Der tägliche Rolltreppen-Wahnsinn

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Ein gewohntes Bild: Eine Rolltreppe außer Betrieb.

München - Das nervt: Fast jeden Tag stehen an den Münchner Bahnhöfen Rolltreppen still. Außer Betrieb wegen Wartung, Umbau oder Komplettaustausch: Die Liste der Gründe ist lang.

Die Stadtwerke München (SWM) zählen zu den größten Rolltreppenbetreibern Deutschlands: Im Münchner U-Bahnnetz gibt es 774 Anlagen mit mehr als 60 000 Stufen. Laut SWM liegt die Verfügbarkeit der Rolltreppen bei über 95 Prozent. Heißt: Am Tag liegen etwa fünf Prozent lahm. „Ein Großteil der Störungen wird mutwillig herbeigeführt, zum Beispiel durch Missbrauch der Notbremse“, sagt SWM-Sprecher Christian Miehling.

Alle zwei bis drei Monate werden die Rolltreppen gewartet – das dauert zwei Stunden bis zu einem halben Tag. Aufwendiger ist der komplette Austausch, der im Schnitt alle 25 Jahre anfällt: Je nach Zustand kann die Treppe dafür schnell mal mehrere Tage stillstehen. Die Deutsche Bahn (DB) betreibt im MVV-Bereich 90 Rolltreppen – alleine hier werden am Tag 10 bis 15 Störungen gemeldet. „In der Regel sind es nur kleinere Probleme, die zu Störungen führen. Etwa, wenn jemand den Nothalt auslöst oder die Treppe wegen schwerem Gepäck blockiert“, erklärt ein DB-Sprecher. Doch auch dann muss ein Techniker ausrücken und die Treppe wieder zum Laufen bringen.

Am Stachus ärgern sich Reisende seit Wochen über funktionsuntüchtige Rollsteige: Hier sind von 50 Rolltreppen aktuell neun außer Betrieb (s.u.). Die tz hat vier Bahnhöfe genauer unter die Lupe genommen. Welche Steige während der Recherche stillstanden und was Passanten sagen:

Treppensteigen am Stachus

Peter Zander (74) am Stachus.

Am Stachus betreiben die SWM 50 Rolltreppen – 36 im Bereich des Einkaufszentrums und 13 im benachbarten U-Bahnbereich. Aktuell sind wegen der ­Sanierungsarbeiten am ­Einkaufszentrum sieben Rolltreppen außer Betrieb, im U-Bahnhof stehen zwei Steige wegen Reparaturen still. „Ich würde gerne mit der Rolltreppe fahren“, erklärt Peter Zander (74). Doch die Rolltreppe, die Richtung Schützenstraße an die Oberfläche führt, funktioniert nicht – jetzt muss der Rentner die ­Stufen nehmen. Auch wenn der 74-Jährige noch gut zu Fuß ist: Wäre eine Rolltreppe da, würde er die auch benutzen. „Gerade Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen sind arm dran – die haben ja keine Möglichkeit“ sagt Zander. „Ich sehe selbst, welche Probleme das macht, speziell ­diese Rolltreppe.“ Mitte des Jahres soll die Modernisierung und Sanierung der ­Zugänge abgeschlossen sein.

Brauche Hilfe

Schon wieder eine abgesperrte Rolltreppe – diesmal am S-Bahnhof Isartor zum Aufgang Thomas-Wimmer-Ring. „Das ist doch Müll“, empört sich Renate Azurrek (40). Die Angestellte ist gehbehindert und kann keine Treppen steigen – jetzt muss sie einen anderen Zugang zum S-Bahnhof suchen. „Ich bin auf fremde Hilfe angewiesen“, erklärt die 40-Jährige und stützt sich auf ihren Rollator. „In München ist es wie verhext – hier ist es gang und gebe, dass Rolltreppen nicht funktionieren.“ Mittlerweile läuft die Rolltreppe wieder.

Eine Hürde für ältere Menschen

Am Hauptbahnhof stand während der Recherche der tz aktuell die Rolltreppe vom S-Bahn-Gleis 1 zum Ausgang Fernzüge still. Grund: ein Defekt am Handlauf. Studentin Sarah Spanfeldner ärgert sich: „Auch wenn es mich nicht so trifft: Gerade für ältere und behinderte Menschen ist es eine Hürde, wenn die Rolltreppen nicht funktionieren“, sagt die 20-Jährige. „Rollstuhlfahrer müssen dann auf Hilfe hoffen und getragen werden. Es wäre doch die Pflicht der Bahn, dass die Rolltreppen funktionieren.“

Mit Kinderwagen ein Problem

Glück, dass wenigstens der Aufzug funktioniert! Sonst wäre IT-Beraterin Evi Malik (36) mit dem Kinderwagen aufgeschmissen: Am Ostbahnhof steht gerade die Rolltreppe zur Tram still – Reparaturarbeiten. „Letztens haben einige Mütter unseren Rückbildungskurs verpasst, weil Rolltreppen und Aufzüge ausgefallen waren – sie mussten eine Station weiterfahren“, beschwert sich die junge Mama. „Ich bin wirklich überrascht, wie schlecht man mit Kinderwagen die Innenstadt erreichen kann – da ist man mit dem Fahrrad manchmal einfacher dran.“

C. Schmelzer, M. Krause

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