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Bluttat mitten in München: Fußballer Stjepan J. (25) stirbt alleine unter einem Basketballkorb

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Stjepan J. stirbt allein in einem stockfinsteren Park wegen eines Streits nach einer Tischtennispartie. Protokoll einer Blutnacht in Neuperlach.

München ‒ Eigentlich hat alles mit einem harmlosen Abend unter Bekannten, ja, vielleicht Freunden angefangen. Sechs Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren holten erst gemeinsam Bier in einem Kiosk und machten sich dann auf zum Tischtennisspielen in einem Park am Karl-Marx-Ring, Ecke Peschelanger am Rande von München-Neuperlach.

Bluttat in München: Alles beginnt ganz harmlos, unschuldig, mit einem Tischtennisspiel

Der Park hat eine Skateanlage, Basketballkörbe und eben eine Tischtennisplatte. Die jungen Männer spielen Tischtennis, trinken Bier und unterhalten sich. Unschuldiger kann eine Abendgestaltung vor dieser lauen Samstagnacht (29. Oktober) kaum klingen. Sie treffen sich auch nicht zum ersten Mal. Man kennt sich. Das spätere Opfer und der mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger Bosnier, haben jeweils die Handy-Nummern des anderen eingespeichert. Dennoch. Stjepan J., ein 25-jähriger Münchner Kroate, wird diese Parkanlage nicht mehr lebend verlassen.

Der Tatort: Ein mit Herbstlaub bedeckter Basketballplatz am Rande von Neuperlach.
Der Tatort: Ein mit Herbstlaub bedeckter Basketballplatz am Rande von Neuperlach. © Götzfried

Im Laufe des Abends entwickelt sich ein Streitgespräch zwischen dem 22-Jährigen und Stjepan J. Der Streit wird immer hitziger und persönlicher. Die jeweilige Familie des anderen werden irgendwann beleidigt, sagen die anderen vier Mitglieder jener Tischtennis-Gesellschaft später aus.

Ein Streit eskaliert, der 22-Jährige zückt eine Stichwaffe

Dann wird es handgreiflich. Dabei zieht der 22-Jährige einen bis dato noch unbekannten Gegenstand, wohl ein Messer, und sticht auf sein Opfer ein. Mehrmals. Ein 18-Jähriger versucht noch einzugreifen. Er bekommt ebenfalls die Waffe zu spüren, erleidet eine schwere Schnittverletzung an der Hand. Der 25-Jährige geht zu Boden, die beistehenden vier Männer im Alter von 18 bis 19 Jahren flüchten, genauso wie der mutmaßliche Täter. Stjepan J. stirbt alleine im Dunkeln unter einem Basketballkorb.

Spurensicherung und Kripo arbeiten am Tatort nach dem Fund des toten 25-jährigen Münchners. Die Tatumstände sind aktuell Gegenstand dere Ermittlungen.
Alleine blutend liegengelassen: Spurensicherung und Kripo arbeiten am Tatort nach dem Fund des toten 25-jährigen Münchners. © Thomas Gaulke

Warum muss Stjepan alleine im Park sterben? „Die hatten Angst“

Warum haben die vier jungen Erwachsenen ihren Bekannten einfach blutend im Park liegengelassen? Die Antwort darauf wird wohl noch Zeit brauchen. Aktuell fokussieren sich die Ermittlungen auf den mutmaßlichen Täter, sagt Staatsanwältin Juliane Grotz von der Staatsanwaltschaft München I bei einer Pressekonferenz zu dem Fall am Montag. Ob noch gegen weitere Beteiligte Anklage, etwa wegen unterlassener Hilfeleistung, erhoben werde, müsse noch entschieden werden.

Juliane Grotz (Staatsanwaltschaft München I), Stephan Beer (Leiter der Mordkommission) und Pressesprecher Andreas Franken
Juliane Grotz (Staatsanwaltschaft München I), Stephan Beer (Leiter der Mordkommission) und Pressesprecher Andreas Franken erklären den Ermittlungsstand. © Klaus-Maria Mehr

Stephan Beer, Leiter der Münchner Mordkommission, nimmt die vier jungen Männer ein bisschen in Schutz. „Der Tatverdächtige ist körperlich sehr überlegen“, sagt Beer. Zwei Meter groß, über 100 Kilo schwer. „Die hatten Angst.“ Außerdem seien sie davon ausgegangen, der 25-jährige Hilfsarbeiter hätte nur Faustschläge abbekommen. Es war dunkel.

Bluttat in München: Entscheidender Hinweis kommt aus dem Krankenhaus

Immerhin. Einer der 18-Jährigen versuchte ja dazwischenzugehen — und lieferte damit den Ermittlern den entscheidenden Hinweis. Denn die Schnittwunde an seiner Hand war so gravierend, dass ihn die anderen drei in ein nahegelegenes Münchner Krankenhaus brachten. Als ein Passant in der Nacht auf Sonntag den bereits leblosen Stjepan J. fand, stellte die Polizei schnell die Verbindung her.

Spezialeinheiten nehmen Tatverdächtigen am Samstagabend in Dachau fest

Spezialeinheiten der Polizei nahmen den 22-Jährigen bereits am Sonntagabend gegen 20 Uhr in Dachau fest. Er schweigt seitdem. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei unter anderem einen Elektroschocker und einen Schlagring. Der 22-Jährige war der Polizei zudem bereits bekannt.

Gegen den Auszubildenden in einer Metzgerei wird nun wegen Totschlags ermittelt. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. Für Mord reicht der Tatbestand laut Staatsanwaltschaft nicht aus.

Familie und Münchner Kickers trauern um Stjepan J. ‒ Spendenkonto eingerichtet

Die Familie des Opfers erfuhr erst am frühen Sonntagmorgen von Stjepans Tod. Davon, dass er allein in der Dunkelheit, in einem Park am Karl-Marx-Ring sterben musste. Einfach nur, weil jemand zum falschen Zeitpunkt ein Messer dabei hatte und es zog. Neben seiner Familie trauert sein Fußballverein, die Münchner Kickers, um Stjepan J. Bei den beiden Partien am kommenden Woche wird es eine Schweigeminute geben. Zudem hat der Verein ein Spendenkonto eingerichtet, um die Familie bei der Beisetzung oder etwaiger Anwaltskosten unterstützen zu können.

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