Auch Ballack hat's erwischt

So viel verdient die Stadt mit Verkehrssündern

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Gabriele Broschinski (59) und Stephen Hepburn (55) schreiben seit 25 Jahren Knöllchen - hier sitzen sie in einem Auto mit Radarfalle

München - Die Kommunale Verkehrsüberwachung hat seit 25 Jahren bei Strafzetteln, Blitzern und Parklizenzen das Sagen. Das füllt den Stadtsäckel mit vielen Millionen. Die Bilanz:

Sie sind die Herren (und Damen) über Knöllchen, Blitzer und Parklizenzen: Die Kommunale Verkehrsüberwachung besteht seit 25 Jahren. Für die einen ist das ein Grund zum Feiern. Die anderen werden diese Zahl mit Interesse lesen: In diesem Vierteljahrhundert haben die Kontrolleure genau 12 066 947 Knöllchen ausgestellt! Rein rechnerisch (und von Touristen einmal abgesehen) hat jeder Münchner rund neunmal ein Briefchen hinterm Scheibenwischer gehabt. Das füllt den Stadtsäckel mit vielen Millionen …

„Die Verkehrsüberwachung ist vielleicht nicht beliebt, aber akzeptiert“, sagt KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. „Sie sichert, dass der Verkehr überhaupt fließen kann.“ In drei Bereichen zücken sie den Kugelschreiber:

Angefangen hat alles mit dem ruhenden Verkehr, also den parkenden Fahrzeugen: In den 80er Jahren kauften immer mehr Menschen Autos, die Parkmoral wurde immer schlechter. Da beschloss der Freistaat, den Gemeinden die Kontrolle zu ermöglichen. Am 1. Februar 1988 ging es los – 57 Kontrolleure kümmerten sich in Absprache mit der Polizei um Altstadt und Westend, bald kamen Haidhausen und Altschwabing hinzu. Heute überwachen 107 Männer und 80 Frauen 49 der 62 Parklizenzgebiete – den Rest übernimmt die Polizei, deren Knöllchen bei der Statistik nicht mitgerechnet sind.

Das ist auch bei der Überwachung des fließenden Verkehrs so: Seit 1994 darf die Stadt in Tempo 30-Zonen blitzen, die Hauptstraßen überwacht die Polizei. Heute sind zehn Fahrer in fünf Autos unterwegs und kontrollieren am Tag in 30 von 600 Straßen des Messprogramms. Seit 1995 kamen ihnen elf Millionen Autos vor die Linse – bei zwei Millionen machte es: Klick! Die Stadt darf nur einen festen Blitzer betreiben, der 1999 am Petuelring stand und 2002 zum McGraw-Graben zog. Unter den 37 Millionen Kontrollierten waren eine halbe Million Bleifüße. Die Zahl der Unfälle reduzierte sich von 80 auf zehn im Jahr. Die Kontrolleure jagen auch Radler: 2012 erwischten sie 1800 in der Fußgängerzone.

Anwohnerparken gab es schon 1981 im Lehel, 1986 folgte Haidhausen. Seit 2001 gibt es die Parklizenzen in der heutigen Form. Über eine Million Parkausweise hat die Verkehrsüberwachung ausgestellt.

Natürlich füllt die Verkehrsüberwachung auch die Kassen der Stadt: Allein 2012 kassierten die Überwacher 21,4 Millionen Euro – kosteten aber auch 17,1 Millionen Euro. Seit 2002 summieren sich die Einnahmen auf 171 Millionen, die Ausgaben auf 112 Millionen Euro. Macht ein Gewinn von 59 Millionen für die Stadt!

Auch Ballack hat’s erwischt

Gabriele Broschinski (59) hatte in ihren 25 Jahren bei der Verkehrsüberwachung schon alle am Haken – aber ihr dickster Fisch war Michael Ballack! Vor etwa fünf Jahren habe der damalige Nationalspieler seinen Audi in einer Feuerwehranfahrtszone in der Maximilianstraße geparkt – wo denn sonst. Den Wagen ließ sie abschleppen. Nach zehn Minuten sei Ballack aufgetaucht. „Er war sehr freundlich und wollte nur wissen, wohin die Autos abgeschleppt werden“, erzählt Broschinski. Anschließend wurden 35 Euro Bußgeld und 200 Euro Abschleppkosten fällig.

Heutzutage seien die Autofahrer überhaupt viel umgänglicher, bestätigt auch ihr Kollege Stephen Hepburn (55). „Wenn ich sie auf dem Behinderten-Parkplatz erwische, dann haben die oft so ein schlechtes Gewissen, dass da fast die Tränen fließen.“ Bei 187 Kontrolleuren sind derzeit im Jahr rund 20 Anzeigen wegen Beleidung fällig – früher war es bei weniger Mitarbeitern ein Vielfaches! „Schlampe“ und „Straßenräuber“ haben die beiden schon zu hören bekommen. Aber sie bleiben immer gelassen und setzen auf Fingerspitzengefühl. Sie machen ja nur ihre Arbeit.

DAC

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