Preise von Wohnungen weiter im Steilflug

Experten: Darum hört der Miet-Wahnsinn nicht auf

+
4000 Wohneinheiten sollen auf dem Gebiet der Bayernkaserne entstehen

München - Im Münchner Dampfkessel steigt weiter der Druck. Auch im Herbst 2015 erhöhten sich die Mietpreise – egal ob Wohnung, Reihenhaus oder Doppelhaushälfte. Die Prognose: Düster.

„Dabei liegen die Häuser zur Miete deutlich höher im Plus als Mietwohnungen“, sagt Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. „Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht.“ Hört der Miet-Wahnsinn also nie auf? Die ernüchternden Fakten:

Mehr Einwohner: Der Druck auf den Wohnungsmarkt wächst, die Einwohnerprognosen werden nach oben korrigiert. In München sollen bis 2030 rund 1,7 Millionen Menschen leben, 200 000 mehr als jetzt.
Zu wenig Wohnraum: Es fehlt vor allem an Wohnungen im einfachen und mittleren Marktsegment. Extrem hohe Grundstückspreise und steigende Baukosten führen dazu, dass vornehmlich im hochpreisigen Segment gebaut wird.

Bestellerprinzip: Laut IVD eine von „ zahlreichen Fehlentscheidungen“ der Politik. Das Bestellerprinzip (den Makler bezahlt, wer ihn beauftragt) habe das Angebot an Mietwohnungen um 27 Prozent geschrumpft. Das habe eine Umfrage unter Maklern ergeben. Allerdings sehen die das Prinzip naturgemäß kritisch.

Mietpreisbremse: Für Kippes ist sie eine reine „Investitionsbremse“ – auch wenn sie nur für Bestandsimmobilien gilt. Sie belaste viele Vermieter, die künftig weniger Geld für Modernisierung, Renovierung sowie Wohnungsbau investieren werden.
Kaum Investitionen: Seit Jahren steigen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen steil an (siehe Abbildung oben). Die Mietpreise halten da nur bedingt mit – für den IVD heißt das: Der Reiz, eine Wohnung zu bauen sinkt, da die Rendite für den Investor geringer wird. Beatrix Zurek vom Mieterbund widerspricht (siehe unten).

Zu wenig Platz: München gehen die Flächen aus. Der IVD fordert: Dichter zu bauen. Fazit von Stephan Kippes: „Es muss mehr gebaut werden!“ Und es gibt sie in München, die Wohnbau-Projekte: Die tz zeigt ausgewählte Beispiele:

Baumkirchen

Wo früher das Bahnausbesserungswerk stand, sollen in Zukunft 1100 Menschen leben. Die eine Hälfte des 62000 Quadratmeter großen Areals wird bebaut, die andere als ökologische Vorrangfläche erhalten. Fertiggstellung: 2018.

Werksviertel

Am Ostbahnhof entsteht ein Areal mit rund 1200 Wohnungen, 30 Prozent gefördert, und 10.000 Arbeitsplätzen. Ab 2017 soll gebaut werden.

Bayernkaserne

Hier sind 4000 Wohneinheiten geplant, davon 50 Prozent gefördert. Außerdem: Schulen, Bibliothek, Büros. Die ersten Bewohner sollen 2020/21 einziehen.

Funkkaserne

Auf 24,3 Hektar des 33 Hektar großen Areals sollen 1700 Wohnungen (50 Prozent gefördert) und 1000 Arbeitsplätze entstehen. 2018 soll es fertig sein.

Osram

Hier können rund 370 neue Wohnungen entstehen. Die Anbindung ist gut, die Nähe zum Mittleren Ring problematisch: Derzeit werden Lärmschutzkonzepte entwickelt.

Chefin vom Mieterverein: "Müssen Grundpreise deckeln"

Auch die Chefin des Mietervereins, Beatrix Zurek, glaubt nicht, dass der Preis-Irrsinn bald eine Ende hat: „Die Region wird ja nicht unattraktiver!“ So lange derart gute Bedingungen in München herrschen, würden die Menschen herziehen. „Das ist der Fluch der guten Tat“, so Zurek. Auch sie ist der Meinung: Es wird zu wenig gebaut.

In einem Punkt aber widerspricht sie Stephan Kippes vom IVD: „Schuld am fehlenden Investitionswillen ist nicht die Schere zwischen Kauf- und Mietpreis. Wohnungsbau oder -kauf rentiert sich immer und ist nach wie vor eine Goldgrube für Anleger.“

Zurek fordert, dass die Politik Grundstückspreise deckelt. „Man darf den Markt nicht sich selbst überlassen!“ Außerdem müsste der Staat Mietwohnungsbau viel stärker fordern und für Investoren interessant machen. „Staat, Stadt und Genossenschaften müssen sich stärker engagieren“, fordert Zurek.

T. Scharnagl

auch interessant

Meistgelesen

So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager

Kommentare