Pläne der Strahlenkommission

Kommt ein verschärfter Alarm-Plan für Isar 2?

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Der Atommeiler Isar II

München - Bisher wird bei einem Störfall innerhalb eines Radius von zehn Kilometer sofort evakuiert. Wie die tz erfahren hat, soll dieser offenbar erweitert werden.

Es wäre der GAU für ganz Niederbayern – und auch Teile Oberbayerns: Ein Störfall im Atomkraftwerk Isar 2. Niemand mag sich vorstellen, was los wäre, wenn dort über längere Zeit Radioaktivität austreten würde. Bisher gilt: Käme es dazu, würden die Menschen innerhalb eines Radius von zehn Kilometern sofort evakuiert werden. Zehn Kilometer? Genau über diese Zahl wird, wie die tz erfuhr, derzeit bei der Strahlenschutzkommission des Bundes heiß diskutiert. Viel zu wenig, meinen nämlich viele Experten, es müssten mindestens 20 Kilometer sein!

Derzeit sieht der Evakuierungsplan vor, dass im Falle eines großen Störfalls die Bewohner von Essenbach (11 166 Einwohner) und Ergolding (11 691 Einwohner) sowie aller Dörfer und Weiler rund um das Kraftwerk in Sicherheit gebracht werden. Würde der Radius auf 20 Kilometer erhöht, müsste der Freistaat auch dafür sorgen, dass Landshut (14 Kilometer entfernt, 61 111 Einwohner), Dingolfing (15 Kilometer, 18 565 Einwohner), Vilsbiburg (18 Kilometer: 11 618 Einwohner) und Altdorf (15 Kilometer, 11 084 Einwohner) per Notfallplan schnellstmöglich geräumt werden. Logistisch eine Herausforderung. Besonders, wenn man bedenkt, dass im Alarmfall viele Menschen in Panik sein werden. Zur Erinnerung: Isar 2 soll (trotz Atomausstiegs) noch bis 2022 am Netz bleiben. Hintergrund der neuen Diskussion ist der Störfall im japanischen Fukushima 2011: Danach analysierte das Bundesamt für Strahlenschutz die Sicherheitsvorkehrungen für alle deutschen Atomkraftwerke. Die Ergebnisse gab sie an die Strahlenschutzkommission weiter. Und die will nun Anfang 2014 eine Empfehlung für neue Alarmpläne an das Umweltministerium ausgeben. Neben einem größeren Evakuierungs-Radius wird wohl auch eine niedrigerer Wert der Strahlenbelastung für Menschen gefordert, um sie in Sicherheit zu bringen. Derzeit gilt, dass die Bevölkerung (unabhängig davon, wie weit sie vom Kraftwerk weg wohnt) bei einem Wert von 100 Millisievert pro Jahr umgesiedelt werden muss. Zum Vergleich: In Japan liegt der Grenzwert bei 20 Millisievert, in Tschernobyl wurden die Bewohner sogar schon ab 5 Millisievert woanders hingebracht.

Wie geht es nun weiter? Fakt ist: Die Empfehlungen der Kommission (die natürlich auch für Gundremmingen bei Günzburg gelten) werden vom Umweltministerium meist umgesetzt. Zu groß ist der Druck durch die unabhängigen Experten. Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation ausgestrahlt, sieht die Entwicklung positiv: „Eine Ausweitung der Evakuierungszonen und Absenkung der Grenzwerte ist längst überfällig.“

Ein vorsichtiger Blick ins Atommüllendlager Asse

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age

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