Megastreik in München

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Leider geschlossen! Am Donnerstag werden einige Kindergärten der Stadt dicht bleiben – welche, ist unklar

München - In Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland haben gestern die Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen. Bayern ist am Donnerstag dran: In München bekommen vor allem Eltern die Auswirkungen zu spüren.

Es trifft nicht nur die Kindergärten, Krippen und Horte der Stadt – die Gewerkschaften wollen am Donnerstag die halbe Stadt bestreiken! Verdi ruft weite Teile des gesamten öffentlichen Dienstes den ganzen Donnerstag zum Warnstreik auf. Die Stadt und die kommunalen Arbeitgeber sind empört.

Sicher ist: Der Streik wird auch die Bevölkerung treffen, einige Einrichtungen der Kinderbetreuung, Schwimmbäder, Bibliotheken sollen komplett stillgelegt werden – welche genau, wird für die meisten wohl erst am Donnerstag deutlich!

Der Mega-Streik in Zahlen und Fakten:

Verdi ruft alle 20 000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf, die im Tarif angestellt sind. Die anderen rund 13.000 sind meist Beamte, die nicht streiken dürfen. Dazu kommen alle 8.000 Kollegen der Stadtwerke und 4.500 Tarif-Mitarbeiter bei den Städtischen Kliniken. Betroffen sind außerdem Mitarbeiter der Münchenstift-Altenheime, der Stadtentwässerung, der Kammerspiele und zivile Beschäftigte der Bundeswehr. „Das heißt aber nicht, dass komplette Betriebe lahmgelegt werden“, sagt der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner. Er rechnet vorsichtig mit 1.500 Teilnehmern.

Arbeitgeber und Gewerkschaften verhandeln derzeit über einen neuen, bundesweiten Tarifvertrag für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Geld oder mindestens monatlich 200 Euro mehr für die untersten Tarifgruppen – bei Ungelernten entspreche das 12,3 Prozent. Die Tarifparteien trennten sich nach der ersten Verhandlungsrunde vorigen Donnerstag in Potsdam im Streit.

Die Arbeitgeber in Kommunen und Bund nannten die Forderung unrealistisch. Verdi-Mann Birner spricht von einer Provokation: „Die Arbeitgeber haben eine Demutshaltung von uns verlangt. Das fordert einen starken Streiktag geradezu heraus.“ Die Gewerkschaften beschlossen eine Warnstreikwelle, die seit Montag durch die Republik rollt und jetzt München erfasst. Stimmungsmache auf dem Rücken der Bürger sieht darin der Verhandlungsführer der Kommunen und Personalchef der Stadt, Thomas Böhle: „Nach vier Stunden Verhandlungen rufen die Gewerkschaften zum ganztägigen Streik auf. Damit streiken sie länger, als sie bislang verhandelt haben. Das ist absurd.“ Die nächste Runde ist längst vereinbart. Am Montag geht es weiter.

David Costanzo

Weitere Streikposten

Auch andere Einrichtungen betrifft der Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi: Bei den Stadtwerken gehören die Mitarbeiter der Bereiche Versorgung und Zentrales dazu – das beinhaltet laut Verdi Strom , Gas, Wasser und etwa die Kundehotline. Wartungstermine könnten etwa verschoben werden. Sicherheitsrelevante Bereiche und die Stromversorgung sollen nicht beeinträchtigt sein. Aufgerufen ist auch der Verein für heilpädagogische Aufgaben, der in vier Häusern seelisch behinderte Kinder betreut. Die Stadtentwässerung steht ebenfalls auf der Liste. Die Bundeswehr ist mit der Wehrbereichsverwaltung Süd und dem Dienstleistungszentrum zum Ausstand aufgerufen. Die Arbeit ruhen lassen sollen auch die Azubis von Stadt und Stadtwerken.

Städtische Kliniken

Vom Städtischen Klinikum sind die Pfleger in Bogenhausen, Neuperlach und Harlaching zum Streik aufgerufen. Betroffen sind auch Reinigung und Küche. Die soll aber nicht kalt bleiben, sondern nur „lauwarm“, sagt Verdi-Mann Christian Reischl. „Die Patienten werden kaum betroffen sein.“

Münchenstift

Auch die Pfleger der Münchenstift-Altenheime, eine Tochtergesellschaft der Stadt, sind zum Ausstand aufgerufen. Allerdings zählt Verdi in den zwölf Häusern nicht viele Mitglieder – die 2800 Bewohner sollten also kaum betroffen sein.

Kammerspiele

Nicht gefährdet ist am Donnerstag der Auftritt der Biermösl-Geschwister Well in den Kammerspielen. Deren Titel „Fein sein, beinander bleibn“ könnte an dem Tag sowohl eine Solidaritätsadresse an die Streikenden sein oder genauso ein Aufruf an die Mitarbeiter, zu den Proben zu kommen.

Stadtbibliothek

Leider geschlossen! ­Insgesamt 22 Büchereien zählt die Münchner ­Stadtbibliothek in den ­Stadtteilen – ein bis zwei der Häuser will Verdi morgen lahmlegen. Rund jeder dritte Münchner im Jahr nutzt das vielfältige Angebot mit 2,8 Millionen Büchern, CDs und DVDs.

Kindergärten, Krippen, Horte

Manche Eltern dürften sich denken: Nicht schon wieder! Nach mehreren Streiktagen in den Jahren 2008, 2009 und 2010 ruft die Gewerkschaft für Donnerstag zum ganztägigen Ausstand in allen 450 städtischen Kindergärten, Krippen und Horten auf. Welche Einrichtungen betroffen oder gar ganz geschlossen sein werden, ist noch nicht absehbar. „Die Leitungen der städtischen Kindertageseinrichtungen wurden gebeten, die Eltern im Vorfeld über geplante Schließungen oder Einschränkungen zu informieren“, meldet die Stadt und empfiehlt allen Eltern nachzufragen.

Stadtverwaltung

KVR, Bürgerbüros, Zulassungsstelle: Im Prinzip dürfen alle 20 000 tarifbeschäftigten Mitarbeiter der Stadtverwaltung den Bleistift fallen lassen. Verdi erwartet jedoch nicht, dass Dienststellen komplett dicht bleiben. Ausgeschlossen sei das nicht. Es dürfte aber längere Schlangen geben.

Stadtwerke und Schwimmbäder

Es könnte sein, dass am Donnerstag ein bis zwei Schwimmbäder geschlossen bleiben müssen, sagt Verdi-Chef Heinrich Birner. Welche das sein könnten, ist noch nicht klar. Das wird wohl erst am Donnerstag deutlich, wenn das Personal nicht zur Arbeit kommt.

Das Programm:

So soll der Streiktag unter dem Motto „Ehrensold – auch für uns, weil wir es wert sind!“ ablaufen:

10 Uhr: Demonstration, Start am DGB-Haus in der Schwanthalerstraße

11 Uhr: Kundgebung am Stachus

11.30 Uhr: Kundgebung des Beamtenbunds vor dem Kommunalen Arbeitgeberverband in der Hermann-Lingg-Straße

16.30 Uhr: Kundgebung der Verdi-Frauen zum Internationalen Frauentag für gerechte Entlohnung

18 Uhr: DGB-Veranstaltung mit der neuen Chefin Simone Burger und der 2. Bürgermeisterin Christine Strobl, DGB-Haus

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