Streik im öffentlichen Dienst

Die einen kämpfen für mehr Lohn, die anderen um ihre Jobs

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Zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes nehmen am 13.03.2015 an einem Warnstreik der Gewerkschaften Verdi, GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und GdP (Gewerkschaft der Polizei) vor dem Finanzministerium in München (Bayern) teil.

München - In München haben am Freitag Tausende ihre Arbeit niedergelegt und sich am Streik für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst beteiligt. Die tz hat sich unter den Demonstranten umgehört.

Wir kämpfen für mehr Lohn

Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag in elf bayerischen Städten zu Streiks für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst aufgerufen. Auch in München legten Tausende ihre Arbeit nieder, forderten beispielsweise vor dem Finanzministerium lautstark 5,5 Prozent mehr Lohn.

„Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagte Verdi-Sprecher Norbert Flach. Alleine von der Klinik in Großhadern beteiligten sich 300 Beschäftigte an der Aktion. „Die Altersvorsorge treibt die Leute um, deswegen waren jetzt auch doppelt so viele Streikende hier wie geplant“, sagte Heinrich Birner von Verdi München. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) machte auf sich aufmerksam. Kürzungen in der zusätzlichen Altersvorsorge wollen sie nicht hinnehmen.

Johannes Heininger

Menschenunwürdig

Sarah Dippold (29), Kinderkrankenschwester aus Hadern

Die Interessen der Pfleger müssen unbedingt vertreten werden. Unter den derzeitigen Bedingungen ist es sowohl für das Personal als auch für die Patienten menschenunwürdig. Wir haben nicht genügend Fachkräfte und werden dann auch noch miserabel bezahlt. Da ist es nur die logische Konsequenz, dass sich niemand mehr für diesen Beruf interessiert. Wir setzen uns dafür ein, dass dieser Job wieder mehr Ansehen genießt. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Heute sind wir die Notfälle!

… und wir um unsere Jobs

Weil Banknotendrucker Giesecke & Devrient 800 Stellen in München streichen will, bildeten am Freitag Mitarbeiter eine Menschenkette um das Werksgelände. Nach wie vor weigert sich die Chefetage, mit Verdi Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag aufzunehmen. „Auf einer Betriebsversammlung am Dienstag wurde klar, dass die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat nicht verhandeln will, schon gar nicht über den Umfang des Stellenabbaus“, meint Verdi-Geschäftssekretärin Sabine Pustet.

Das ist traurig!

Klaus Brahl (60), Banknotendrucker aus München

Bald gehe ich in Rente. Ich hoffe, dass ich noch ein Jahr arbeiten kann. Die Chefs haben alles kaputt gewirtschaftet. Jetzt sind wir die Leidtragenden. Seit 20 Jahren arbeite ich hier – und am Ende ist man nur eine Nummer … Traurig!

Neuer Job? Vielleicht!

Dieter Radloff (46), Elektromeister aus Zorneding

Seit 16 Jahren warte ich die Druckmaschinen. Vom Stellenabbau bin ich zu 90 Prozent betroffen. Als Elektromeister sehe ich aber gute Chancen, einen neuen Job zu finden. Für so manchen Kollegen wird’s schon schwieriger.

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