Orkanartige Böen richten Millionenschäden an

Gonzalo: tz-Report zum ersten schweren Herbst-Unwetter 2014

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Sturm Gonzalo hat nicht nur auf der Auer Dult, sondern in der ganzen Stadt große Schäden angerichtet.

München - Mit Stark­regen, Hagel und orkanartigen Winden hat Tief Gonzalo München und das Umland in der Nacht auf Mittwoch ins Chaos gestürzt. Der tz-Report zum ersten großen Herbst-Unwetter des Jahres:

Was für ein Sturm! Mit Stark­regen, Hagel und orkanartigen Winden hat Tief Gonzalo München und das Umland in der Nacht auf Mittwoch ins Chaos gestürzt. Bäume kippten um, Häuser wurden abgedeckt, der Bahn-Verkehr kam teilweise zum Erliegen. Laut Schätzungen von Polizei und Feuerwehr ist Schaden in Millionenhöhe entstanden.

Riesen-Sturm, Riesen-Schäden – dieses Foto entstand an der Eggenfeldener Straße.

Meteorologe Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst: „Wir hatten Windgeschwindigkeiten bis zu 110 Stundenkilometern.“ Auch die Temperatur fiel rasant: Diese sei im Lauf des Nachmittags von 17 auf bis zu 4 Grad gesunken. Das Besondere: „Mit dem Orkantief kam in diesem Herbst der erste große Herbststurm“, sagt Wünsche.

Die Einsatzbilanz der Feuerwehr: Sie wurden zwischen Dienstagabend und Mittwochnachmittag gut 200 Mal gerufen. Orkan-Tief Gonzalo richtete Schäden in Millionenhöhe an. Doch Besserung ist in Sicht: Die heftigen Winde sind vorbei und am Wochenende wird es wärmer. Wir können mit Temperaturen von um die 14 Grad rechnen.

Jonas Regauer, Stefanie ­Rigling

Auer Dult: Standl kaputt

Die Standlbesitzer Andrea Ackermann-Hopf...

Andrea Ackermann-Hopf (56) konnte es nicht fassen. Das Orkan-Tief Gonzalo hat ihren Stand auf der Auer Dult regelrecht verwüstet. „So was habe ich noch nie erlebt“, sagt sie. Sie betreibt ihren Porzellan-Stand in dritter Generation. „Wenn es windig ist, fällt vielleicht mal eine Tasse runter. Aber dass ein Sturm so viel auf einmal zerstört, das hat es noch nie gegeben“, erzählt Ackermann-Hopf. Porzellan im Wert von gut 1000 Euro ist zerbrochen und der vordere Schirm sowie die Seitenteile des Stands wurden zerfetzt. „Und das, obwohl wir den Stand gut abgesichert hatten“, sagt die Inhaberin.

...und Norbert Heinrich nach dem Sturm

Besser abgesichert hat seinen Stand nun auch Norbert Heinrich (50). Mit zusätzlichen Heringen will er seinen Schmuck-Laden besser vor Sturm schützen. „Bei mir hat es das Dach zerrissen. Das ist richtig schwer, den Stand wieder dicht zu bekommen“, sagt er. Schlimmer hat es jedoch Heinrichs Nachbarn erwischt: „Dem Besitzer ist wegen des Orkans das komplette Zelt davongeflogen. Der hat am Mittwoch gar nicht erst aufgemacht.“

Laim: Dach stürzt aufs Auto

Petric Spasoye (61) vor den Trümmern seines Autos.

Ein Totalschaden! Petric Spasoye (61) steht neben seinem Auto – besser gesagt neben dem, was noch davon übrig ist … Es war am Dienstagabend gegen 21 Uhr, als Sturm Gonzalo ein Blechdach und den kompletten Dachstuhl von einem Haus an der Schrobenhausener Straße in die Tiefe riss. Die Teile begruben den Peugoet unter sich. Der Rentner sagt: „Ich dachte, ein Hubschrauber wäre abgestürtzt: So laut war das. Ich habe vor Angst geweint.“ Vom Balkon aus musste er alles mitansehen: „Das Auto hat einen Totalschaden. Die Windschutzscheibe und das Panoramadach sind komplett zerstört.“ Auch zwei weitere Pkw sowie ein Zaun wurden beschädigt. Ein Gutachter der Hausverwaltung sei schon vor Ort gewesen und habe den Wagen gesichtet. Wie hoch der Schaden in Euro ist, kann man noch nicht sagen. Bis drei Uhr in der Nacht hat die Feuerwehr die Straße geräumt, das Gelände gesperrt und den Dachstuhl gesichert. Alle Anwohner sind unbeschadet geblieben und konnten in die Wohnungen zurück.

Tierheim: Tiere geraten in Panik

Sie haben Angst, sie kennen sich nicht mehr aus! Der große Sturm hat viele Tiere von ihre Herrchen oder Frauchen getrennt – vor allem Hunde, die beim Gassigehen Panik vor dem Wind bekamen und davonliefen. Allein elf Hunde wurden gestern als vermisst gemeldet, immerhin tauchten einige davon schnell wieder als Fundtiere im Riemer Tierheim auf. Sprecherin Judith Brettmeister: „Das Unwetter ist sehr plötzlich gekommen, hat deshalb viele Hundebesitzer beim Gassigehen überrascht.“ 20 Katzen-Liebhaber vermissen ihre Viecherl. Das ist allerdings der Stand von gestern Nachmittag – da kommt wohl noch mehr nach, da viele Katzenbesitzer eine Zeitlang warten, ehe sie sich bei der Vermisstenstelle melden. Falls Sie einen umherirrenden Hund oder eine offensichtlich unsichere Katze sehen sollten: Am besten bei den Experten im Tierheim anrufen. Die Telefonnummer lautet 0157/73 08 90 68.

Grünwald: Die Tram fährt erst am Donnerstag wieder

Arbeiter der Stadtwerke im Einsatz.

Ein Rattenschwanz von Aufgaben an der Ludwig-Thoma-Straße! Die Feuerwehr fällte einen Baum an der Tram-Strecke 25 – er drohte nach dem Sturm umzustürzen. Allerdings: Die Feuerwehrler konnten erst anfangen, nachdem die Stadtwerke die Tram-Oberleitung ausgehängt hatten. Und das dauerte … Stadtwerke-Sprecher Matthias Korte: „Das ist komplizierter, als eine Wäscheleine runterzunehmen.“ Die Tram-Strecke war gestern den ganzen Tag gesperrt, heute soll’s wieder rollen.

Lehel: St. Anna oben ohne

Die Franziskanermönche von Sankt Anna im Lehel dürften einige Stoßgebete gen Himmel schicken – sie hatten Glück im Unglück. Denn der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 110 Stundenkilometer deckte die altehrwürdige St.-Anna-Kirche, die 1808 erbaut wurde, in dem Münchner Nobelviertel teilweise ab.

Sturm Gonzalo deckte die altehrwürdige St.-Anna-Kirche teilweise ab.

Betroffen war das Metalldach, das sich – deutlich auf dem großen Foto rechts zu erkennen – teilweise ordentlich verbogen hatte. Insgesamt auf einer Fläche von etwa 50 Quadratmetern. Das Areal rund um die Kirche wurde von der Polizei großräumig abgesperrt. Dennoch hatte die rund 22 Feuerwehrler noch ausreichend Probleme. Sie kamen offenbar mit ihrer Hubrettungsbühne nicht an das Dach heran. Der Windmesser fährt automatisch ein, wenn’s zu sehr pfeift.

Flott voran ging’s dennoch: Innerhalb von rund einer Stunde war die Arbeit getan.

Bayern: Die Schäden im Freistaat

Sturm Gonzalo wütete nicht nur in München, sondern auch die Rettungskräfte in Bayern kamen ins Schwitzen:

Ein Baum stürzte in Augsburg um

Augsburg: Über 250 Einsätze zählte die Berufsfeuerwehr am Dienstag. Den größten Schaden verursachte ein umgekippter Baum, der auf der Oberleitung der Straßenbahn landete.

Regensburg: Abgerissene Stromleitungen, abgedeckte Hausdächer und umgestürzte Bäume: Die Oberpfalz traf das Unwetter mit voller Wucht. Eine Eiche begrub gleich sieben Autos unter sich.

Straubing/Dingolfing: Während die Rettungskräfte in Dingolfing vorsichtshalber die Festzelte der Kirchweihkirta räumten, sorgte Gonzalo in Niederbayern für mehrere hunderte Einsätze.

Ingolstadt: 324 Notrufe gingen am Dienstagabend bei der Einsatzzentrale Oberbayern Nord ein. Auf der A9 bei Pfaffenhofen wurde ein Lastzug von einer Windböe erfasst. Den Anhänger hob es auf die Mittelleitplanke.

Ein Reparaturwagen bei Schäftlarn.

Garmisch-Partenkirchen: Die Bahn hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun. Zwischen Mittenwald und Garmisch ging nichts mehr. Auch im S-Bahn-Bereich kam es zu Verspätungen, weil Bäume in Oberleitungen gestürzt waren. Vor allem die S6 Richtung Tutzing sowie die S8 Richtung Flughafen war betroffen. Reparaturwagen versuchten, alle Bahnstrecken frei zu bekommen.

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