Tante Annas mysteriöse Reise

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Anna K. ist wieder da!

München/Krakau - Tagelang bangte Gudrun Kratzer um das Leben ihrer Tante Anna. Jetzt ist die 81-Jährige wieder aufgetaucht - in Krakau!

Die 81 Jahre alte Dame hatte am Montag vor einer Woche ihren Mantel angezogen und ihren roten Hut aufgesetzt – und das Harlachinger Krankenhaus verlassen. Seitdem fehlte von der altersverwirrten Rentnerin jede Spur, jedes Lebenszeichen. „Wir rechnen mit dem Schlimmsten“, sagte ihre Nichte. Gestern konnte sie ihre Tante wieder in die Arme schliessen – in einem Obdachlosenheim in Krakau (Polen), gut 950 Kilometer entfernt von München. „Es ist ein Wunder“, sagt Gudrun Kratzer.

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Am Freitagabend hatte die Münchner Polizei bei ihr angerufen: „Ihre Tante wurde gefunden. Sie ist in Krakau.“ In Krakau? Wie um Himmels Willen ist Tante Anna dorthin gekommen, fragt sich seitdem ihre Nichte. „Ich finde keine Antwort. Sie hat überhaupt keinen Bezug zu dieser Stadt“, sagt sie. „Sie hatte keinen Ausweis, kein Bargeld dabei. Wie kann sie eine solche Strecke zurücklegen?“

Eine mögliche Erklärung: mit dem Zug. Anna Kratzers Spur verlor sich am U-Bahnhof St.-Quirin-Platz in Obergiesing. Bis dorthin hatten Suchhunde ihren Weg vom Harlachinger Krankenhaus verfolgen können. „Wahrscheinlich“, vermutet ihre Nichte, „ist sie dann mit der U 1 zum Hauptbahnhof und dort in irgendeinen Zug gestiegen.“

Einen durchgehenden Zug nach Krakau gibt es von München aus nicht. Mindestens einmal muss man am Westbahnhof in Wien umsteigen. Es gibt aber auch Verbindungen, die ein halbes Dutzend Umstiege erfordern. „Selbst wenn sie nur einmal umgestiegen ist, wie konnte sie ohne Ticket durch die Fahrkartenkontrollen kommen?“, fragt Gudrun Kratzer. Möglicherweise ist die betagte Dame aber auch über eine ganz andere Zugverbindung nach Krakau gereist. „Sie kann sich aber an nichts mehr erinnern.“

Tatsache ist, Anna Kratzer ist in Krakau, der mit 750 000 Einwohnern drittgrößten Stadt Polens, angekommen. „Vielleicht schon am Dienstagvormittag, wenn sie noch am Montag losgefahren ist“, meint ihre Nichte. Seit dem 31. Dezember war die Rentnerin in einem kirchlichen Obdachlosenheim untergekommen, das von Ordensschwestern geleitet wird. Wie die 81-Jährige den Dienstag, die Nacht zum Mittwoch und die folgenden Stunden verbracht hat, weiß niemand.

Am Sonntag ist Gudrun Kratzer nach Krakau geflogen – ein Mitarbeiter des Deutschen Generalkonsulats hat sie vom Flughafen abgeholt und ist mit ihr zu dem Obdachlosenheim gefahren. „Die Schwestern haben sich ganz rührend um meine Tante gekümmert, ihr geht es gut.“

Noch am Sonntagnachmittag sind Tante und Nichte nach München zurückgeflogen. „Ich bin so erleichtert. Ich danke allen, der Polizei, der Botschaft, den Ordensschwestern für ihre Hilfe.“

Jacob Mell

Quelle: tz

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