S-Bahn, U-Bahn, Straßen, Notrufe

Strom-Totalausfall! So lief der Blackout-Tag

München - Um Schlag 7 Uhr in der Früh ging am Donnerstag in München das Licht aus. Totaler Blackout. 450.000 Bürger waren betroffen. S-Bahn, U-Bahn, Straßen, Notrufe: Wir zeichnen den Chaos-Tag nach.

Als ob einer die Uhr eingestellt hätte: Um Schlag 7 Uhr in der Früh ging am Donnerstag in München das Licht aus. Totaler Blackout. Nichts ging mehr. Unterhalb einer quer übers Stadtgebiet gezogenen Linie von Untermenzing im Westen bis Unterföhring im Osten saßen schlagartig 450 000 Menschen im Dunkeln. U- und S-Bahnen sowie Trams blieben stehen, auch die Busse saßen bald im Stau fest.

München stand still. Zahlreiche Bewohner konnten auch ihre Autos nicht mehr aus der Garage fahren, weil die elektrischen Tore den Dienst versagten.

In den Einsatzzentralen von Polizei, Feuerwehr und MVG liefen die Notruf-Telefone heiß. 1000 Anrufe brachen innerhalb kurzer Zeit über die Disponenten der Integrierten Leitstelle in der Feuerwache 3 in der Heimeranstraße (Westend) herein. Die Leitstelle ­sowie alle Feuerwachen und Polizeiinspektionen sind mit Notstrom-Aggregaten ausgerüstet, so dass der Betrieb dort geschert ist.

Die für gewöhnlich zwölf Funkplätze wurden auf 27 aufgestockt: „Es darf nach Möglichkeit kein Notruf verloren gehen, weil sich in der Masse der Stromausfall-Anfragen echte Notrufe verbergen können, in denen Menschen sofort Hilfe brauchen“, erklärt Karl Pieterek, Sprecher der Berufsfeuerwehr. Er gehört zu einem Krisenstab, der Donnerstag früh auf der Feuerwache 3 zusammentrat – und ging zu Fuß dorthin: „Ich wollte nicht riskieren, dass ich in Tram oder U-Bahn hängenbleibe.“

Die Sorge war berechtigt: Zahlreiche Fahrgäste saßen in den U-Bahnen fest – einige davon auch mitten im Tunnel. Sie wurden jedoch ständig von den Fahrern informiert und bei Laune gehalten, um wütende Reaktionen und Beklemmungsgefühle zu verhindern (siehe unten).

In 50 Fällen mussten Menschen aus Aufzügen befreit werden. Auch die MVG befreite Fahrgäste aus Aufzügen in den U-Bahnhöfen. Dringend Hilfe benötigte auch eine Frau, deren Auto in der Sommerstraße wegen des plötzlichen Stromausfalls von einem Gara­gentor eingeklemmt wurde. Für die Freiwillige Feuerwehr wurde für den Fall der Fälle Vollalarm ausgelöst. Alle Feuerwehrhäuser wurden besetzt: „Wir wollten sichergehen, dass wir zum Beispiel bei Ausbruch eines Brandes jederzeit genug Kräfte zur Verfügung haben“, so Karl Pieterek.

Offenbar kam es zeitweise auch zu Ausfällen einiger Handynetze. Der U-Bahnhof unter dem Hauptbahnhof wurde zeitweise gesperrt, um einen weiteren Zustrom zu unterbinden und die Gefahr der totalen Überfüllung zu verhindern. Tausende kamen zu spät zur Arbeit, nahmen es jedoch meistens mit Gelassenheit.

Ernsthafte Zwischenfälle wurden bis mittags nicht bekannt. Danach normalisierte sich die Lage wieder.

Dorita Plange, Nina Bautz, Beate Winterer, Johannes Welte und Andreas Thieme

Blackout in München: Chaos nach Stromausfall

Blackout in München: Chaos nach Stromausfall

U-Bahn

In der U-Bahn ging zeitweise nichts mehr: „Als die Energieversorgung in München gegen 7 Uhr teilweise ausblieb, standen zunächst sämtliche Züge still, weil es keinen Fahrstrom mehr gab“, sagt MVG-Sprecherin Bettina Hess. Erst eine halbe Stunde später konnten die ersten Streckenabschnitte wieder mit Strom versorgt werden – zum Beispiel die Tramlinien 17,18 und 19 sowie die U5 und Teile der U3 und U6. Die anderen Abschnitte gingen gegen 8 Uhr nach und nach wieder ans Netz. „Bis ca. 9 Uhr konnte der U-Bahn- und Tramverkehr wieder weitgehend stabilisiert und ein regelmäßiger Betrieb angeboten werden“, sagt Hess. Lediglich auf der Linie U3 habe es Lücken bis 10 Uhr gegeben. Besonders schlimm traf es die Fahrgäste einer U3 in Richtung Fürstenried: Sie saßen in Höhe der Aidenbachstraße rund 45 Minuten lang im Untergrund fest. Als evakuiert werden sollte, fuhr die Bahn dann plötzlich doch weiter. Mitarbeiter der U-Bahnwache mussten zudem mehrere Fahrgäste aus stehengebliebenen Aufzügen befreien.

S-Bahn

Die Münchner S-Bahn war Donnerstag Morgen nur indirekt vom Stromausfall betroffen. Denn: Der Fahrstrom für die Züge stand uneingeschränkt zur Verfügung – ihn ­bezieht die Deutsche Bahn aus ­einem separaten Netz. Regional- und Fernzüge hatten also keine Probleme – zumindest nicht mit dem Strom.

Dennoch kam es Donnerstag Morgen zu erheblichen Verspätungen:

S-Bahn-Pendler mussten gegen acht Uhr bis zu 40 Minuten auf die Linien S4 oder S6 warten. Teilweise fielen Taktverstärkerzüge aus. Gegen halb zehn betrug die Verspätung im Gesamtnetz immer noch zwischen zehn und 25 Minuten. Erst gegen Mittag lief alles wieder nach Plan. Der Grund: Die Beleuchtung der Bahnhöfe läuft über öffentliche Netze. In den fünf Tunnelbahnhöfen auf der Stamm­strecke sprang 30 Minuten lang die Notbeleuchtung an. Vorsorglich fuhr die S-Bahn nicht hindurch – die Verspätung zog sich dann durch das gesamte Netz.

Wegen des Stromausfalls waren auch keine Durchsagen am Bahnhof möglich. „Deswegen konnten wir leider die Fahrgäste nicht informieren. Wir selbst hatten auch keine Informationen, wann der Strom wieder zur Verfügung steht“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Straßen

Auch in der Einsatzzentrale der ­Polizei gingen innerhalb kurzer Zeit über 1000 Notrufe ein – normal sind an einem Donnerstagmorgen etwa 200. Großeinsatz für die Verkehrspolizei: Innerhalb weniger Sekunden gingen im gesamten Stadtgebiet Hunderte Ampeln aus. Die 50 größten Kreuzungen – wie zum Beispiel auf dem Mittleren Ring, am Stachus und auf der Leopoldstraße – wurden mit Polizisten besetzt, die den Verkehr per Hand regelten. Die Polizei setzte zusätzliche 130 Beamte der Einsatzhundertschaften für die Verkehrsregelung ein. Es gab lange Rückstaus im ganzen Stadtgebiet, aber nur wenige kleine Unfälle – und alle ohne Verletzte. Bis weit über den Mittag hinaus fielen einzelne Ampeln aus, obwohl der Strom schon wieder floss. Diese Ampeln (zum Beispiel am Ackermann-Bogen/Olympiapark) mussten erst wieder manuell von den Entstörungstrupps der Stadtwerke angestellt werden.

In etwa 25 Fällen gingen bei der Polizei Einbruchs-Alarme in Banken, Juwelieren und Privathäusern ein. Das waren alles Fehlalarme.

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