Stoiber-Sohn: Uni prüft Plagiats-Vorwürfe

+
Edmund und Karin Stoiber mit Sohn Dominic und dessen Frau Melanie

Innsbruck - Schon wieder Ärger mit einer Doktorarbeit in der Familie Stoiber: Die Uni Innsbruck prüft, ob Edmund Stoibers (70) Sohn Dominic (31) bei seiner Dissertation geschummelt hat.

Allerdings betont die Uni gegenüber dem Münchner Merkur, dass die Plagiats-Überprüfung nicht bedeute, dass Dominic Stoiber wirklich abgeschrieben habe. Vielmehr erfolge eine Überprüfung durch den Universitätsstudienleiter routinemäßig, sobald „der Vorwurf des Plagiats erhoben wird“. Wer den Vorwurf erhoben hat, ließ der Uni-Sprecher offen.

Guttenberg: Die besten Sprüche zur Plagiats-Affäre

Fall Schavan: Auch diese Promis haben abgekupfert

Annette Schavan soll bei ihrer Doktorarbeit getäuscht haben. Die Uni Düsseldorf entzieht ihr am 5. Februar 2013 den Titel. Doch in Politik, Literatur und Musik wird seit jeher abgekupfert, was das Zeug hält. Hier eine Übersicht: © dpa
Im Februar 2011 stürzt der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über seine Doktorarbeit. Darin hatte er kräftig abgeschrieben. © dpa
Der umstrittene Berliner Rapper Bushido wurde 2010 wegen Urheberrechtsverletzungen gerichtlich verurteilt: Er hatte in 13 Liedern Songfragmente der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary ohne Erlaubnis verwendet. © dpa
Die Ex-Brosis-Sängerin und „Dschungelshow“-Teilnehmerin wollte ihre kurzzeitig wiedergewonnene Prominenz mit einem Stimmungslied in klingende Münze umwandeln. „Hol de Radio“ heißt das Traktat. Doch es war der Song eines anderen: Comedian Chris Boettcher. © dpa
In der klassischen Musik sind Plagiate nichts Ehrenrühriges, sondern eine gebräuchliche Stilform. In den Epochen des Barock und der Wiener Klassik wird dies „Parodie“ genannt. Johann Sebastian Bach „veredelte“ fremde Werke und eigene Werke. © ddp
Jungautorin Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“) sah sich im vorigem Jahr mit dem Vorwurf des Plagiats konfrontiert, weil sie umfangreich aus dem Roman „Strobo“ des Berliner Bloggers Airen abgeschrieben hatte. Die 17-Jährige fand das „total legitim“. Immerhin: Sie würdigte den Textlieferanten in den folgenden Auflagen in der Danksagung. © dpa
Auch Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe käme heute in Erklärungsnot, würde man den Schluss seines 1774 erschienenen Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“ unter die Lupe nehmen. In der Beschreibung des Endes seines Helden, der sich mit einer Pistole eine Kugel in den Kopf jagte, verwertete Goethe einen Brief seines Wetzlarer Freundes Johann Christian Kestner. © dpa
Als berühmtestes Plagiat der Musikgeschichte gilt derweil „My Sweet Lord“ von Ex-Beatle George Harrison. Das Stück erschien 1970 auf dem Album „All Things Must Pass“. Es klang verdächtig nach dem Titel „He’s so fine“ der US-Mädchenband „The Chiffons“ von 1963. Der Prozess zog sich über viele Jahre hin und endete mit einem Vergleich. © dpa

Im vergangenen Jahr wurde bereits der Tochter von Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, Veronica Saß, der Doktortitel aberkannt, weil „erhebliche Teile“ ihrer Arbeit ‚Regulierung im Mobilfunk‘ Plagiate darstellen, so das Urteil der Uni Konstanz. Sie habe unter anderem ganze Passagen aus dem Internet-Lexikon Wikipedia abgeschrieben.

Die unfreiwillige Namensgeberin der Internetseite VroniPlag klagt gegen die Aberkennung des Titels vor dem Verwaltungsgericht Freiburg.

Die Doktorarbeit von Dominic Stoiber wird allerdings nicht von den Internet-Plagiatsjägern auf der Seite VroniPlag untersucht. Sie ist öffentlich gar nicht mehr zugänglich! Die nur in vier Exemplaren veröffentlichte Doktorarbeit sei derzeit nicht ausleihbar, so der Spiegel – das Vize-Rektorat der Uni Innsbruck hat angeordnet, die Arbeit zu sperren. Martin Wieser, der Leiter der Innsbrucker Uni-Bibliothek, erklärte gegenüber dem Spiegel: „Die Sperre dient dazu, dass die Arbeit in dem noch nicht abgeschlossenen Plagiatsverfahren verfügbar ist.“

Fall Guttenberg: Auch diese Künstler haben abgekupfert

Fall Schavan: Auch diese Promis haben abgekupfert

Annette Schavan soll bei ihrer Doktorarbeit getäuscht haben. Die Uni Düsseldorf entzieht ihr am 5. Februar 2013 den Titel. Doch in Politik, Literatur und Musik wird seit jeher abgekupfert, was das Zeug hält. Hier eine Übersicht: © dpa
Im Februar 2011 stürzt der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über seine Doktorarbeit. Darin hatte er kräftig abgeschrieben. © dpa
Der umstrittene Berliner Rapper Bushido wurde 2010 wegen Urheberrechtsverletzungen gerichtlich verurteilt: Er hatte in 13 Liedern Songfragmente der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary ohne Erlaubnis verwendet. © dpa
Die Ex-Brosis-Sängerin und „Dschungelshow“-Teilnehmerin wollte ihre kurzzeitig wiedergewonnene Prominenz mit einem Stimmungslied in klingende Münze umwandeln. „Hol de Radio“ heißt das Traktat. Doch es war der Song eines anderen: Comedian Chris Boettcher. © dpa
In der klassischen Musik sind Plagiate nichts Ehrenrühriges, sondern eine gebräuchliche Stilform. In den Epochen des Barock und der Wiener Klassik wird dies „Parodie“ genannt. Johann Sebastian Bach „veredelte“ fremde Werke und eigene Werke. © ddp
Jungautorin Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“) sah sich im vorigem Jahr mit dem Vorwurf des Plagiats konfrontiert, weil sie umfangreich aus dem Roman „Strobo“ des Berliner Bloggers Airen abgeschrieben hatte. Die 17-Jährige fand das „total legitim“. Immerhin: Sie würdigte den Textlieferanten in den folgenden Auflagen in der Danksagung. © dpa
Auch Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe käme heute in Erklärungsnot, würde man den Schluss seines 1774 erschienenen Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“ unter die Lupe nehmen. In der Beschreibung des Endes seines Helden, der sich mit einer Pistole eine Kugel in den Kopf jagte, verwertete Goethe einen Brief seines Wetzlarer Freundes Johann Christian Kestner. © dpa
Als berühmtestes Plagiat der Musikgeschichte gilt derweil „My Sweet Lord“ von Ex-Beatle George Harrison. Das Stück erschien 1970 auf dem Album „All Things Must Pass“. Es klang verdächtig nach dem Titel „He’s so fine“ der US-Mädchenband „The Chiffons“ von 1963. Der Prozess zog sich über viele Jahre hin und endete mit einem Vergleich. © dpa

Pikant ist das Thema der Doktorarbeit des Stoiber-Filius: Er promovierte über die politische Arbeit seines Vaters! „Die Föderalismusreform I der Bundesrepublik Deutschland: Beschreibung und Bewertung der Reform und eine Analyse der Bewährung in der Praxis anhand des Nichtraucherschutzes“, so das Thema. Die beiden Leiter der Föderalismuskommission waren Franz Müntefering (SPD) – und Dominics Papa Edmund Stoiber. Dominic Stoiber ist Chefe der JU Wolfratshausen, Mitglied im CSU-Kreisvorstand und Bezirksrat für Oberbayern – eine Aberkennung des Doktortitels wäre also durchaus ein Politikum.

Zu den Vorwürfen Stellung nehmen wollte der 31-jährige Produktmanager gegenüber der tz nicht. Auf eine Anfrage des Linken-Bezirkstagskollegen Klaus Weber hatte Stoiber junior lediglich geantwortet: Er habe alle Anforderungen bezüglich seiner Dissertation erfüllt.

Klaus Rimpel

Auch interessant

Kommentare