Strauß-Schwiegertochter Gabriele verkauft an Investor, jetzt kämpfen Nachbarn gegen Neubau: Zu viel Beton, zu wenig Grün

Streit um Abriss der Michaeliburg

+
Baujahr 1898: Die Michaeliburg mit den Türmchen soll abgerissen werden.

München - Die Michaeliburg, Namensgeberin und Wahrzeichen für eine ganze Truderinger Siedlung, wird es bald nicht mehr geben.

Errichtet wurde das auffällige Gebäude an der Zehntfeldstraße mit seinen putzigen Seitentürmchen 1898, angeblich von Gastwirt Michael Neumeyer. Jetzt soll es vier Komplexen mit insgesamt 23 hochklassigen Eigentumswohnungen Platz machen. Lange Jahre gehörte das Haus Georg Seger, dem Großvater von Gabriele Strauß, der Ex-Frau von Max Strauß. Später ging es auf die Enkelin über sowie ihren Bruder und eine Cousine. Vor einem Jahr, so Frau Strauß, habe die Erbengemeinschaft das Grundstück an das Unternehmen Pöttinger verkauft, das es nun bebauen will.

Nachbar Heinz Kronpass ist entrüstet, und wie ihm, so sagt er, gehe es vielen anderen im Viertel: „Wir sind wütend, einerseits auf den Bauträger, der rücksichtslos versucht zu verdichten, andererseits auf die Lokalbaukommission, die ihm das Ganze erlaubt.“

Allerdings hat die LBK die Vorstellungen der Antragsteller im Vorbescheid 2007 in einigen Punkten deutlich reduziert, auch auf mehr Freiflächen gepocht. Den Nachbarn ist’s immer noch zuviel Beton, zuwenig Grün. Am liebsten hätte man im Viertel ohnehin die vertraute Burg behalten. Die aber steht trotz ihres Alters nicht unter Denkmalschutz.

Gabriele Strauß kennt das Gebäude seit ihrer Kindheit und verbindet schöne Erinnerungen damit. Als Architektin aber war ihr von vornherein klar, dass das „historisierende“ Gemäuer ein für moderne Nutzungen denkbar ungünstiges Innenleben aufweist. Die Geschichte von der Gastwirtschaft hält die 46-Jährige für ein Märchen. „Das sind lauter Ein-Zimmer-Wohnungen mit Küche und Klo auf dem Flur draußen.“ Ihr Großvater, ein Maurer, habe das Haus gekauft und dort eine Baustoffhandlung aufgebaut. Sein Marketing-Gag: „Er entwarf ein Logo mit dem Haus, das er Michaeliburg nannte.“ Auf dem Innenhof, in dem früher die Lastwagen parkten, wurde später eine Wiese angesät. Um das Haus zu modernisieren, „müsste man einen Haufen Geld in die Hand nehmen,“ so Strauß. „Da ist es besser, man baut gleich was Gescheites.“

Der erzürnte Nachbar Kronpass nennt die geplanten Häuser „Betonbunker“, sein Anwalt Ulrich Numberger „dreigeschossige, lange Kasten“. Der Baurechtsexperte wundert sich, dass die Gebäude in der zweiten Reihe noch massiver seien als die an der Straße. Die Dichte der Bebauung sei ungewöhnlich: „Die LBK setzt hier Bezugsfälle für diese Praxis.“ Die Behörde verweist darauf, dass die endgültige Genehmigung noch nicht erteilt sei, man sei aber grundsätzlich der Meinung, dass sich die Bebauung in die Umgebung einfügt, so Pressesprecher Michael Hardi. Im Übrigen sei Beschwerdeführer Kronpass noch kein Nachbar gewesen, als der Vorbescheid geschrieben wurde.

Barbara Wimmer

Auch interessant

Meistgelesen

Mann zahlt 60 Euro, weil er seine Freundin bis zum Gleis bringt: OB Reiter will Regel abschaffen
Mann zahlt 60 Euro, weil er seine Freundin bis zum Gleis bringt: OB Reiter will Regel abschaffen
Obdachloser Müllmann Max war verzweifelt auf Wohnungssuche - nun gibt es eine Wende
Obdachloser Müllmann Max war verzweifelt auf Wohnungssuche - nun gibt es eine Wende
Mega-Aushub am Marienhof: „Diese Baustelle wird eine Katastrophe“
Mega-Aushub am Marienhof: „Diese Baustelle wird eine Katastrophe“
Mann gibt sich als Taxifahrer aus und vergewaltigt Münchnerin (17)
Mann gibt sich als Taxifahrer aus und vergewaltigt Münchnerin (17)

Kommentare