Billigstrom nur im Internet: Aufstand der Senioren

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Kunden ohne Internet, oft Ältere, sind vom Ökostrom-Angebot der SWM ausgeschlossen.

München - Mit einer neuerlichen Strompreis-Erhöhung haben die Stadtwerke viele Kunden verärgert. Doch noch mehr stinkt vielen Münchnern, dass sie zum billigeren SWM-Ökostrom nur online wechseln können. Vor allem Senioren ohne PC sind sauer:

Eine Strompreiserhöhung erhitzt viele Gemüter, das merkt auch die tz an den Reaktionen der Leser. Im Bericht über die neuerliche Preiserhöhung bei den Stadtwerken um 3,5 Prozent stieß den Münchnern aber eines noch viel mehr auf: Dass der Kunde zum günstigeren Öko-Strom nur online übers Internet wechseln kann. Ein Zwei-Personen-Haushalt (2500 KWh) muss dann jährlich nur 591 statt 606 Euro für den normalen M-Strom berappen. Zusätzlich gibt es eine Wechsel-Prämie von 25 Euro.

„Ich konnte das gar nicht glauben und habe deswegen beim Kundenservice angerufen“, sagt etwa tz-Leser Otto B. (53). „Der Herr meinte, wer kein Internet hat, hat Pech gehabt. Das kann doch nicht sein! Hier werden ältere Menschen einfach ausgegrenzt!“ So wie Otto B. denken offenbar viele ältere Münchner – in der Redaktion kamen Dutzende Briefe verärgerter Senioren an. Sie wollen sich das nicht bieten lassen. Ein Aufstand der Alten gegen die SWM!

Nicht nur der Ökostrom ist bei den Stadtwerken übers Internet günstiger, sondern auch das Erdgas. Christian Miehling von den SWM erklärt, warum: „Der Vertragsabschluss erfolgt übers Internet, die Rechnung wird per Mail und nicht per Brief, der uns auch wieder etwas kostet, verschickt und der Kunde nimmt die Änderung seiner Daten selbst per Internet vor. Durch die reine Online-Abwicklung sparen die Stadtwerke Kosten, die sie an ihre Kunden weitergeben können, ähnlich wie beim Online-Banking.“

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Diese Begründung reicht den Senioren aber nicht aus. Was Kunden wie Otto b. besonders nervt: „Jeder darf entscheiden, ob er zum Beispiel übers Internet einkaufen mag – für mich ist das nichts. Aber Strom brauchen wir alle, auch ältere Menschen. Und da haben Anbieter die Pflicht, allen alles zugänglich zu machen.“ Es wird immer schwerer für Senioren: Kundenservice erfolgt oft nur noch per Mail, günstige Telefontarife gibt’s ausschließlich mit Online-Rechnung und auch einige Rabatte bekommt der Kunde nur bei Buchung übers Internet.

Doch auch dabei gibt es Ärger: Ein tz-Leser versucht seit einer Woche vergeblich, bei den Stadtwerken den Ökotarif anzumelden. Zwei Anrufe und eine E-Mail blieben ohne Erfolg!

NBA

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