Kran legt Bahnverkehr für Stunden lahm

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Dieser Baukran auf einem Grundstück an den Gleisen schwenkte in die Oberleitung – das Kabel riss!

München - Ein Baukran ist in Pasing in die Oberleitung geraten - und hat die Hauptschlagader von halb Bayern stundenlang lahmgelegt. Die Bilder und was die Bahn sagt.

Die Bahn trifft der Schlag: Gegen 13.40 Uhr gerät am Mittwoch ein Kran in Pasing in die Oberleitung – und zerstört die Hauptschlagader der Bahn für halb Bayern. Bis 16.30 Uhr kann kein Zug Pasing passieren, danach läuft der Verkehr schleppend an. Zigtausende Pendler harren nach Angaben der Bahn an den Gleisen in Sturm und Kälte aus. Infarkt im Berufsverkehr!

Bilder des S-Bahn-Chaos

Baukran legt Bahnverkehr lahm

Die Ursache liegt nicht bei der Bahn: Der Kran arbeitete an der Unterführung der Pippinger Straße auf einem an die Gleise grenzenden Grundstück, wo ein privater Kindergarten gebaut wird. Angeblich wegen des Sturms pendelte das Seil am Kran-Ausleger gegen die Oberleitung und zerriss sie. „Es gab einen grellen Blitz!“, sagte ein Zeuge.

Nach einem Kurzschluss fiel der Strom vollständig aus. Verletzte gab es nicht, zur Absicherung war die Feuerwehr mit acht Wagen und 25 Mann im Einsatz. Für die Bahn reparierten 20 Techniker die Leitung.

„So ein Schaden hat sehr, sehr große und nachhaltige Auswirkungen“, sagt Bahn-Sprecher Franz Lindemair. „Da waren sicher viele zigtausend Passagiere betroffen.“ Die Gleise bedienen Augsburg, das Allgäu und das Werdenfelser Land. Fernzüge konnte die Bahn über Ingolstadt und eine Güterverkehr-Trasse im Münchner Norden umleiten. Passagiere mussten am Hauptbahnhof die Gleise wechseln, die Züge verspäteten sich um einige Minuten.

Bei der S-Bahn und im Regionalverkehr war das Ausmaß von Verspätungen und Ausfällen kaum überschaubar. In Pasing, mit 45 Stopps der viertgrößter Bahnhof in Bayern, ging nichts mehr. Fast alle MVV-Linien mussten vorzeitig wenden.

Ein Überblick:

- Im Osten der Stadt kehrten S3 nach Holzkirchen und S4 Richtung Ebersberg am Ostbahnhof um.

- Im Westen wendeten S8 nach Herrsching in Neuaubing, S3 bis Mammendorf in Lochhausen, S4 Geltendorf in Puchheim, S6 bis Tutzing in Gauting. Die Regionalzüge nach München stoppten vorzeitig in Mering, Mammendorf, Geltendorf und Starnberg.

Zwischen Laim und Pasing schickte die Bahn am Nachmittag Busse auf den Weg. Von Pasing aus fuhren Busse weiter zu den Außenästen. Die MVG setzte zusätzlich zur Tram 19 ab Hauptbahnhof vier Busse ein. Die Pendler drängelten sich auch dort. Nicht unterbrochen, wegen der Umleitungen dennoch verspätet, fuhren nur die S1 zum Flughafen, S2 Erding bis Petershausen und S7 Kreuzstraße bis Wolfratshausen.

Unabhängig davon kam um 15.20 Uhr ein Oberleitungsschaden östlich der Stadt dazu – in Ismaning: Die S8 zwischen Herrsching und Flughafen fuhr nur bis Johanneskirchen. Danach ging es mit Bussen weiter. Fahrgäste zum Flughafen sollten auf die S1 ausweichen.

D. Costanzo. E. Unfried

Normalisierung am Mittwochabend

Um 19 Uhr meldete die DB Regio AG schließlich, dass alle S-Bahnen wieder auf ihrem regulären Regelweg verkehren - teils am Abend noch mit Verspätungen zwischen fünf und 15 Minuten.

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