Stolperfalle am Marienplatz: Frau verklagt Stadt

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U-Bahnhof-Marienplatz: An den dunklen Fugen erkennt man, wo die Platten mit Hilfe von Metallrahmen in den Boden eingelassen waren. Erika H. verklagt nun die Stadtwerke.

München - Die Stolperfalle war heimtückisch: Erika H. hatte gerade den Aufzug zum Sperrengeschoss am U-Bahhof Marienplatz verlassen, als sie plötzlich mit Wucht zu Boden stürzte.

„Ich konnte nicht mehr aufstehen“, erinnert sich die Fremdenführerin (71). Nun erkannte sie die Ursache ihres Sturzes. Eine Bodenplatte, die nur improvisiert mittels eines Metallrahmens eingelassen war, ragte gefährlich heraus. Mit dem Fall befasst sich jetzt das Landgericht: Müssen die Stadtwerke Schmerzensgeld bezahlen?

Auf dem Marienplatz wurde an jenem 13. Juni 2010 das Stadtgründungsfest gefeiert. So weit kam Erika H. nicht. Beim Verlassen des Aufzuges stürzte sie. „Ich dachte erst, es packt mich jemand und wirft mich zu Boden.“ Ein Schuh habe sich mit dem Metallrahmen der Platte richtig verhakt.

Drei Passanten hätten sofort versucht, sie wieder auf die Beine zu stellen. „Aber ich konnte nicht stehen. Sie brachten mich zum Info-Point der SWM.“ Dort habe sie plötzlich extreme Schmerzen verspürt. „Ich wurde ohnmächtig.“ Ein Rettungswagen brachte sie in die Klinik, wo ein Bruch der Kniescheibe festgestellt wurde.

Für den finanziellen Verlust und die erlittenen Schmerzen fordert Erika H. von den Stadtwerken insgesamt 12 000 Euro. Beim ersten Prozesstermin stellte Richterin Ilse Kustermann klar, dass der kommunale Betrieb hier in der Pflicht ist. Klägeranwalt Christian Decke sagte: „Für den überhöhten Metallrahmen tragen die Stadtwerke die Verantwortung.“

Ein Vergleich – die Richterin nannte 3000 bis 4000 Euro – kam nicht zustande. Die Stadtwerke zeigten sich wenig kompromissbereit.

Der Prozess wird am 26. April fortgesetzt. Bei dem Termin soll auch Erika H. zu Wort kommen. Sie erholt sich derzeit von einer Krebsoperation. Haben sich die Stadtwerke bei ihr entschuldigt? „Nein“, sagte sie der tz. „Das wäre schon anständig gewesen.“ Sie hofft, dass sie noch Zeugen findet. Vor allem sucht sie den Mitarbeiter am Info-Point, der mit Nachnamen Odescalci heißen soll, als Zeugen. Einen Vornamen hatte sie sich nicht notiert. „Er hat sich rührend um mich gekümmert.“

Wie geht es weiter? „Ich bin Fremdenführerin aus Leidenschaft“, sagt sie. „Ich will auf jeden Fall wieder arbeiten.“

Eberhard Unfried

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