Pill" 1993 den Rauswurf, und löste die Band nach der grandiosen Punkrockscheibe "Space Age Playboys" 1995 auf. Ein künstlerischer Jammer, zumal Clarke mit diversen Projekten nie an die alte Klasse anknüpfen konnte - bis er 2007 Warrior Soul zurück ins Leben rief. "Destroy the Warmachine", das Comeback, war schon mehr als nur okay, mit der neuen Scheibe legt Clarke jetzt noch ein paar Chilischoten drauf. Schade nur, dass seine Stimme keinen Klargesang mehr zulässt. Der Gute röhrt so kaputt wie Motörheads Lemmy oder Jaz Coleman von Killing Joke, verbiegt sich dabei aber immer noch so ekstatisch wie der junge Robert Plant. Irgendwie ist es schon traurig, wenn man die bescheidenen Mittel sieht, mit denen Warrior Soul heutzutage herumziehen müssen. Aber den Leuten macht's Spaß. Auch Clarke selbst, der mit seinem "Don't Mess with Texas"-Shirt Altersmilde beweist. Hat ja auch beide George Bushs überlebt, der Mann. Worüber soll man sich da noch groß aufregen?

Ludwig Krammer

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