Die Strafjustiz pfeift aus dem letzten Loch

Die Justiz-Mitarbeiter arbeiten noch bis 2015 in dem maroden Gebäude in der Nymphenburger Straße. Der Komplex ist allerdings komplett baufällig
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Die Justiz-Mitarbeiter arbeiten noch bis 2015 in dem maroden Gebäude in der Nymphenburger Straße. Der Komplex ist allerdings komplett baufällig

München - In keinem Behördengebäude Münchens geht mehr Wärmeenergie verloren als im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße. Eine Sanierung kommt als Lösung kaum in Frage.

Durch die Fenster pfeift der Wind. Im Keller bollern Öfen aus den 70er-Jahren, das ganze Rohrsystem ist marode. In keinem Behördengebäude Münchens geht mehr Wärmeenergie verloren als im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße. Sanieren? Das würde mindestens 90 Millionen Euro verschlingen. Die Verantwortlichen schütteln den Kopf: Ein Neubau muss her!

Ob Ladendieb oder Mörder, alle Straftäter Münchens erhalten eine Ladung zum Prozess in diesem Gebäude. Diese sind froh, wenn sie das Haus rasch wieder verlassen können. Die rund 1500 Beschäftigten können das nicht. Die stöhnen im Sommer unter der Hitze, wenn die Rolläden streiken. Im Winter pfeift es durch die schlecht isolierten Metallrahmen der Fenster.

In dem in den Jahren 1972 bis 1974 errichteten Komplex ist bei der Planung ziemlich alles falsch gemacht worden: So wurde tonnenweise Asbest verbaut, das keine 20 Jahre später für einen Millionenaufwand wieder entfernt werden müsste. Beim Brandschutz wird zwar ständig nachgebessert, den Vorschriften entsprechen die Maßnahmen aber noch lange nicht.

Die Haustechnik pfeift aus dem letzten Loch. Hier steht eine komplette Erneuerung an. Die Sitzungssäle entsprechen nicht mehr den Anforderungen. Bei Prozessen mit hohem Risiko muss mit Absperrgittern und Holzverschlägen improvisiert werden – ein „Verhau“.

An behinderte Menschen war nicht gedacht worden. Rollstuhlfahrer müssen über einen eisernen Steg und warten bis ein Wachtmeister öffnet. Wer eine Toilette aufsuchen muss, kann mit Recht behaupten: Es stinkt bei der Strafjustiz!

Dr. Karl Huber, Präsident der Oberlandesgerichts und oberster Hausherr, hält eine Sanierung des achtstöckigen Gebäudes für wenig sinnvoll. Das würde 90 Millionen Euro kosten, „wahrscheinlich aber noch viel mehr“. Huber zur tz: „Die Frage ist, ob man das Haus überhaupt noch sanieren kann.“

Außerdem müsse der Justiz-Betrieb während der Bauarbeiten weitergehen. Prozesse bei Presslufthammer-Getöse? „Das gibt erhebliche Probleme“, sagt Huber. Amtsgerichts-Präsident Gerhard Zierl: „Bei laufendem Betrieb ist das Gebäude nicht sanierbar.“

Finanz- und Justizministerium haben nun eine Lösung gefunden: Auf einem brachliegenden Gelände am Leonrodplatz soll komplett neu gebaut werden. Hier gibt es zwar keine U-Bahn, aber gute Tram-Verbindungen. 150 Millionen soll der neue Komplex kosten. Erst muss jedoch der Landtag mit Mittel im Haushalt locker machen. Huber hofft, dass bis zum Jahr 2015 das neue Gebäude steht, schränkt aber ein: „Der Zeitrahmen ist sehr optimistisch.“

Eberhard Unfried

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