Studie: Junge Homosexuelle haben es schwer in München

+

München - Die Landeshauptstadt scheint kein sonderlich angenehmer Platz für jugendliche Homosexuelle zu sein. Experten sagen, die jungen Menschen seien großen Belastungen ausgesetzt.

Schwule und Lesben sollen es schwer haben? Wo sie doch nicht mehr verfolgt werden, sich öffentlich zeigen und beim Christopher-Street-Day auf die Pauke hauen, dass es „manch einem Hetero zu laut wird“, wie OB Christian Ude (SPD) sagt. Auch aus allen Fernsehserien sei der „sympathische, schwule Mann von nebenan“ nicht mehr wegzudenken.

Und trotzdem haben schwule und lesbische Menschen schon im Kindes- und Jugendalter mit Vorurteilen, Diskriminierung und Benachteiligung zu kämpfen – und manchmal auch mit Gewalt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Stadt zur Situation von homosexuellen Kindern und Jugendlichen in München.

Rund 200 000 Minderjährige leben in der Stadt, fünf bis zehn Prozent von ihnen sind oder werden nach Angaben der städtischen Koordinierungsstelle homosexuell. Bereits im Alter von im Mittel zwölf Jahren spürten sie die Neigung, etwa mit 16 Jahren seien sich die meisten dann sicher, das gleiche Geschlecht zu lieben. Zu deren Situation befragt wurden rund 800 Fachleute aus Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche – die größte Studie dieser Art in Europa.

CSD in München: Nackte Haut und bunte Kleider

CSD: Nackte Haut und bunte Kleider

Die Ergebnisse sind alarmierend: Fast 90 Prozent der Experten, also fast alle, wissen von Druck auf die Betroffenen – von Angst vor Ausgrenzung, von Verheimlichung, von feindlichen Erlebnissen, von der Angst der Betroffenen, Freunde zu verlieren. Ebenso fast alle befragten Fachleute glauben, dass es für Kinder und Jugendliche problematisch ist, sich zu ihrer Orientierung zu bekennen. Vor allem an den Schulen herrsche unter den Gleichaltrigen ein unfreundliches Klima.

Für bedenklich hält der städtische Koordinator für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Andreas Unterforsthuber, dass die Experten nicht nur selbst zugeben, zu schlecht ausgebildet zu sein, sondern in der Studie ihre Wissenslücken offenbaren. So glaubt die Hälfte der Befragten, dass für homosexuelle Jugendliche das Suizid-Risiko nicht erhöht ist. Tatsächlich bringen sich minderjährige Schwule und Lesben aus Kummer aber sechsmal häufiger um als Heteros.

dac

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf Stammstrecke normalisiert sich wieder
S-Bahn: Verkehrslage auf Stammstrecke normalisiert sich wieder
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare