Streik geplant: Trifft’s auch die S-Bahn?

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So war die Situation bei den Streikaktionen im Oktober 2007 am Münchner Hauptbahnhof.

München - Nach dem Streik-Chaos bei der MVG (Bus, U-Bahn und Tram) kommt es ab kommendem Montag auch im oberbayerischen Eisenbahnnetz zu Arbeitskämpfen. Trifft es dann auch den Münchner S-Bahn-Verkehr?

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Nach tz-Informationen soll tatsächlich aber erst ab Dienstag gestreikt werden. Die Fahrgäste müssen sich im Regional- und Fernverkehr, aber wahrscheinlich auch bei der Münchner S-Bahn auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen.

Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen für Pendler.

Wann wird gestreikt?

Offiziell ab Montag. Einen genauen Termin wollen die Bahngewerkschaften GdBA und Transnet nicht nennen, damit sich die Arbeitgeber nicht darauf einstellen können. Inoffiziell erfuhr die tz aus Gewerkschaftskreisen, dass erst am Dienstag zum Streik aufgerufen wird. Garantie gibt es aber keine. Tipp: Montagmorgen unbedingt Radio hören!

Wie lange wird gestreikt?

„Es wird ein kurzer, aber knackiger Streik bundesweit und auch in Bayern. München ist ebenfalls betroffen“, sagt ein bayerischer Gewerkschafter. Mit dem Ausstand wollen die Gewerkschaften vor der nächsten Verhandlungsrunde am Freitag, 29. Oktober, zeigen, dass ihre Mitglieder für ihre Forderungen auch auf die Straße gehen und den Betrieb lahm legen können. Der erste „Warnstreik“ soll nur einige Stunden dauern – wird vermutlich aber in der Hauptverkehrszeit stattfinden. Am schmerz- und wirkungsvollen sind Arbeitsniederlegungen im morgendlichen Berufsverkehr.

Welche Auswirkungen hat der Streik?

GdBA und Transnet (die zu einer Gewerkschaft fusionieren wollen) rufen alle Mitarbeiter im Betriebsdienst – also Lokführer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter – sowie Service- und Werkstatt-Personal zum Ausstand auf. Das führt zu Zugausfällen und Verspätungen. Und das bedeutet, dass sowohl Regional- als auch IC- und ICE-Züge ausfallen oder sich verspäten, weil kein Lokführer, oder zu wenige Zugbegleiter den Dienst antreten. Durch den Ausfall von Werkstatt-Personal und Fahrdienstleitern kann es zur verspäteten Bereitstellung von Zügen bzw. zur verspäteten Abfahrt kommen.

Welche Fahrgäste sind betroffen?

Reisende im Regional- und Fernverkehr und erstmals auch bei Privatbahnen wie Arriva (Alex München-Hof, München-Lindau/Oberstdorf) oder die Bayerische Oberlandbahn bzw. die Regio-Bahn Augsburg-Weilheim-Schongau und Augsburg-Ingolstadt-Eichstätt.

Wie sieht es mit der Münchner S-Bahn aus?

Die Auswirkungen lassen sich besonders schwer abschätzen. Nach der Papierform und den Erfahrungen in der Vergangenheit dürften die meisten S-Bahnen fahren – allerdings möglicherweise mit einzelnen Ausfällen und teilweise größeren Verspätungen und nicht in der gewohnten Zuglänge. Beim letzten großen Streik 2007 hatte der damalige S-Bahn-Geschäftsführer Michael Wuth außerdem dafür gesorgt, dass die Flughafenlinie S 8 reibungslos fahren konnte.

Ein Großteil der Lokführer ist außerdem bei der Konkurrenzgewerkschaft GdL, die derzeit um einen eigenen Tarifvertrag verhandelt. Weil die Verhandlungen offensichtlich gut vorankommen, hört man gerüchteweise, dass GdL-Lokführer sogar als Streikbrecher arbeiten sollen. Das wird von der GdL aber dementiert. In den Stellwerken setzt die DB als Fahrdienstleiter verstärkt Beamte ein – sie dürfen nicht streiken. Auf der Stammstrecke ist der Betrieb weitestgehend automatisiert. Kritisch ist das mechanische Stellwerk Ostbahnhof.

Warum wird überhaupt gestreikt?

Die beiden großen Bahngewerkschaften GdBA und Transnet wollen einerseits sechs Prozent mehr Lohn, vor allem aber einen Branchentarifvertrag, der nicht nur bei der DB, sondern auch bei den sechs großen Privatbahnbetreibern (Keolis, Benex, Abellio, Veolia, Arriva – seit neuestem DB – sowie Hessische Landesbahn) gelten soll. Mit diesem Vertrag sollen Löhne und Arbeitsbedingungen im Regionalverkehr angeglichen werden. Mit dem Branchen-Tarif soll die derzeitige Praxis unterbunden werden, wonach private Bahnunternehmen durch Niedriglöhne (bis zu 50 Prozent unter DB-Niveau) Ausschreibungen von Nahverkehrsstrecken gewinnen. Die DB reagierte darauf durch die Gründung eigener Billiglohnfirmen.

Karl-Heinz Dix

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