Streik! Der nächste Angriff auf unsere Nerven

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Wenn die S-Bahnen stillstehen, kommt es in München zum Chaos. Pendler brauchen wieder gute Nerven.

München - Erst streikt die Technik, dann der Mensch! Bahnkunden brauchen in diesem Winter gute Nerven. Nach den katastrophalen Zugausfällen im Dezember, steht nun ein längerer Streik der Lokführer ins Haus.

Nach einem Protesttag am Mittwoch droht die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) bereits ab Donnerstag mit ersten Warnstreiks im Bundesgebiet. In Bayern wird allerdings nach tz-Informationen voraussichtlich bis zum kommenden Montag nicht gestreikt.

Die tz klärt die wichtigsten Fragen und liefert die Antworten.

Warum soll Bayern vorerst verschont bleiben?

Wegen der Ski-WM. „Wir wollen sie nicht beeinträchtigen und deshalb diese Woche auf Arbeitskampfmaßnahmen verzichten“, sagt GDL-Bezirksvorsitzender Uwe Böhm der tz. Freilich: Die endgültige Entscheidung darüber fällt am heutigen Mittwoch in Frankfurt. Allgemein gilt aber, dass die Streikleitung auf Wünsche vor Ort Rücksicht nimmt.

Ab wann müssen die Münchner mit Arbeitskampfmaßnahmen rechnen?

Ab kommenden Montag früh dürfte es zu ersten Warnstreiks kommen. Sie werden vermutlich mehrere Stunden dauern. Vor allem im S-Bahn- und Regionalverkehr dürfte es zu erheblichen Zugausfällen und Verspätungen kommen.

Kommt es zu flächendeckenden längeren Streiks?

Vermutlich ja. Als Voraussetzung muss sich die große Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder dafür aussprechen. Die Urabstimmung dürfte am Mittwoch beendet werden.

Warum streiken die Lokführer der GDL, obwohl ihre Konkurrenz EVG mit der DB und den sechs größten Privatbahnen einen Branchentarif für gleiche Entlohnung abgeschlossen hat?

Der Branchentarifvertrag gilt nur für den Nahverkehr, nicht für Fern- und Güterverkehr und bisher nicht für Lokführer. Die GDL will einen eigenen Tarifvertrag, in dem es nicht nur um einheitlich fünf Prozent mehr Lohn bei DB und Privatbahnen geht (die EVG hat 3,8 Prozent für 29 Monate sowie Verbesserungen bei Schichtzeiten und Zulagen erreicht), sondern vor allem um einheitliche berufsspezifische Regelungen.

Welche Regelungen sind das?

Die GDL will unter anderem eine Absicherung für die Mitglieder bei unverschuldetem Verlust der Fahrdiensttauglichkeit, an die vor allem gesundheitlich hohe Anforderungen gestellt werden. Dadurch soll ein sozialer Abstieg verhindert werden. Bei einem Betreiberwechsel von ausgeschriebenen Nahverkehrsstrecken sollen die Lokführer ferner zu den alten Bedingungen übernommen werden.

Was sagen Deutsche Bahn, Privatbahnen und Konkurrenzgewerkschaft EVG dazu?

Die angekündigten Warnstreiks werden scharf kritisiert. Sie fordern ein Beitreten der GDL zum abgeschlossenen EVG-Branchentarif.

Karl-Heinz Dix

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