Unterrichtsanforderungen wird auf 160 Stunden erhöht

Tagesmütter sollen mehr lernen

Tagelang hatten die Eltern Natalie und Josef am Krankenbett des kleinen Christopher gewacht - vergeblich. Der 14 Monate alte Bub starb im September an einer Gehirnblutung, nachdem ihn seine Tagesmutter geschüttelt hatte.

Gut einen Monat ist es her, seit Report München viele Eltern verunsicherte, die ihre Sprösslinge von Tagesmüttern betreuen lassen.

Drei Frauen, die auf der Tagesmütterliste des Jugendamtes stehen, wurden von den TV-Leuten besucht. Ihr Urteil war vernichtend (tz berichtete) – das Vertrauen der Eltern wurde nach dem tragischen Ende des kleinen Christopher, der von seiner Betreuerin zu Tode geschüttelt wurde, ein weiteres Mal erschüttert.

Inzwischen wurden die drei Fälle vom Jugendamt nachgeprüft: In keinem bestätigten sich die kritisierten Zustände, heißt es in der Vorlage zur Sitzung des Sozialausschusses am 4. Dezember. Die Eltern der dort betreuten Kinder seien sehr zufrieden mit der Unterbringung.

Trotzdem sieht Sozialreferent Frieder Graffe Nachholbedarf bei der Kindertagespflege, die ja im Rahmen der bundesweiten Betreuungsoffensive erheblich ausgeweitet werden soll. Derzeit gibt es 344 Tagesbetreuungspersonen, die bis zu fünf Kinder aufnehmen dürfen. Für 144 dieser Tagesmütter und -väter steht ein Ersatz bereit. Ende 2011 werden nach Planung des Sozialreferates 774 qualifizierte Betreuungsstellen zur Verfügung stehen.

Was aber bedeutet „qualifiziert“? Momentan verlangt das Münchner Jugendamt von seinen Tagesmüttern eine Grundqualifizierung von 60 Stunden plus 55 Stunden Zusatzkurse. Das Bundesfamilienministerium fordert 160 Stunden, und diese Marke soll laut Graffes Vorschlag künftig auch in München gelten.

Die zusätzlichen 45 Unterrichtseinheiten sollen nun direkt im Haushalt der Tagesmutter stattfinden, als „Training on the Job“. Bisher sei nämlich die Eignungsprüfung der Frauen auch deshalb problematisch, so Graffe, weil Jugendamtsmitarbeiterinnen bei ihren – angekündigten – Besuchen „oftmals keinen realistischen Eindruck“ bekämen. Unangemeldet stehen die Behördenvertreter nur vor der Tür, wenn ein „konkreter Verdacht“ besteht, dass etwas schiefläuft.

Ein kostenintensives Problem hat das Bundesfinanzministerium der Stadt ins Nest gelegt. Ab Januar 2009 müssen Tagesbetreuungspersonen alle Geldleistungen versteuern, die sie von der öffentlichen Jugendhilfe erhalten. Dadurch würde die Tätigkeit für viele Tagesmütter finanziell uninteressant: Sie dürfen von den Eltern nur 3,50 Euro pro Betreuungsstunde verlangen. Durch einen Aufschlag von zwei Euro pro Stunde würde der Einkommensverlust aufgefangen, was aber für die Eltern untragbar wäre: Sie müssten für 30 Stunden monatlich 715 Euro berappen, 387 Euro mehr als in einer städtischen Krippe.

Damit das gesamte Tagesmütterprojekt nicht zusammenbricht, wird die Stadt die zwei Euro drauflegen und die monatliche Qualifizierungspauschale auf 105 Euro monatlich verdoppeln. Bis 2011 kostet der Erhalt der bestehenden und der Ausbau neuer Plätze knapp drei Millionen Euro. Für jeden Betreuungsplatz zahlt die Stadt künftig statt bisher 6823 Euro 10 562 Euro.

Quelle: tz

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