Große Studie der Stadt

Umfrage bei jungen Münchnern: Große Angst, sich Leben in der Stadt nicht mehr leisten zu können

Jugendliche befürchten, sich das Leben in München nicht mehr leisten zu können. Zudem bemängeln sie, dass der Leistungsdruck zunimmt. Das geht aus einer Umfrage der Stadt hervor.

Bereits zum dritten Mal hat die Stadt diese Online-Befragung durchgeführt – diesmal auch zum Thema Corona. Die Ergebnisse geben der Stadt Hausaufgaben auf – bezüglich Lebenskosten, Leistungsdruck sowie schulischer und beruflicher Ausbildung.

Große Studie der Stadt München: Wer wurde befragt?

3478 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 24 Jahren haben den Fragebogen in allgemeiner Sprache beantwortet, 136 füllten einen in Leichter Sprache abgefassten Fragebogen aus. Zum Vergleich: 2013 waren es insgesamt 595 Teilnehmer, 2016 bereits 1296. Im Jahr 2020 waren die Teilnehmer zu 59 Prozent weiblich, zu 37 Prozent männlich und zu 1,5 Prozent divers. Die übrigen machten keine Angaben.

Junge Generation: Victoria Völker (li.) mit ihrer Freundin Sophie Walken am Stachus.

Stadt München befragt in Studie Tausende Jugendliche: Das gefällt

Hohe Zustimmung (95 Prozent) erhalten die Bildungs-, Ausbildungs- und Berufschancen in München. 90 Prozent der Teilnehmer fühlen sich in München wohl. In den offenen Fragen haben 990 Menschen weitere Aspekte angegeben, die ihnen an München* besonders gut gefallen. Genannt wurden zuvorderst der Wohlfühlcharakter, die „lebendigen Viertel“ mit breitem gastronomischen Angebot, Einkaufsgelegenheiten und zahlreichen Radwegen. Die Vielfalt, Offenheit und bayerische Geselligkeit der hier lebenden Menschen wird ebenso angeführt wie das viele Grün, die Isar und die Bademöglichkeiten in Isar und Eisbach. Wertgeschätzt wird München wegen seiner vielfältigen Freizeit-, Sport-, Kunst- und Kulturangebote. Zudem hervorgehoben werden Vergünstigungen für den ÖPNV und freier Eintritt ins Freibad. Auch die Berge und Seen der näheren Umgebung tragen zum positiven Lebensgefühl in München bei.

Das belastet Jugendliche in München

93,1 Prozent aller Befragten fürchten, sich das Leben in der Stadt irgendwann nicht mehr leisten zu können. In 3029 Fragebogen wurden neben Wohnen (96,4 Prozent) und dem öffentlichen Nahverkehr (77,9 Prozent) auch Eintrittspreise für Clubs, Konzerte, Kinos (36,5 Prozent), Getränke- und Essenspreise beim Ausgehen (44,3 Prozent), Sport und Freizeitaktivitäten (19,4 Prozent), aber auch die Preise für Getränke und Essen im Supermarkt (12,7 Prozent) genannt. 77,7 Prozent aller Befragten erleben den Konkurrenz- und Leistungsdruck als groß oder zu groß. Rund 39 Prozent der Befragten empfinden die Schul- oder Berufssituation als schwierig. Zum Vergleich: Bei den Befragungen 2016 klagten nur 39 Prozent über Konkurrenz- und Leistungsdruck. Dass München zu teuer wird, sagten damals aber schon 74,3 Prozent.

Wie wichtig ist Mitbestimmung für die Jugend in München?

Können Jugendliche in der Stadt mitbestimmen und wollen sie das überhaupt? Zwei Drittel der jungen Menschen haben dazu Angaben gemacht. 66 Prozent wünschen sich mehr Teilhabe an politischen Prozessen, lediglich 13 Prozent gaben an, wirklich in der Politik der Stadt München mitentscheiden zu können.

Engagement der Stadt München: Große Unzufriedenheit

Unzufrieden oder weniger zufrieden waren die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit der Teilhabe an der Politik. Kritisiert wurde zudem das Engagement beim Klima- und Umweltschutz. Schwer wiegt für die Befragten der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Es gibt große Unzufriedenheit mit dem Engagement der Stadt München, geeigneten Wohnraum zu schaffen*.

Das bedeuten die Corona-Auswirkungen für junge Leute in München

In der Hauptbefragung der Stadt gab es so viele Rückmeldungen, dass im Januar 2021 eine zusätzliche Befragung online gestellt wurde. An der nahmen weitere 4592 junge Menschen teil. Während die fehlenden sozialen Kontakte alle in gleichem Maß belasteten, trafen die „Ausgangssperre ab 21 Uhr“ (57 Prozent) und „das Verbot, ihrem Sport in Vereinen oder Fitnessstudio“ (54 Prozent) nachzugehen hauptsächlich die männlichen Befragten. Den „Stopp aller Veranstaltungen und Konzerte“ fanden 51 Prozent der Mädchen und jungen Frauen sehr belastend. Die Angst, später in der Schule, im Studium oder Ausbildung „nicht mehr mitzukommen“, hatten besonders Minderjährige. Trotz aller Belastungen geben alle Befragten an, sich zu mehr als 70 Prozent an die jeweiligen Corona*-Regeln zu halten. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Krammer

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