Stellwerk am Ostbahnhof: Sanierung für zwei Millionen Euro

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Ein Blick in das Stellwerk am Ostbahnhof. 1 und 2: Die beiden Fahrdienstleiter für den S-Bahnverkehr nach Erding und Ebersberg 3: Der Fahrdienstleiter für den Fern- und Güterverkehr 4: Der Fahrdienstleiter Giesing für die S-Bahnen nach Kreuzstraße und Holzkirchen 5: Der zweite Fahrdienstleiter für Fernverkehr und Güterverkehr. 6: Die Ansagerin für den Fernverkehr am Ostbahnhof. 7: Die Stelltafel mit allen Bahnlinien im Münchner Osten

München - Das Stellwerk am Ostbahnhof, das des öfteren von Störungen außer Gefecht gesetzt wird, soll für zwei Millionen Euro saniert werden. Die tz erklärt sein Innenleben.

Es ist eine riesige Schalttafel, auf der die Herren der Bahn am Stellwerkes Ost die Lage im Griff haben: Am Ostbahnhof überwachen sie den Güter- und Fernverkehr aus und nach Richtung Freilassing, Mühldorf sowie die S-Bahnen östlich der Stammstrecke und des Ostbahnhofes.

So sieht's im Stellwerk Ost aus

So sieht's im Stellwerk Ost aus

Der Leiter des Stellwerkes Alois Huber erklärt: „Hier werden die Weichen und Signale für alle Züge zwischen Ostbahnhof und den Stadtgrenzen im Osten gestellt.“ Die Freigabe der Schienen erfolgt in Abschnitten, sodass die Fahrdienstleiter nicht jede Weiche und jedes Signal einzeln umstellen müssen. Huber: „Das Stellwerk arbeitet vergleichsweise stabil. Nur merken es halt sehr viele Menschen, wenn es zu einem Ausfall kommt.“ Das Problem ist, dass ein Ausfall im Stellwerk dafür sorgt, dass die gesamte Stammstrecke stillgelegt wird, weil hier fast alle S-Bahnen durchfahren müssen bzw. ankommen und starten.“

Die Technik des Stellwerkes ist in die Jahre gekommen. Volker Hentschel von der für die Schienen zuständigen Bahntochter DB Netz erklärt: „Es ging abschnittsweise zwischen 1969 und 1972 in Betrieb, ist also so alt, wie die Münchner S-Bahn.“ Die Entwicklung der Steuerungstechnik stamme sogar aus den 50er Jahren. Hentschel: „Die Störanfälligkeit steigt, obwohl ständig Module ausgetauscht und überholt werden.“ Auch die Stromkabel, die die Steuerungsanlagen draußen mit dem Stellwerk verbinden, seien anfällig. Hentschel: „Beim Einbau hieß es, die Kabel halten ewig, heute wissen wir, dass Feuchtigkeit durch die brüchig werdenden Kunststoffhüllen dringt.“ Blitzschläge können ebenfalls dazu führen, dass Signale ausfallen. Die Folge ist, dass ein Signal nicht auf Grün schaltet. Stellwerkchef Huber. „Dann müssen wir die Züge per Hand steuern.“

In diesem Fall muss der Fahrdienstleiter erst überprüfen, ob von den Nachbar­abschnitten Züge in den betroffenen Gleisbereich eingefahren sind. „Die Abschnitte sind zu 99,99 Prozent frei, aber es könnte rein theoretisch sein, dass ein Zug davor einen Waggon verloren hat, was aber auch bemerkt werden müsste,“ so Huber. Sicherheit habe aber alleroberste Priorität. „Der Zugführer wird dann per Funk angewiesen, das rote Signal zu überfahren.“ Das Ganze wird schriftlich festgehalten, der Zuführer muss alles bestätigen. Dann fährt die Bahn statt mit 120 km/h nur mit 40 km/h durch den Abschnitt, damit sie im Falle eines Hindernisses rechtzeitig bremsen kann. Huber: „Das dauert alles viel länger, sodass sich die Züge schnell stauen.“

Bis zum Herbst sollen diese Störungen mit einem Zwei-Millionen-Euro-Programm verringert werden. Signaltechniker Johann Kapser erklärt: „Bis Juni werden hier neue Stromkabel verlegt.“ Außerdem soll die Schalttechnik so umgerüstet werden, dass bei einer Störung nicht das ganze Stellwerk, sondern nur noch ein Sechstel der Technik ausfällt. Warum rüstet man nicht die gesamte Technik auf digitale Steuerung um, wie es an der Stammstrecke bereits der Fall ist und es ab August im Münchner Westen geschehen soll? Hentschel von der DB Netz: „Ursprünglich sollte die Umrüstung mit dem Bau der zweiten Stammstrecke erfolgen, jetzt wurden die Projekte getrennt.“ Das Stellwerk Ost soll in fünf bis zehn Jahren digital umgerüstet sein.

Johannes Welte

Stellwerk Ostbahnhof

Von hier aus werden 182 Weichen und 293 Bahnsignale zwischen Ostbahnhof und den Stadtgrenzen im Osten gesteuert und überwacht. Die Inbetriebnahme erfolgte 1969. Die 20 Mitarbeiter wickeln dort täglich 1500 Zugbewegungen ab. Es besteht aus 1,5 Millionen Relais-Kontakten.

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