Seehofer will Sonne anzapfen

Streit um Solarzellen auf der Staatskanzlei

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Horst Seehofer will Solarzellen auf der Staatskanzlei

München - Horst Seehofer will der Staatskanzlei Solarzellen aufs Dach setzen. Am Dienstag muss sich der Landes­chef dafür die Genehmigung bei der städtischen Stadtgestaltungskommission holen. Doch er spürt Gegenwind. 

Was würde der einstige Bauherr und Atomminister Franz Josef Strauß dazu sagen? Sein Nachfolger als Ministerpräsident und CSU-Chef, Horst Seehofer, will der Staatskanzlei Solarzellen aufs Dach setzen. Heute muss sich der Landes­chef dafür die Genehmigung bei der städtischen Stadtgestaltungskommission holen – doch die zu bekommen ist unwahrscheinlich.

Es war im März vorigen Jahres, kurz nach der Reaktorkatastophe von Fukushima, als Seehofer das ­Solarkraftwerk beschloss: „Der Umstieg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien kann nur gelingen, wenn sich alle gesellschaftlichen Gruppen daran beteiligen, wenn jeder sich in seinem Bereich aktiv dafür einsetzt“, erklärt Seehofer gegenüber der tz. Er will auf dem Dach der Regierungszentrale jährlich 45 000 ­Kilowattstunden Sonnen-Strom erzeugen. „Die Solaranlage auf dem Dach der Bayerischen Staatskanzlei ist Symbol dafür, dass sich Projekte der Energiewende überall verwirklichen lassen – wenn man es nur will“, so der CSU-Chef.

Seehofers Parteifreund, Stadtrat und Planungskoreferent Walter Zöller ist hingegen entsetzt: „Grauenhaft, eine Katastrophe!“ Auch Stadtheimatpfleger Gert F. Goergens will keine Solarzellen: „Die aufgestellten Solarpaneele würde man vom Franz-Josef-Strauß-Ring aus sehen. Das kann ich angesichts der Lage im Altstadtbereich und neben der historischen Kuppel des ehemaligen Armeemuseums nicht befürworten.“

Goergens’ Prognose für die Stadtgestaltungskommission: „Ich denke, dass der Beschluss in eine ähnliche Richtung gehen wird.“ Er hat aber einen Vorschlag zur Güte: „Ich kann mir integrierte Solarzellen als Bestandteile der gläsernen Dachelemente vorstellen.“

Den Strom will die Staatskanzlei selbst verbrauchen. Die Anlage soll 500 000 Euro kosten und im Oktober ihren Betrieb aufnehmen. Die notwendige Dachsanierung hat bereits begonnen. Die Solarmodule sollen auf den Dächern entlang des Franz-Josef-Strauß-Rings sowie am Nördlichen Querbau im Winkel von 20 Grad montiert werden.

Seehofer hat den Vorsitzenden der Stadtgestaltungskommission auf seiner Seite, OB Ude (SPD). „Die Solarzellen würden gut zu den Glaselementen auf dem Dach passen“, so Ude zur tz. Er will ja nächstes Jahr nach der Landtagswahl selbst als Ministerpräsident in die Staatskanzlei einziehen.

Johannes Welte

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