Wilde 1,5-km-Fahrt auf geklautem Auto

Sushi-Bote reitet auf eigener Motorhaube

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Links: Endstation Bayerstraße! Hier krachte der Punto in einen Audi – mit Serhad (r.) vorne auf der Motorhaube.

München - Nein, nie wieder wird Serhad (26) den Schlüssel im Auto stecken lassen – und sei es auch noch so kurz! Denn so einen wilden Ritt wie am Sonntag möchte der Sushi-Ausfahrer nicht noch einmal erleben.

Gute 1,5 Kilometer fuhr der frisch verheiratete Türke auf der Motorhaube seines gestohlenen Autos mit. Erst als der Dieb bei Rot über die Ampel bretterte und in einen Audi krachte, stoppte die irre Fahrt. „Ich bin einfach nur glücklich, dass ich noch lebe“, sagt Serhad.

Es ist 14.15 Uhr, als der Aushilfsfahrer seinen blauen Fiat Punto vorm Geschäft an der Kapuzinerstraße abstellt. Als Serhad wieder aus dem Asia-Bistro kommt, verschlägt’s ihm die Sprache. Sein Fiat ist weg! „Ich dachte erst, die Kollegen wollten mich ärgern“. Doch plötzlich fährt sein blauer Flitzer an ihm vorbei in Richtung Lindwurmstraße. „Da saß ein fremder Mann drin!“ Der gebürtige Münchner überlegt nicht lang, spurtet seinem Auto hinterher.

An der Kreuzung mit der Lindwurmstraße muss der Dieb halten – die Ampel ist rot. „Meine Chance“, denkt Serhad. Er will die Beifahrertür aufreißen, doch der Dieb (ein 37-jähriger Slowake) hat abgesperrt. In seiner Not stellt sich Serhad vor den Punto, fuchtelt mit den Armen. „Halt, halt“. Umsonst. Als es grün wird, gibt der Dieb Gas. „Da lag ich plötzlich auf der Motorhaube“, erzählt der 26-Jährige. Verzweifelt krallt er sich an den Scheibenwischern fest – und dann beginnt der wilde Ritt! Der Dieb will den Türken abschütteln, fährt zick-zack, will Serhad so von der Motorhaube schleudern: „Ich kam mir vor wie ein Torero“. Doch Serhad kann sich festhalten. In wilder Fahrt, mit Tempo 80, geht es die Herzog-Heinrich-Straße entlang, dann auf die Paul-Heyse-Straße.

Jetzt wird es lebensgefährlich! Der Dieb brettert bei Rot über die Ampel an der Bayerstraße: Der Punto kracht in das Heck eines Audi A6. Serhad hat riesiges Glück: Er übersteht diesen Aufprall fast unverletzt – sein Fiat ist Schrott. Der Autodieb erleidet nur leichte Verletzungen. „Er wurde festgenommen“, sagt Polizeisprecher Oliver Timper.

Schon am Montag sitzt Serhad wieder im Firmenauto und fährt Wäsche aus. „Für ein eigenes Auto muss ich erst wieder sparen“.

JAM

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