Für den Südring wird es eng

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Autobahnpläne im Münchner Süden auf der Kippe?

München - War das der Todesstoß für den Autobahn-Südring? In einem Zwischenbericht erhalten die im Rennen verbliebenen Trassen zum Teil vernichtende Noten. Bürgermeister der Region fordern den sofortigen Planungsstopp.

Überrascht hat die Planer auch, dass die Fahrzeitunterschiede beim Bau jeder der Trassen minimal wären. Die Effekte seien „weitgehend zu vernachlässigen“, bilanziert die Zwischenstudie. Die durchschnittliche Fahrzeitverkürzung vom Knoten Landsberg zum Knoten Rosenheim beträgt beispielsweise gerade 5,2 Minuten – „ein Witz“, kommentierten Vertreter der Bürgerinitiativen.

Die Autobahndirektion hatte alle Varianten detailliert nach Kriterien wie Kosten, Auswirkungen auf Umwelt und Raumstruktur sowie nach einer volkswirtschaftlichen Nutzen-Kosten-Rechnung bewertet. Keine Trasse liegt in sämtlichen Bereichen auf Rang 1, zum Teil gibt es völlig gegensätzliche Bewertungen.

So schneidet die lange C 8-Trasse, die mit zwei langen Brücken über Würm und Isar führen und den Perlacher Forst zum Teil zerstören würde, beim Umwelt-Kapitel verheerend ab. Die gleiche Trasse ist bei der Nutzen-Kosten-Rechnung jedoch auf Rang eins – unter anderem deshalb, weil sie mit knapp 400 Millionen Euro Baukosten die billigste Lösung wäre. Im Vergleich dazu: Der Stadttunnel A 1 würde rund 1,2 Milliarden kosten, die stadtferne Variante D 1 wäre mit je einem Tunnel unter Isar und Würm mit über 1,4 Milliarden die teuerste Südautobahn.

Entschieden ist noch nichts, betonte der Chef der Autobahndirektion Südbayern, Paul Lichtenwald. Was jetzt folge, sei „eine komplizierte Geschichte“. In einer sogenannten Sensitivitätsanalyse werden die Rangordnungen, die die Trassen in den einzelnen Beurteilungs-Kapiteln erhalten haben, gegeneinander abgewogen. Im Frühjahr 2010 soll das Ergebnis vorliegen. Erneut betonte Lichtenwald, dass die im Jahr 2008 gestartete Machbarkeitsstudie auch mit dem „Planungs-Nullfall“ enden könnte – also damit, dass die Autobahndirektion empfiehlt, gar nichts zu bauen.

Genau dies erwarten die Bürgermeister in der Region. Christine Borst, Rathauschefin in Krailling: „Bei klarem Menschenverstand kann es nur den Verzicht auf jede Trasse geben.“ Freilich sei sie skeptisch, ob sich die Planer wirklich zu diesem, für eine Autobahn-Behörde revolutionären Schritt entschließen könnten. Beim Südring gebe es „noch keine Entwarnung“, urteilt einstweilen Martin Hänsel vom Bund Naturschutz in München.

Dirk Walter

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