Fahrgäste fühlen sich veräppelt

Streik: Entschuldigung der S-Bahn sorgt für Empörung

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Fahrgäste in einer Münchner S-Bahn: Die Entschuldigung kam per Lautsprecher.

München - Überraschung am Montagmorgen für die Pendler: Eine verunsicherte Frauenstimme knackte im Lautsprecher und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten der Streikwoche. Eine gute Nachricht gab es auch - die aber eher zu Entrüstung führte.

Der Lautsprecher knackte am Montagmorgen in der S3, die gerade auf die Stammstrecke Richtung Hauptbahnhof einfuhr, die Fahrgäste horchten sofort auf, denn in der Regel bedeutet das Knacken der Lautsprecher nichts Gutes. Verspätung, Störung, Streik. Letzteres traf tatsächlich zu - allerdings anders als gedacht.

Eine freundliche, aber verunsicherte Frauenstimme entschuldigte sich per Lautsprecher für die Unannehmlichkeiten der Streikwoche. Mittwoch und am Wochenende ging gar nichts mehr - als zuverlässiges Transportmittel war die S-Bahn weniger denn je einzuplanen. Für die "Geduld" bekamen die Pendler nun ein "Dankeschön" per Lautsprecher. Und es folgte auch noch eine gute Nachricht.

Streikpause von sieben Tagen: Empörung statt Applaus

Die gute Nachricht lautete so: "Die GDL hat angekündigt, in den nächsten sieben Tagen nicht mehr zu streiken." Wie Fahrgäste aus verschiedenen S-Bahnen berichten, folgten in vielen Zügen, in denen es diese Durchsage gab, sowohl Gelächter als auch Empörung. "Man kommt sich etwas veräppelt vor", berichtete etwa eine Frau aus der S8. Auch bei Twitter lassen Fahrgäste Dampf ab.

Sieben Tage ohne Streik nach einer Woche, in der man an drei Tagen nicht zuverlässig von A nach B kam, das ist wahrlich eher Hohn als Hoffnung. Allerdings muss man fairerweise sagen: Was immer die Bahn jetzt tut, wird die Fahrgäste nicht zufriedenstellen - so lange sie auf ihren Monatskarten hocken und trotzdem mit dem Auto fahren müssen oder gar nicht vorwärts kommen.

Die Aktion Münchner Fahrgäste ermahnt Bahn und Gewerkschaft jedenfalls: "Diese Woche muß nun endlich für Verhandlungen über alle strittigen Themen genutzt werden", teilt Sprecher Andreas Nagel mit. Für die Fahrgäste sei es kein "Erfolg", wenn 85 Prozent der Züge stehen bleiben. Es sei auch keine Leistung, wenn ein Notbetrieb einigermaßen aufrechterhalten werde. Ein Erfolg sei es erst, wenn ein Tarifvertrag abgeschlossen sei.

Stellwerksstörung bei der S4

Fahrgäste der S4 dürfen im Übrigen schon am Montag wieder Geduld beweisen: Dort hat eine Stellwerksstörung in Geltendorfden Verkehr beeinträchtigt.

kg

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