Bahnsteige überfüllt, Fahrgäste sauer

Streik trifft Pendler: Auswirkungen bis Dienstag 

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Vom Streik bei der Deutschen Bahn sind auch die S-Bahn, der Regional- und Fernverkehr betroffen. Für die Pendler heißt es: warten. 

München - Der bundesweite Warnstreik der Lokführer hat am Montagabend in München zu Beeinträchtigungen für die Fahrgäste geführt. Die Landeshauptstadt war Schwerpunkt des Streiks - die Auswirkungen werden bis Dienstag zu spüren sein.

Update vom 15. Oktober 2014: Rund eine Woche nach dem Streik bei der Bahn werden am Mittwoch ab 14 Uhr die Züge erneut stillstehen. Die GDL hat auch dieses Mal zu einem bundesweiten Streik aufgerufen, der den Regional- und Fernverkehr sowie die S-Bahnen lahmlegen wird. Wir halten Sie wie gewohnt in unserem Ticker zum Bahn-Streik über alle News und Entwicklungen auf dem Laufenden.

Update vom 7. Oktober 2014: Erneut kommt es bei der Bahn zu einem Streik. Dieses Mal handelt es sich um eine bundesweite und flächendeckende Arbeitsniederlegung. Auch München ist betroffen - inklusive der S-Bahnen. Über alle aktuellen News und Infos zum Bahn-Streik halten wir Sie in unserem Ticker auf dem Laufenden.

Der Warnstreik bei der Bahn hat am Montagabend Zigtausende Pendler und Fernreisende getroffen. Mit Nachwirkungen müsse noch im Berufsverkehr am Dienstagmorgen gerechnet werden, warnte ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Es sei eine große Herausforderung, die Züge alle dorthin zu bringen, wo sie nach dem Fahrplan sein müssten. Er empfahl Reisenden, sich bei der Bahn im Internet zu informieren.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte am Montag ein neues Tarifangebot der Bahn abgelehnt und ihre Mitglieder zu einem bundesweiten dreistündigen Warnstreik im Personen- und Güterverkehr aufgerufen. GDL-Sprecher Stefan Musiol sprach in Frankfurt von erheblichen Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Neben Lokführern waren auch Zugbegleiter und Lokrangierführer zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Zugausfälle schon kurz nach 18 Uhr

Anzeigetafeln in den Bahnhöfen kündigten schon kurz nach Streikbeginn um 18 Uhr Zugausfälle und Verspätungen im Fernverkehr wie auf Regionalstrecken an.

Kurz nach 18 Uhr an den S-Bahn-Gleisen am Münchner Hauptbahnhof: Aus den Lautsprechern kommt eine Durchsage. „Aufgrund eines Streiks werden mehrere Züge ausfallen und sich erheblich verspäten.“ Viele Fahrgäste scheinen überrascht, müssen nun länger warten. Die Bahn hat den Takt von S-Bahn-Linien von 10 auf 20 Minuten geändert. „Da muss man sich wohl dran gewöhnen“, sagte Elisabeth Gruber. Sie trägt es mit Fassung: „Besser am Abend als morgens, wenn man zur Arbeit muss.“

Andere waren da schon wütender. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen will. „Es trifft immer den Endkunden, erst die Piloten, nun die Lokführer. Die sollen sich an einen Tisch setzen und verhandeln.“ Und ein Mann, dessen Zug pünktlich fährt, sagt: „Glück im Unglück“. Trotzdem meint er: „Das ist gut für die Mitglieder der Gewerkschaft, aber schlecht für die Kunden.“

Die Lokführergewerkschaft will dem ersten Warnstreik ein oder zwei weitere folgen lassen, wenn die Deutsche Bahn kein Angebot für kürzere Arbeitszeiten für das gesamte Zugpersonal vorlege. Das kündigte GDL-Chef Claus Weselsky zum Streikauftakt im Berliner Hauptbahnhof an. Der nächste Schritt wäre dann eine Urabstimmung „über längerfristige Maßnahmen“. Weselsky betonte, „ich sehe im Augenblick keine Geschäftsgrundlage für weitere Verhandlungen.“ Beim letzten großen Streik bei der Deutschen Bahn im Jahr 2007 waren Lokführer auf dem Höhepunkt des Arbeitskampfes 62 Stunden am Stück in den Ausstand getreten.

Fünf Prozent mehr Geld und eine kürzere Arbeitswoche

Die Bahn müsse endlich anerkennen, dass die GDL rund 51 Prozent der 37.000 Beschäftigten des Zugpersonals vertrete, während die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nur einen Organisationsgrad von 21 Prozent habe, sagte Weselsky. Die Bahn will erst über tarifliche Verbesserungen verhandeln, wenn die beiden rivalisierenden Gewerkschaften kooperieren.

Mit der Konkurrenzgewerkschaft, der EVG, liegt die GDL seit langer Zeit im Clinch: Die GDL hatte nicht nur für die rund 20.000 Lokführer, sondern auch für 17.000 andere Beschäftigte des Zugpersonals Forderungen erhoben, für die bisher die EVG verhandelte. Die GDL verlangt für sie alle fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Der Streit zwischen den Gewerkschaften macht eine Einigung mit der Bahn zusätzlich kompliziert.

Die bundeseigene Deutsche Bahn hatte der GDL am Morgen ein neues Tarifangebot vorgelegt. Darin bietet die Bahn den Lokführern ein Lohnplus von 1,9 Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit an. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber wies in Köln den Gewerkschaftsvorwurf zurück, er blockiere die Tarifverhandlungen.

Das passierte am Montag

Entgegen früherer Meldungen sollen nicht nur die Lokführer von Güterzügen, sondern alle bei der Gewerkschaft GDL organisierten Lokführer von 18 bis 21 Uhr in den Ausstand treten.

Eine Sprecherin der GDL bekräftigte gegenüber dem Münchner Merkur, dass auch der Personennahverkehr betroffen sein wird. „Wir schonen die Pendler aber, indem wir erst nach der Hauptverkehrszeit um 18 Uhr mit dem Streik beginnen“, sagte die Sprecherin.

Die Bahn teilte inzwischen mit, dass sie aufgrund der vagen Informationen der DGL keine näheren Angaben zum Warnstreik machen kann. Pendlern wird aber empfohlen, vor 18 Uhr daheim beziehungsweise nicht mehr auf S-Bahn-Fahrten angewiesen zu sein. Für viele Berufstätige dürfte das allerdings ein schwieriges Unterfangen sein.

Aus betrieblichen Gründen müssen die Züge des 10-Minuten-Takts ab etwa 17.30 Uhr entfallen. Nähere Informationen auch im Internet auf der Seite der Bahn.

Bahn fordert die GDL auf, den Streik-Aufruf zurückzunehmen

Die Deutsche Bahn forderte die GDL dazu auf, ihren Warnstreik-Aufruf zurückzunehmen. Das Unternehmen habe der GDL am Morgen ein neues Tarifangebot vorgelegt, teilte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber mit. Es enthalte die Bereitschaft, über alle Tarifforderungen der GDL für Lokomotivführer zu verhandeln.

Philipp Vetter/kg/dpa

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