Private sollen Häusl sanieren und betreiben – Senioren kritisieren 50-Cent-Gebühr

Streit um Eintritt für öffentliche Toiletten

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Die öffentlichen Toiletten am Marienplatz stinken vielen Benutzern - sie sollen saniert werden.

Es ist ein anrüchiges Thema, das die Stadtverwaltung schon seit Jahrzehnten beschäftigt: Die Sauberkeit der öffentlichen Toiletten.

Etwa am Marienplatz stinken die Verhältnisse im wahrsten Sinne des Worts zum Himmel. Doch jetzt soll ein privates Unternehmen für saubere Häusl sorgen. Die Kehrseite: Für jedes Geschäfterl werden dann 50 Cent verlangt. Das wiederum stößt vor allem bei vielen Senioren auf Kritik.

Auch wenn etwa die oft besuchten Toiletten unter dem Marienplatz laut Kommunalreferat sechs Mal am Tag gereinigt werden, ist der Besuch nichts für empfindsame Nasen.

Warum die Münchner Klos im Gegensatz etwa zu denen in angelsächsischen Ländern meist unappetitlich stinken, erklärt sich die Sprecherin des Kommunalreferates Silke Pesik so: „Wenn etwas kostenlos ist, ist es bei uns offenbar nichts wert. Die Leute benehmen sich dementsprechend.“ Aber auch der bauliche Zustand der zum Teil schon sehr alten Klos sei ein Grund dafür, dass man sie nicht mehr sauber bekommt.

Eine Sanierung der 72 städtischen Toilettenanlagen würde aber 6,3 Millionen Euro kosten. „Aufgrund der Haushaltssituation nicht mehr vertretbar“, so Kommunalreferentin Gabriele Friderich. Der Unterhalt der Toiletten koste zusätzlich 1,5 Millionen Euro jährlich. Nach einer Ausschreibung konnten sich jetzt Firmen für den Betrieb der 72 Toiletten bewerben. Das Bewerbungsverfahren steht kurz vor dem Abschluss.

Innerhalb von drei Jahren soll der Betreiber alle Toiletten sanieren. Er darf für die Klos dann 50 Cent Entritt kassieren. Der Stadtrat soll dem Konzept im Mai zustimmen.

Bei den Senioren kommt der Plan nicht gut an: „Vor allem ältere Herren haben häufig Probleme mit der Prostata und müssen oft auf die Toilette, das trifft auch für die Damen zu. Gleichzeitig verfügen die Rentner oft über ein so geringes Einkommen, dass sie sich kaum noch die Heizung leisten können“, so Wilhelm Kling von den Verdi-Senioren. „Da tun 50 Cent Eintritt schon sehr weh.“ Kling prophezeit: „Da werden viele zu Wildbieslern.“ Für ihn ist das Toiletten-Eintrittsgeld eine „Unverschämtheit“ – „Ich frage mich, was tut die Stadt überhaupt noch für die Steuergelder, die sie kassiert? Der Gang auf die Toilette ist ein Bedürfnis, dafür darf man kein Geld kassieren.“

we.

Quelle: tz

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