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Streit um MVV-Teuer-Tickets in München: Minister mit Vorahnung - „Jetzt tritt ein, wovor ich gewarnt hatte“

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Von: Sascha Karowski

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Die Ticketpreise sollen in München deutlich steigen - um 6,9 Prozent und mehr.
Die Ticketpreise sollen in München deutlich steigen - um 6,9 Prozent und mehr. © Sven Hoppe

6,9 Prozent mehr für die Tickets wollen Münchner Verkehrsgesellschaft und Bayerische Eisenbahngesellschaft. Die Gesellschafter des Münchner Verkehrsverbundes sollen der Steigerung am Freitag zustimmen. Politiker streiten aber bereits jetzt und fordern Ausnahmen sowie Hilfe vom Bund.

München - Alles wird teurer: Strom, Gas, Lebensmittel. Und nun der nächste Schock für Verbraucher: Die Kosten für Nahverkehrstickets steigen vermutlich um bis zu sieben Prozent. Das hatte unsere Zeitung am Mittwoch exklusiv berichtet. Am Freitag soll die Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) den Plänen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zustimmen. Die Politik reagiert bereits verärgert über den Preis-Schock für Bahn, Bus und Tram und ergeht sich in Schuldzuweisungen.

MVV-Tariferhöhung: Minister Christian Bernreiter sieht die Schuld beim 9-Euro-Ticket und dem Bund

„Jetzt tritt ein, wovor ich bereits vor dem 9-Euro-Ticket gewarnt habe“, sagte etwa Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). „Das Billigticket war Augenwischerei und hat über die tatsächlichen Kosten des ÖPNV hinweggetäuscht.“ Nun zögen die Fahrpreise empfindlich an. Und das sei erst der Anfang. „Steht der Bund nicht zu seiner Zusage nach Erhöhung der Regionalisierungsmittel, kommt nach den Tariferhöhungen eine Reduzierung des Angebotes. Der Bund steckt einfach zu wenig Mittel in den ÖPNV. Die Rechnung dafür zahlen nun die Fahrgäste.“

Steigende Ticketpreise seien eine bittere Pille für alle Fahrgäste, die ohnehin schon mit hohen Zusatzkosten in allen Lebensbereichen kämpfen, sagt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. „Aber auch die MVG kommt an den aktuellen Energiepreisen nicht vorbei. Ich gehe davon aus, dass Preiserhöhungen sorgfältig geprüft und nur umgesetzt werden, wenn sie unvermeidbar sind.“

MVV-Tariferhöhung in München: CSU-Chef will verhindern, dass das ÖPNV-Angebot ausgedünnt wird

Wie berichtet deckt die Steigerung von durchschnittlich 6,9 Prozent nicht einmal die höheren Kosten für Energie und Material, ganz zu schweigen von eventuellen Ausweitungen des Angebotes. Pretzl: „Wenn Preise erhöht werden, muss auch das Angebot Schritt halten. Wir sind absolut gegen Kürzungen.“

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher kritisierte vor allem den Freistaat. Da der sich weigere, ein 49- oder 69-Euro-Ticket mitzufinanzieren, sei eine Tarifsteigerung unausweichlich. „Insbesondere, weil wir erhebliche Kostensteigerungen haben, durch Löhne und die Energiepreise.“ Nun sei zunächst wichtig, dass etwa das Sozialticket oder das 365-Euro-Billet für Azubis und Studenten von der Tarifanpassung ausgenommen würden. Und dann müsste der Bund alsbald einen Flatrate-Tarif einführen.

MVV-Tariferhöhung in München: SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl will Entlastungen für sozial Schwache

Ähnlich fällt die Einschätzung bei der SPD aus. Tariferhöhungen im öffentlichen Nahverkehr seien ein schwerer Schritt, sagt Stadtrat Nikolaus Gradl. „Wir wollen die Münchner in schwierigen Zeiten entlasten, nicht weiter belasten. Sollten Anpassungen aufgrund von gestiegenen Energiekosten unumgänglich sein, dürfen diese keinesfalls auf Kosten von Menschen mit geringem Einkommen gehen.“ Daher fordere seine Fraktion, Sozialtickets und das 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildenden von Erhöhungen auszunehmen. „Gleichzeitig setzen wir uns auf Bundesebene weiter für einen Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket ein.“

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