Streik: So führt die MVG die Gewerkschaft vor!

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Darauf müssen sich die Passagiere einstellen: Die Wagen werden voller – auch jenseits der Wiesn

München - Sie streiken, sie streiken nicht. Sie streiken, sie streiken nicht: Die MVG hat genug vom Arbeitskampf der Gewerkschaft GDL und dünnt den Fahrplan aus – auf ein "Basisnetz".

Dieses soll auch ohne GDL-Fahrer auskommen. Deswegen fällt etwa jede fünfte U-Bahn und Tram aus, die Nachtlinien von Bus und Tram stellt die MVG sogar ganz ein. Schmalspur-Netz trotz Jubel-Wiesn!

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Ab Donnerstag: Not-Fahrplan bei U-Bahn, Bus, Tram

Die Fahrgäste müssen sich auf längere Wartezeiten und vollere Züge einstellen – auch ohne Streik. Denn noch ist völlig unklar, ob die Gewerkschafter die Arbeit bei U-Bahn, Bus und Tram am Donnerstag wieder niederlegen. Dafür sollen sich die Passagiere auf den neuen Fahrplan verlassen können. Auch den Transport zur Wiesn will die MVG sichern.

„Nach der Pfeife der GDL werden weder wir noch unsere Fahrgäste tanzen“, begründet MVG-Chef Herbert König den Schritt. Die Gewerkschaft setze auf eine „Zermürbungstaktik“, die für Fahrgäste ständig eine neue Lage bedeute. Die neuen Fahrtzeiten will die MVG im Internet auf www.mvg-mobil.de veröffentlichen.

Die MVG will auch die Mitarbeiter entlasten. „Wir wollen unsere besten Leute nicht durch Dauerdienste über Gebühr beanspruchen“, sagt König. Darum seien derzeit fünf Busfahrer von Zeitarbeitsfirmen unterwegs. Gleichzeitig versucht die MVG, den Druck auf die GDL-Fahrer zu erhöhen: Wer arbeiten will, darf das – auf zusätzlichen Fahrten, um Passagiere zu entlasten.

Das MVV-Notnetz:

Sehen Sie hier eine Grafik mit dem Notnetz und den Fahrzeiten.

Hier lesen Sie die Mitteilung der MVG

Die Gewerkschaft hat das Manöver kalt erwischt: „Es bleibt der MVG ja nichts anderes übrig“, erwidert der Münchner GDL-Chef RicardoUhlmann. „Die MVG macht sich langsam lächerlich. Sie braucht sich nur mit uns an einen Tisch zu setzen.“ Die Gewerkschaft will die – pauschal bereits abgegoltenen – Fahrten zwischen zwei Schichten auch als Arbeitszeit anerkannt haben. Der Streik gehe weiter. „Unsere Kassen sind voll, wir können streiken bis zum Sanktnimmerleinstag“, sagt Uhlmann. Ob es am Donnerstag zum Ausstand kommt, wollte er nicht verraten.

So oder so. Ab Donnerstag gilt das „Basisnetz“ – mit folgenden Einschränkungen:

U-Bahn

Alle Linien werden bedient, aber auf der vollen Strecke nur noch im 20-Minuten-Takt. Nur im Zentrum will die MVG auch alle zehn Minuten Züge aufs Gleis schicken – aber nur zu den Stoßzeiten werktags zwischen 6 und 23 Uhr und samstags zwischen 8 und 23 Uhr und nur zwischen folgenden Stationen:

U2: Harthof bis Neuperlach Zentrum

U3: Olympiazentrum bis Thalkirchen U5: Theresienwiese bis Neuperlach Zentrum

U6: Kieferngarten bis Harras

Eine Ausnahme bildet die U1: Hier gilt der 10-Minuten-Takt zwischen Westfriedhof und Sendlinger Tor – aber nur montags bis freitags von 7 bis 9.30 Uhr und von 13 bis 19 Uhr. Da sich in der Innenstadt jeweils zwei Linien überlagern, ergebe sich dort sogar der gewohnte 5-Minuten-Takt. Zur Wiesn will die MVG zusätzliche Züge einsetzen. Insgesamt liege das Angebot der U-Bahn bei 78 Prozent im Vergleich zum normalen Fahrplan.

Tram

Die Verstärkerlinien 16 und 21 entfallen weiter, dafür dürften die Hauptlinien 17 und 20 umso voller sein. Die 12 wird durch Busse ersetzt. Zeitweise wird das auch auf weiteren Linien außerhalb so sein – bei der 17 ab Romanplatz, bei der 20 ab Westfriedhof, bei der 25 ab Großhesseloher Brücke. Die Tram erreiche 82 Prozent ihrer Leistung.

Bus

Auf der Straße ändert sich am wenigsten: Nur einzelne zusätzliche Fahrten können entfallen. Leistung: 97 Prozent.

Insgesamt strebt die MVG ein Angebot von 80 Prozent, beim Streik war es noch etwas mehr. Die GDL behauptet aber, die Leistung habe bei maximal 50 Prozent gelegen.

Als lachende Dritte steht die Gewerkschaft Verdi da: Die hat für ihre Mitglieder schon 3,5 Prozent und einmalig 240 Euro herausgeholt. München-Chef Heinrich Birner prangert nun die Schwäche der GDL und die Spaltung des Arbeitnehmerlagers samt „menschlicher Zerwürfnisse“ zwischen Kollegen an. Man habe allen GDL-Mitgliedern das Angebot unterbreitet, zu Verdi zurückzukehren.

David Costanzo

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