MVG stellt neuen Ticket-Automaten vor

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Touchscreen, easy Taste, Barcode-Scanner - so sieht der neue Ticket-Automat der MVG aus.

München - So sehen sie aus - die neuen Ticket-Automaten der Münchner Verkehrsgesellschaft. Die MVG hat sieam Mittwoch vorgestellt - und schon gibt es Kritik.

Über 600 Ticketautomaten gibt es im Vertriebsnetz der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Viele davon wurden installiert, als in Berlin die Mauer noch stand. Nach über 20 Jahren Lebensdauer häufen sich bei den Modellen von 1988 teure Reparaturen. Die MVG will sie nun sukzessive gegen hochmoderne Nachfolger austauschen. Das erste Hightech-Gerät steht seit Mittwoch im Kundencenter im U-Bahnhof Marienplatz.

So funktioniert der neue Ticket-Automat

Der neue Ticket-Automat der MVG

Übersichtlich und schnell sollen die neuen Fahrkartenautomaten sein. Und in der Tat gibt es einige neue Funktionen, die die Bedienung deutlich erleichtern. Vor allem für Fahrgäste, die schon wissen, welches Ticket sie kaufen wollen. Der Kunde navigiert durch das gut strukturierte Menü über einen Touchscreen. Per Schnellwahltaste gelangt er beispielsweise mit drei kurzen Fingertipps zur gewünschten Tageskarte für den Innenraum. Nun kann er noch wählen, ob er bar, per EC-Karte oder Kreditkarte zahlen möchte. Eine Sache von Sekunden. Ein Clou der neuen Automaten: Sie geben auch Wechselgeld in Scheinen aus. MVG-Chef Herbert König: „Das ist in Deutschland einmalig.“

Noch schneller geht es mit dem sogenannten Barcode-Scanner. Alle Tickets werden in Zukunft mit einem Strichcode ausgestattet. Hat der Kunde beispielsweise noch eine alte Streifenkarte dabei, so hält er sie mit dem Code an den Scanner, schon wählt der Automat für ihn eine neue Streifenkarte aus. Bemüht hat sich die MVG auch, die Automaten behindertengerechter zu machen: Der Bildschirm ist im Vergleich zu früher für Fahrgäste im Rollstuhl gut zu erreichen.

Für Ortskundige dürfte der Ticketkauf also deutlich bequemer werden. Allerdings nutzen die Münchner sowieso zu 80 Prozent Zeitkarten, wie König verriet. Diese werden auch weiterhin an eigens dafür bestimmten Automaten verkauft. Mehrheitlich werden wohl Besucher die neuen Automaten nutzen. Sie könnten sich dabei schwer tun: Zwar gibt es auch für sie ein eigenes Feld, das zu Angeboten speziell für Touristen führt. Fahrkarten zum Flughafen sind so schnell ausgewählt. Vergeblich sucht man aber eine Übersicht über das Schienennetz. Weiß jeder Tourist, ob sein Ziel im Innen- oder Außenraum liegt? Oder was eine München XXL-Karte bietet? König wies darauf hin, dass die MVG das neue Gerät im Frühjahr an 120 Fahrgästen, darunter auch Ortsfremden, getestet habe. Die Rückmeldungen seien für Nachbesserungen genutzt worden. Kritik kam von Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste, da auch die Deutsche Bahn erst kürzlich neue Ticket-Automaten für die S-Bahn aufgestellt hatte: „Mir fehlt es am Verständnis dafür, dass es keine bundesweit einheitliche Bedienoberfläche an den Fahrkartenautomaten gibt. Die MVG hätte sich an den Automaten der Deutschen Bahn orientieren müssen.

Bis Ende 2012 sollen 292 neue Automaten aufgestellt sein, die Gesamtkosten belaufen sich auf 9,5 Millionen Euro. Interessanterweise ziehen selbst Schwarzfahrer einen Nutzen aus den neuen Modellen. Zumindest wenn sie erwischt werden: In Zukunft können sie das „erhöhte Beförderungsentgelt“ auch direkt an den Automaten bezahlen.

Angelo Rychel

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