Tag des offenen Denkmals

München zeigt seine Geheimnisse

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Der Innenhof der Alten Münze.

München - Beim Tag des offenen Denkmals präsentierte München seine Geheimnisse. Die tz nahm sich drei Kostbarkeiten vor.

Ein Bewusstsein für Denkmalschutz schaffen: Das ist das Ziel beim Tag des offenen Denkmals, der seit 1991 europaweit begangen wird. Am Sonntag war es wieder so weit: In Bayern waren rund 750 Burgen, Schlösser, Fabriken und Bauernhöfe zu besichtigen. Dazu etwa auch Industriehallen und alte Krankenhausbauten. Klar, dass es auch in der Landeshauptstadt jede Menge zu entdecken gab. Die tz nahm sich drei Kostbarkeiten vor und besuchte auch die herrliche Alte Münze. Lesen Sie selbst:

Susanne Hartung 

Kostbar: Die Alte Münze

Feuermachen wie vor 100 000 Jahren: Lothar Breinl.

Wie könnte es anders sein: Der Sitz des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ist natürlich auch selbst denkmalgeschützt: Das Amt sitzt in der Alten Münze. Fast schon verborgen liegt der Bau aus dem 16. Jahrhundert zwischen Platzl und Marienplatz – und beherbergt beim Tag des offenen Denkmals eines der Highlights: die Zusatzausstellung zu Karl dem Großen.

Die lockte auch Rechtsanwalt Urlich Böhm an: „Ich bin extra deshalb in die Alte Münze gekommen. Und natürlich auch wegen des Gebäudes. Die Alte Münze kann man ja sonst nicht anschauen.“ Doch nicht nur wahre Geschichtsfans, auch die Jüngsten waren von den Attraktionen in der Alten Münze begeistert. Dem achtjährige Lucas Hess hat es die Feuer-Attraktion von Lothar Breinl angetan. Der Grabungstechniker ahmt mit Feuersteinen und Stroh nach, wie schon vor 100 000 Jahren die Funken flogen. Lucas ist begeistert. „Eigentlich hatte ich darauf keine Lust. Aber das war richtig toll!“

Anatomie für Normalsterbliche

Hier werden Leichen zerschnitt

en, Organe mikroskopiert und die Ärzte von morgen ausgebildet: Die Anatomische Anstalt in der Pettenkoferstraße. Und wie immer, wenn es um Leben oder Tod geht, war das Interesse an den Führungen groß. Schon um 10.30 Uhr wurden Abteilungsleiter Alfons Lenz und Architekt Franz Hacker von einer Menschentraube umringt. Gesteigert wurde das Interesse vermutlich auch durch die Tatsache, dass man die Anatomische Sammlung als Normalsterblicher nicht begutachten kann. So sorgen Hörsaal, Sezierraum und Mikroskopierraum für Erstaunen: Brandneue Hightech-Computer stoßen auf alterwürdiges Gemäuer. Alles für die Menschen da draußen auf der Straße, wie Politiker sagen würden: Deren Leben liegen in den Händen der Auszubildenen.

Walchenseekraftwerk

So, wie Magdalena Neuner (27) früher die Loipen entlanggerauscht ist, so rauscht’s in den Röhren des Walchenseekraftwerks. Im brombeerfarbenen Dirndl präsentierte die Ex-Biathletin am Sonntag eine Büste von Oskar von Miller.

Er war die treibende Kraft für das Energie-Zentrum. Die Büste war seit den 70ern nicht mehr öffentlich ausgestellt, wurde jetzt restauriert. Danach ging’s hinauf ins Wasserschloss. Neuner zum Tölzer Kurier: „Diese Termine sind mir am liebsten: was anschauen und dann essen.“

Patentes Haus

Hier würde sich Daniel Düsentrieb wohlfühlen! Im Deutschen Patent- und Markenamt nahe dem Isartor treffen ­Erfindergeist und die Technik von morgen auf Recht und Ordnung. Auch das Gebäude lässt das erahnen: Moderne Architektur, vereint mit Ecken und Kanten: Helle, lichte Konferenzräume wechseln sich mit dunklen Gänge ab. Das einmal zu sehen, hat auch Klara Werner gereizt: „Ich kommen hier so oft vorbei, da wollte ich mir das mal anschauen!“ Für spontane Menschen war’s aber nix, die 14-Uhr-Führung war schnell voll. Es muss eben doch alles seine Ordnung haben.

Auch hier war geöffnet …

Klar, nicht alle geöffneten Denkmäler konnte man ausschließlich am Sonntag sehen – viele sind auch sonst geöffnet. Zu den Ausnahmen zählte etwa auch das Bauernhaus der Familie Deck in Unterföhring, das Archiv des Malers Rupprecht Geiger (Muttenthalerstraße) oder Inneneinsichten der wunderschönen Wohnsiedlung Borstei in der Dachauer Straße.

Das Cincinnati-Kino in Giesing bot Führungen an, zu besichtigen war etwa das einstige Flurbereinigungsamt (Liebigstraße) – und der Luftschutzhochbunker (Blumenstraße) durfte unter fachkundiger Leitung erkundet werden.

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