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Anwohner sauer: Parkplatz-Kahlschlag in der Innenstadt

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Von: Andreas Daschner

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Fahrradabstellanlagen wurden im Tal im Bereich des Merkurbrunnens gebaut, Parkplätze fielen dafür weg.
Vier Parkplätze mussten für die Fahrradabstellanlage am Merkurbrunnen weichen. © Markus Götzfried

In der Innenstadt fallen immer mehr Parkplätze weg – zuletzt im Tal. Der zugesagte Ersatz fehlt noch. Die Anwohner sind deshalb sauer auf die Stadt.

Neulich in der Innenstadt: Nina Breiter kurvt 35 Minuten herum, bis sie endlich einen Parkplatz findet. „Und ich fahre einen Smart“, betont die Münchnerin von der Bürgerinitiative (BI) Tal. Trotz des kleinen Autos ufert die Platzsuche nicht nur für sie immer mehr aus, weil Parkplätze wegfallen – erst kürzlich wieder vier Stück am Merkurbunnen im Tal. Sie mussten Fahrradabstell-Anlagen weichen.

Bei den Anwohnern brodelt es

Es brodelt bei den Anwohnern. Denn an anderen Stellen kann wegen Halteverboten oder neuen Taxi-Plätzen schon länger nicht mehr geparkt werden (beispielsweise an der Hochbrücken- beziehungsweise an der Bräuhausstraße).

Klar ist: Das Tal soll 2023 eine Fußgängerzone werden. Dass deshalb Parkplätze wegfallen, ist logisch. Was die Bürgerinitiative ärgert: Der versprochene Ersatz – 29 Anwohnerstellplätze an der Marienstraße und Lueg ins Land – lässt auf sich warten.

Die Bürgerinitiative Tal kämpft für Anwohner-Parkplätze in der Innenstadt.
Die Bürgerinitiative Tal kämpft für Anwohner-Parkplätze in der Innenstadt. © privat

„Es kann nur Zug um Zug gehen“, sagt Margarethe Stadlbauer, Sprecherin der BI, und fordert:. „Wenn ich auf der einen Seite was wegnehme, muss ich auf der anderen Seite etwas schaffen.“ Sie hält es außerdem für Irrsinn, dass die Fahrradabstellanlage im Tal ausgerechnet jetzt errichtet wurde – mitten im Winter, wenn weniger Menschen Rad fahren und viele Autofahrer von außerhalb zum Einkaufen nach München kämen. Mit dieser Meinung ist sie nicht allein. „Radlständer im Winter montieren, das schafft nur München“, sagt Radio- und TV-Moderator Roman Roell von der BI. Mitstreiterin Susanne Haas meint: „Komplett sinnlos, Hauptsache Parkplätze vernichtet.“

„Kommunikation mit den Anwohnern ist gleich null“

Was Stadlbauer zudem ärgert: „Die Kommunikation der Stadt mit den Anwohnern funktioniert null.“ Nicht einmal durch einen Aushang sei man auf den aktuellen Wegfall der Parkplätze am Merkurbrunnen hingewiesen worden. Sie fordert zudem, dass der Bürgerwille bei der Planung stärker berücksichtigt wird. „Ich finde es unmöglich, dass erst eine Bürgerbeteiligung und Workshops stattgefunden haben, und dann wird das nicht mit einbezogen.“

Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne), Chefin des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel, kann die Aufregung nicht verstehen. Bereits im Juli sei das Vorgehen im Mobilitätsausschuss umfangreiche beraten worden. „In einem Punkt wurde ganz klar beschlossen, dass der Bereich um den Brunnen vor den anderen Maßnahmen zum Umbau des Tals zur Fußgängerzone umgestaltet werden soll“, sagt sie. Die Prüfungen für ein Parkkonzept seien derweil am Laufen, die Ergebnisse sollen im ersten Quartal 2023 vorliegen und im zweiten Quartal dann auch im Stadtrat beraten werden.

CSU stellt Antrag für mehr Bürgerbeteiligung

Die Stadtratsfraktion von CSU und Freien Wählern stellt sich indessen auf die Seite der BI. In einem Antrag fordert sie eine bessere Einbindung der Bürgerinnen und Bürger bei der Umgestaltung des Tals. „Viele Anwohner und Geschäftsleute im Tal würden gerne konstruktiv an der Umgestaltung mitwirken“, sagt CSU-Stadtratsmitglied Hans Peter Mehling. Ihm sei völlig unverständlich, warum das Mobilitätsreferat diese positive Bereitschaft ignoriere und dabei auch noch von der Stadtratsmehrheit gedeckt werde.

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