Münchner Wirtschaftsreferat

Steiniger Weg in den Arbeitsmarkt: Wo es bei der Integration hakt

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Vom Kindersoldaten zum Restaurantfachmann: Michael Abbey aus Sierra Leone arbeitet seit 2016 in der „Münchner Stubn“.

Ein Bericht des städtischen Wirtschaftsreferats zeigt, wo es in München bei der Integration von Flüchtlingen hakt. 

München - Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist nicht einfach. Dies geht aus einem Bericht des städtischen Wirtschaftsreferats hervor, der am heutigen Dienstag im Stadtrat vorgestellt wird. Neben der Sprachbarriere gibt es einen deutlichen Qualifizierungsbedarf. Die vorhandenen Kenntnisse entsprächen in vielen Bereichen nicht den hier üblichen Standards im Berufsleben, heißt es in der Vorlage des Referats für Arbeit und Wirtschaft (RAW).

Dem Bericht zufolge sind zwischen Januar 2012 und Ende 2016 insgesamt 21.541 Flüchtlinge nach München gekommen. Die Hälfte der Asylbewerber (50,2 Prozent) ist jünger als 25 Jahre, 44,1 Prozent sind zwischen 25 und 49 Jahre alt. Rund 38 Prozent der Ankommenden sind Frauen. Förderprojekte, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, hat das RAW bereits im Dezember 2015 in Angriff genommen. Problem: Laut Wirtschaftsreferat werden hauptsächlich hoch qualifizierte Arbeitskräfte gesucht. Der Markt für Helfertätigkeiten sei zwar stabil, aber das Verhältnis dieser Angebote zu qualifizierten Arbeitsstellen liege in München bei 1:10. Entsprechend habe das RAW in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Sozialreferat die Qualifizierungsangebote für Flüchtlinge zielgruppengerecht angepasst.

Parallel zu diesen Bemühungen hat die Stadt zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ein Forschungsprojekt über die Berufswünsche und Erwartungen junger Flüchtlinge durchgeführt. 30 Geflüchtete wurden befragt. Ergebnis: Sie hätten großes Interesse an Bildung und Ausbildung und würden gerne wissen, in welchen Bereichen denn ihre größten Berufschancen bestünden. Belastend seien ein unsicherer Aufenthaltsstatus, die Wohnsituation sowie die Verarbeitung der Fluchterfahrungen. Dennoch seien die jungen Geflüchteten sehr motiviert.

Bei den beiden Projekten „task force 4“ und dem „Bildungszentrum Berufseinstieg“ sind zum Beispiel mehr als 200 Jugendliche betreut worden. Die Stadt hat dafür eine Gesamtfördersumme von 255.000 Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Während hier die Zielvorgaben erfüllt wurden, tut sich die Stadt bei dem Projekt „pass(t) genau“ schwerer. Das Konzept beinhaltet ein umfangreiches Seminarangebot sowohl für die Ausbilder als auch für die Azubis. Mit diesem Projektansatz sollten bis zu 15 interessierte Betriebe mit zunächst 20 bis 25 Ausbildungsplätzen gewonnen werden – bei Bedarf wäre sogar eine Aufstockung auf 150 Plätze möglich gewesen. Bislang nahmen laut RAW 56 Jugendliche teil (sieben Mädchen und 49 Jungen). Ein zusätzlicher Baustein wurde jedoch gestrichen: An einer Einstiegsqualifizierung als ausbildungsvorbereitende Maßnahme zeigten sowohl die Betriebe als auch die Flüchtlingen zu geringes Interesse.

Schwierig gestaltet sich nach Auskunft des RAW auch ein Arbeitsmarktprogramm des Bundes, die sogenannten FIM (Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen). Sie sollen seit Juli 2016 zusätzliche gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber fördern. Ziel ist, dass Menschen während des Asylverfahrens einer sinnvollen Betätigung nachgehen können. Das kann innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte sein, etwa bei der Essensausgabe oder bei der Reinigung – oder extern, zum Beispiel bei Elektroschrott-Recycling oder der Pflege von Grünanlagen. Der Großteil der Personengruppe, auf die das externe FIM-Programm abzielt, spricht jedoch noch nicht gut deutsch. Außerdem sei der Teilnehmerkreis von Gesetz wegen eingeschränkt, heißt es. Flüchtlinge mit Duldungsstatus oder aus sicheren Herkunftsländern dürfen nicht mitmachen. Fazit: Die ursprünglich anvisierte Zahl von 1048 FIM-Plätzen wird München laut RAW nicht annähernd erreichen.

Auch in den Pflegeberufen hatte man sich vor zwei Jahren noch größere Hoffnungen gemacht, Flüchtlinge als Fachkräfte gewinnen zu können. Doch die Ausbildung ist langwierig. Und auch hier zeigen laut RAW die Erfahrungen, dass die Mehrheit der Flüchtlinge in München im Spracherwerb noch nicht so weit fortgeschritten ist und kaum entsprechende Fachkenntnisse besitzt.

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